"Potenziale sichtbar machen"

Seit 2015 gibt es im Netzwerk "Integration durch Qualifizierung (IQ)“ eine Fach-Arbeitsgruppe Migrant*innenorganisationen. BMAS-Mitarbeiterin Barbara Schmidt erläutert ihre Aufgaben.

Warum wurde im Jahr 2015 im Förderprogramm IQ eine Fach- Arbeitsgruppe Migrant*innenorganisationen (MO) eingesetzt?

Barbara Schmidt: In einem Integrationsprogramm für Menschen mit Migrationshintergrund sollten Organisationen der Selbstvertretung angemessen beteiligt sein. Die Fachgruppe MO wurde eingerichtet, damit die geförderten Akteure die Perspektive der Migrant*innencommunities stärker in die Programmumsetzung und Steuerungsgruppe einbringen. Aktuell sind im Programm mit seinen rund 400 Teilprojekten leider nur 22 MO mit 27 Teilprojekten aktiv.

Welche Aufgaben nimmt die Fach-Arbeitsgruppe MO im Förderprogramm IQ wahr?

Schmidt: Die Fach-Arbeitsgruppe vernetzt alle im Programm geförderten MO und unterstützt, dass ihr spezifischer Blick wahrgenommen wird und sie mit einer gemeinsamen Stimme sprechen. Die Arbeitsgruppe MO trifft sich zweimal jährlich zu Themeninput, Austausch und Vernetzung, Es werden Strategien erarbeitet, um Projektansätze der MO als gute Praxis sichtbar zu machen und in die IQ Steuerungsgruppe oder in die regelmäßigen Aufrufe des Good-Practice-Gremiums in IQ einzubringen. Darüber hinaus wurde im Mai 2021 erstmals als eigene Fachtagung "Migrantenorganisationen im Förderprogramm IQ – vielfältig, vernetzt und innovativ" initiiert, bei der sich rund 70 Teilnehmende über bisherige Angebote, Ansätze und Erfolge informieren konnten.

Wie profitiert das Netzwerk IQ von der Einbindung von MO?

Schmidt: Ein Integrationsnetzwerk kann nur bei guter Einbindung der Selbstvertretungen als erfolgreich wahrgenommen werden. Zum Beispiel profitiert das Netzwerk, weil MO über umfangreiche Kenntnis der Zielgruppen wie etwa die spezifischen Informations- und Beratungsbedarfe verfügen. Sie können Empfehlungen geben, wie Konzepte und Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration bedarfsgerechter und passgenauer umgesetzt werden können.

Die Zielgruppe wird durch die häufig mehrsprachigen Beschäftigten der MO ohne sprachliche oder kulturelle Hürden erreicht. Ratsuchende erhalten Informationen in deren Herkunftssprache und auf Augenhöhe, was Vertrauen schafft und Verständnis sichert.

Menschen mit Migrationshintergrund haben nicht immer ausreichende Informationen über öffentliche Informations- und Beratungsangebote und aufgrund schlechter Erfahrungen in den Herkunftsländern misstrauen sie mitunter staatlichen Einrichtungen und vermeiden den Kontakt. MO können Hürden zwischen Arbeitsmarktakteuren und Zielgruppen abbauen und gegenseitige Zugänge schaffen.

MO tragen dazu bei, Qualifizierungsabbrüche zu minimieren und Integrationsprozesse zu beschleunigen. Die Wahrnehmung von Menschen mit Migrationshintergrund in qualifizierten und anspruchsvollen Beschäftigungen dienen darüber hinaus als "Role Model". MO sind gleichermaßen Botschafter, Begleiter, Türöffner, Mittler und Brückenbauer beim Abbau von Diskriminierung und der Sichtbarmachung von Potenzialen.

Wie profitieren umgekehrt die MO davon?

Schmidt: Die MO werden als gleichberechtigte Partner der Arbeitsmarktintegration sichtbarer. Die Communities und damit auch MO sind häufig die erste Anlaufstelle für Fachkräfte häufig werden Kontakte über Social Media und bekannte Netzwerke bereits aus dem Ausland heraus geknüpft. Die muttersprachliche Kommunikation und Beratung zu Fragen der Anerkennung, Visaangelegenheiten, Einreise, sozialer und betrieblicher Integration hat eine große Reichweite und ist niedrigschwellig. Und innerhalb IQ sprechen die Migrantenorganisationen mit einer Stimme. Ansätze der MO wurden als Gute Praxis ausgezeichnet.

Wie können MO im Förderprogramm IQ weiter gestärkt werden?

Schmidt: Die Migrantenorganisationen sollten für die verbleibende Laufzeit der aktuellen Förderperiode bis Ende 2022 die Vernetzung nutzen, um ihre Erfolge aufzubereiten und gemeinsam sichtbar machen. Die Vernetzung und das Sprechen mit einer Stimme sind ein wichtiger Erfolgsfaktor auch für kleine Träger, um sichtbarer zu werden. Denn Migrantenorganisationen sind aufgerufen, sich in 2022 auch im neuen Förderaufruf des Programms zu bewerben. (fe)

Barbara Schmidt

ist im Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter anderem zuständig für das Netzwerk IQ und arbeitet auch im Programmteam betriebliche Demokratiekompetenz.