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inklusiv Bericht aus der Praxis und Interview mit Christiane Eiberger, Sprachtrainerin im Projekt „Förderung für Lehrkräfte mit ausländischer Berufsqualifikation“

Individuelles Erlernen von „Lehrersprache“

Die Potenzialanalyse sorgt dafür, dass ausländische Lehrer*innen kommunikative Kompetenzen nach persönlichen Bedürfnissen erwerben.

Ausgangslage/Herausforderung

Im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme im IQ Landesnetzwerk Hamburg - NOBI können eingewanderte Lehrkräfte mit anerkannten Lehramtsabschlüssen am Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung eine Anpassungsqualifizierung (APQ) oder eine Eignungsprüfung absolvieren, um die vollständige Gleichwertigkeit ihres Berufsabschlusses zu erreichen. Die „Lehrersprache“ steht im Mittelpunkt der Maßnahme, denn Erfahrungen zeigten, dass standardisierte Trainingsangebote den unterschiedlichen Vorkenntnissen der Zielgruppe nicht gerecht wurden. Für die professionelle Berufsausübung ist die Beherrschung der Lehrersprache jedoch erforderlich. Das IQ Teilprojekt begegnet dieser Herausforderung mit einem neuen Ansatz und entwickelte das „Diagnoseinstrument für berufsbezogene Sprachkompetenz im Lehrerberuf“.

Umsetzung des Instruments

Das von Sprachtrainerinnen im Rahmen des Projekts „Förderung für Lehrkräfte mit ausländischer Berufsqualifikation“ initiierte und entwickelte Diagnoseinstrument Potentialanalyse dient zur Feststellung der berufsbezogenen Sprachkompetenz und zur Feststellung von Entwicklungsbedarfen der Teilnehmenden. Die Potenzialanalyse bildet vor dem Beginn der eigentlichen Anpassungsqualifizierung die Grundlage für die fachsprachliche Vorbereitung der Lehrer*innen. Die Teilnehmenden bekommen die Aufgabe, verschiedene kommunikative Standardsituationen aus dem Bereich Unterricht und Schule auszuführen, wie z.B. sich beim Elternabend vorzustellen, eine Erklärung für einen Vorgang zu präsentieren oder eine Geschichte zu erzählen. Diese Übungen werden mit einer Videokamera aufgezeichnet, lautes Lesen wird beispielsweise auf Tonband aufgenommen. Die Film- und Audioaufnahmen werden im Anschluss von den Sprachtrainerinnen analysiert und ausgewertet. So erhält jeder Teilnehmende eine ganz persönliche Rückmeldung über seine Sprachkompetenz, seine individuellen Trainingsziele und reflektiert die angewandten sprachlichen Instrumente. Der Traningsplan umfasst Feedback zur Ausprägung des Akzents, zur Kenntnis des Fachwortschatzes und zu Merkmalen wie Sprechgeschwindigkeit oder Betonung. Ausgehend von der individuellen Diagnose und Bedarfslage können die Teilnehmenden die Angebote auswählen, die für ihre sprachliche Weiterentwicklung am besten geeignet sind.

Fazit

Die Potenzialanalyse zur Verbesserung der Lehrersprache der Teilnehmenden wird seit 2015 durchgeführt und zeigt in der Evaluation sehr gute Erfolge. Sie setzt auf eine hohe Eigenmotivation und ein starkes Engagement für die persönlichen Lernziele der Lehrer*innen aus aller Welt. Außerdem zeichnet sie sich durch eine hohe Fachlichkeit für den sprachlichen Bereich, die die Teilnehmenden auch an ihre Schüler*innen weitergeben, sowie einen professionellen Umgang mit unterschiedlicher sprachlicher Kultur aus.

Adressaten für Transfer:

Einrichtungen, die berufsbezogene Sprachtrainings durchführen oder die Qualifizierung von ausländischen Fachkräften anbieten

Instrument „Potenzialanalyse“:

Sprachtrainerinnen begleiten mit einer Potenzialanalyse die Anpassungsqualifizierung des Landesinstituts für Lehrerbildung. Die Teilnehmenden erlernen die Fachterminologie der Lehrersprache zur Reflexion der eigenen Sprachkompetenz und erhalten zusätzlich einen individuell für sie angefertigten Plan mit einer Trainingsempfehlung. Sie können ihre Trainingsbausteine individuell auswählen und erhalten immer wieder Rückmeldungen zu ihrer Sprachkompetenz. Im Ergebnis kommunizieren trainierte Lehrkräfte später im Berufsalltag professioneller.

Projekt:

Förderung für Lehrkräfte mit ausländischer Berufsqualifikation

Träger:

Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg, Abteilung Ausbildung

Ansprechpartnerin:

Heide Hildebrandt, heide.hildebrandt(at)li-hamburg.de 

Projektansprechpartnerin:

Christiane Eiberger, Hochallee 108, 20149 Hamburg, Tel.: 0172 4176025, chvocalis(at)t-online.de