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Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

„An sich glauben“

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Interview mit Ildiko, 46, aus Ungarn

Ort: Frankfurt am Main
Datum: 22. Mai 2017
 

Wann bist du nach Deutschland gekommen und was hat dich dazu bewegt umzuziehen?

Mein Mann hat im Jahr 2006 einen Job in Frankfurt angenommen, und ich bin ihm ein Jahr später gefolgt. Die ersten drei Jahre bin ich aber wegen meines Studiums zwischen Deutschland und Ungarn gependelt. Meinen ständigen Wohnsitz in Deutschland habe ich erst seit 2011. 
  

Wie ging es dir hier in der Anfangszeit?

Zu Beginn war es schwer für mich. Obwohl ich zu meiner Schulzeit Deutschunterricht hatte, beherrschte ich die deutsche Sprache nicht so gut. Hinzu kam noch, dass wir in Frankfurt überhaupt niemand kannten und uns somit die sozialen Kontakte fehlten. Als ich noch hin und her pendelte, absolvierte ich in Deutschland mehrere Deutschkurse an einer privaten Sprachschule. Wenn kein Sprachkurs stattfand, war ich aber immer die ganze Zeit alleine zuhause, was deprimierend war.


Was folgte nach dem Deutschkurs?

Bis zum Beginn der virtuellen Brückenmaßnahme habe ich noch Privatunterricht bei einer Deutschlehrerin genommen. Nebenher habe ich über eine Zeitarbeitsfirma bei einer Bank als Bürohilfskraft gearbeitet.

 

Mit welchen Herausforderungen und Hindernissen bist du zu Beginn deines Lebens in Deutschland konfrontiert worden?

Wegen meiner schlechten Deutschkenntnisse fühlte ich mich oft missverstanden. Ich hatte den Eindruck, dass auf mich wenig Rücksicht genommen wird. Darunter hat auch mein Selbstbewusstsein gelitten. Ich habe dann plötzlich nicht mehr an mich selbst geglaubt.

  

Wie ist die Situation heute?

Mit der Zeit hat sich die Situation gebessert. Meine Deutschkenntnisse wurden besser, und durch die Arbeit und die dortigen Kontakte habe ich den Anschluss an die Gesellschaft und den Glauben an mich selbst wieder gefunden. Die schwierige Anfangszeit ist längst überstanden. Ich habe mir inzwischen ein neues soziales Umfeld aufgebaut. Ich fühle mich jetzt nicht mehr allein. Seit November 2016 arbeite ich Vollzeit bei einem Versicherungsunternehmen in der Kundenbetreuung.

 

Wie bist du eigentlich auf unser Angebot aufmerksam geworden?

Ich bin über meine private Deutschlehrerin auf euer Angebot aufmerksam geworden. Die Deutschlehrerin arbeitete damals an einer Volkshochschule und stieß über eine Veranstaltung auf die Qualifizierungsangebote des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)". Sie hat mir dann eure Maßnahme empfohlen.

  

Was war dein erster Eindruck von der virtuellen Brückenmaßnahme?

Ich war von der Atmosphäre und der guten Organisation der Brückenmaßnahme begeistert. Ich fühlte mich von Anfang an wohl und gut aufgehoben. Gleich zu Beginn der Brückenmaßnahme konnte ich feststellen, dass die anderen Teilnehmenden die gleichen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache sowie ganz ähnliche Unsicherheiten hatten wie ich. Mir war auf einen Schlag bewusst, dass es im Grunde nicht an mir persönlich lag, sondern, dass es ein ganz normaler Prozess ist, der überwunden werden muss. Der tägliche Austausch mit den Dozierenden sowie den Teilnehmenden hat mein Selbstwertgefühl insgesamt gesteigert. 

 

Wie hat die Teilnahme an der virtuellen Brückenmaßnahme deine Arbeitssuche beeinflusst?

Das gezielte Bewerbungstraining sowie die Informationen zum deutschen Arbeitsmarkt haben meinen Wissensstand erweitert. Aber vor allem mein durch die Teilnahme gestärktes Selbstbewusstsein hat dazu beigetragen, dass ich heute meine Arbeitsstelle bei einem Versicherungsunternehmen habe.

 

Was hast du in der virtuellen Maßnahme an Neuem für dich entdeckt?

Ich habe vor allem mein Fachwissen in den Bereichen der Betriebs- sowie Volkswirtschaftslehre aufgefrischt und viel Neues zum deutschen Wirtschafts- und Arbeitsrecht dazugelernt.

 

Was sind deine weiteren Ziele?

Ich möchte in den kommenden zwei Jahren noch mehr Arbeitserfahrung sammeln und mich dann innerhalb des Unternehmens auf eine bessere Position bewerben.

 

Was kannst du anderen Migrantinnen und Migranten hinsichtlich der virtuellen Brückenmaßnahmen empfehlen?

Nehmt unbedingt daran teil, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt! Überlegt nicht allzu lange! Die Teilnahme hilft euch selbstbewusster zu werden, ihr lernt neue Menschen kennen, knüpft Kontakte und erweitert euren Wissensstand. Das sind alles Zutaten, die euch helfen, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen.

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