Kompetenzfeststellung im Förderprogramm IQ

Ergänzend zum Beratungs- und Qualifizierungsangebot werden im Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" Verfahren zur Kompetenzfeststellung von Menschen mit Migrationshintergrund umgesetzt. 

Über die Verfahren können individuelle Stärken sichtbar gemacht, Perspektiven für den weiteren Berufs- oder Bildungsweg geklärt und/oder eine verbindliche Kompetenzfeststellung vorbereitet werden. Das trägt einerseits zum Empowerment der Teilnehmenden bei. Andererseits kann die Dokumentation formal, informell und non-formal erworbener Kompetenzen die Chancen in Bewerbungsverfahren erhöhen – z. B. auch in Berufen des dualen Systems, in denen kein formales Anerkennungsverfahren erforderlich ist.

Verfahren, die aktuell im Förderprogramm IQ durchgeführt werden, sind im Raster inhaltlich-methodisch zugeordnet und in den Infoblättern näher beschrieben.

Dimensionen des Rasters

Horizontale Dimension ("Instrumentenachse"): Durch wen und wie wird die Kompetenz festgestellt?

  • Fremdeinschätzung: Kompetenzfeststellung basiert auf Beobachtung des Verhaltens und der Persönlichkeit der Teilnehmenden von "außen" (z.B. durch Beratende, Bildungsdienstleister), beispielsweise während einer Arbeitsprobe oder einer Simulation.
  • Selbsteinschätzung: Kompetenzfeststellung erfolgt durch einen (professionell begleiteten) Prozess der Selbstreflexion, beispielsweise mittels biografischer Interviews oder Fragebögen.

Vertikale Dimension ("Zielachse"): Woran orientieren sich die Ergebnisse und nächsten Schritte?

  • anforderungsorientiert: Gezieltes Sichtbarmachen von Kompetenzen, die relevant für eine berufliche Tätigkeit oder Qualifizierung sind und die sich u.a. aus Ausbildungsordnungen oder Zugangsvoraussetzungen ableiten lassen; sowie Darstellung von Entwicklungs- und Qualifizierungsbedarfen hinsichtlich der geprüften Anforderungen.
  • subjektorientiert: Ressourcenorientiertes Sichtbarmachen und Aktivieren von Kompetenzen und Potenzialen auf Basis eines biografieorientierten Ansatzes, um langfristige Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die individuelle Beschäftigungsfähigkeit zu steigern.

Publikationen zum Thema Kompetenzfeststellung

Von Selbsteinschätzung bis Validierung. Verfahren zur Kompetenzfeststellung von MigrantInnen und Geflüchteten

Fischer, A.; Roser, L.; Hecker, K. 
In: dvb forum 02/2020, S. 35-39 | 2020

Für die Kompetenzfeststellung bei Migrant*innen und Geflüchteten ergeben sich zahlreiche Herausforderungen, denen mit unterschiedlichen zielgruppenadäquaten Methoden begegnet werden kann. Die Auswahl von Verfahren reicht von einer ersten Selbsteinschätzung im Beratungsgespräch bis hin zum Einsatz wissenschaftlich fundierter Kompetenztestverfahren. Bei der Wahl eines geeigneten Verfahrens stellt sich zunächst die Frage danach, zu welchem Zweck es eingesetzt wird - denn die Kompetenzfeststellung in einem konkreten Beruf unterscheidet sich grundsätzlich von der Kompetenzfeststellung im Rahmen der beruflichen Orientierung.

Bestellen

Praxishandreichung: Migrationsspezifische Verfahren zur Kompetenzfeststellung für Agenturen für Arbeit, Jobcenter und Arbeitsmarktakteure

Hrsg.: IQ Fachstelle Beratung und Qualifizierung am Forschungsinstitut Betriebliche Bildung | 2016

Die Handreichung enthält Kompetenzfeststellungsverfahren aus dem Förderprogramm IQ, die sich für den Einsatz bei Agenturen für Arbeit, Jobcentern und Arbeitsmarktakteuren und für die Zielgruppe der Asylsuchenden und Flüchtlinge ohne formalen Abschluss eignen.

Die IQ Fachstelle Beratung und Qualifizierung bedankt sich an dieser Stelle bei den Teilnehmenden des Arbeitstreffens, die durch ihre Expertise dazu beigetragen haben, geeignete Verfahren auszuwählen und aufzubereiten:

Michaela Bachmann (Bildungswerk der hessischen Wirtschaft), Michaela Bergemann (IHK-Projektgesellschaft), Barbara Brem (saar.is - saarland.innovation&standort), Helge Führer (Verein für Sozialpolitik, Bildung und Berufsförderung), Natalia Grekova (HWK Mannheim), Guisy Grillo (Forschungs- und Transferstelle GIM), Marion Kranz (Stiftung Bildung und Handwerk – SBH Südost), Susanne Neumann (zukunft im zentrum), Inga Paula (Tür an Tür - Integrationsprojekte), Claudia Poldrack (EXIS Europa), Andrea Simon (LIFE), Oliver Steinke (Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks), Farzaneh Vagdy-Voß (Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein), Ute Vatter (Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum), Fabian Weiß (PerformPartner), Ellen Wild-Blom (Tür an Tür - Integrationsprojekte), Fatih Yildiz (Kompetenzzentrum HWK Hamburg).

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Qualitätsmerkmale anforderungsorientierter Kompetenzfeststellungsverfahren

Hrsg.: Kompetenzzentrum MigraNet, IQ Facharbeitskreis Kompetenzfeststellung | 2010

Die Qualitätsmerkmale für anforderungsorientierte Kompetenzfeststellungsverfahren wurden im Rahmen es IQ Facharbeitskreises Kompetenzfeststellung entwickelt und beschreiben die Anforderungen v.a. für das fachliche Feststellungsverfahren.

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Von der Feststellung zur Validierung von Kompetenzen

Hrsg.: Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH | 2010

Das im Rahmen des IQ-Facharbeitskreises Kompetenzfeststellung erarbeitete Konzept beschreibt den Prozess der Validierung von Kompetenzen für Migrantinnen und Migranten.

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Kompetenzfeststellung braucht Qualität. Arbeitshilfen für die Praxis.

Hrsg.: IQ Facharbeitskreis Kompetenzfeststellung | 2010

Der IQ Facharbeitskreis Kompetenzfeststellung geht mit dieser Publikation u.a. auf den Aspekt Sprache sowie auf Methoden und Rahmenbedingungen und Qualitätssicherung in der Kompetenzfeststellung ein.

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