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inklusiv Bericht aus der Praxis und Interview mit Haiko Hörnicke, Ansprechpartner des Projekts "Mission Zukunft – Modul Umwelthandwerk" im IQ Netzwerk Hamburg

Energiewende und Arbeitsmarktintegration

Zur Begegnung des Fachkräftemangels qualifiziert "Mission Zukunft" akademisch vorgebildete Migrant*innen in umwelttechnische Berufe

Ausgangslage/Herausforderung

Für eine gelingende Energiewende in Deutschland sind u.a. die folgenden Technologiefelder Solarthermie, Photovoltaik und Wärmespeicher von zentraler Bedeutung. In diesen und weiteren umwelttechnischen Arbeitsfeldern zeichnet sich jedoch ein Fachkräftebedarf ab, der bis 2030 auf 250.000 fehlende Mitarbeitende ansteigen wird. Dieser hohe Bedarf an umwelttechnisch ausgebildeten Personen kann über Ausbildung und Studium kurz- und mittelfristig nicht gedeckt werden. Gleichzeitig arbeiten viele umwelttechnisch vorgebildete Einwander*innen zum Teil weit unterhalb ihrer Qualifikationen in Helferjobs.

Umsetzung der Brückenmaßnahme Umwelthandwerk

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, bereitet das IQ Teilprojekt „Mission Zukunft– Modul Umwelthandwerk“ des Trägers Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (Handwerkskammer Hamburg) akademisch vorgebildete Migrant*innen auf eine Tätigkeit innerhalb der Umwelttechnik vor. Aufbauend auf ihren technischen Vorerfahrungen werden die Teilnehmenden für Berufe im Umwelthandwerk vorbereitet – von Fachkraftabschlüssen im Bereich der Gebäudetechnik über Anlagenmechanik, Elektronik oder Kälte- und Klimatechnik bis hin zur Leitung einer Biogasanlage.

Die fünfmonatige Brückenmaßnahme besteht aus vier Säulen: technisches Deutsch, praktische Werkstattübungen, Exkursionen zu Orten der Umwelttechnik, z. B. Energie- und Wasserversorgern, Windkraftanlagen, Solarthermieanlagen oder Umweltbetrieben des Handwerks und Coachings. Neben der Vermittlung des Fachvokabular im Bereich Umwelttechnik werden entsprechende Arbeitssituationen in den Werkstätten der Handwerkskammer simuliert und die Teilnehmer*innen pädagogisch begleitet, im Bewerbungsverfahren unterstützt sowie mit Firmen der Umwelttechnik vernetzt. Durch die Stärkung individueller Handlungskompetenzen in Gruppen- und Projektarbeit werden die Teilnehmer*innen schon während der Qualifizierung auf zukünftige Situationen der realen Arbeitswelt vorbereitet.

Insgesamt umfasst der Vollzeitkurs 480 Unterrichtseinheiten. Für das Gelingen der Arbeitsmarktintegration werden individuelle Anschlussperspektiven für die Teilnehmenden erarbeitet. Durch das langjährige Wissen über den Qualifizierungs- und Arbeitsmarkt in Hamburg wird eine „Brücke“ zum individuell erarbeiteten Plan der Teilnehmenden geschlagen.

Fazit

Bislang konnten alle 80 Teilnehmenden der Brückenmaßnahme aus vier durchgeführten Modulen in eine qualifizierte Tätigkeit oder in höher qualifizierende Studiengänge oder Schulungen vermittelt werden. Zusätzlich wurde das Projekt im März 2021 mit dem Harburger Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurde die Kombination aus Bildung, Ökologie, wirtschaftlichen Aspekten und Integration. Das Curriculum, die didaktischen Methoden und das Coaching der Brückenmaßnahme wurden aufgrund der Pandemie auf einen potentiellen Blended Learning-Ansatz umgestellt, so dass der Unterricht und die Exkursionen im virtuellen Raum durchgeführt werden können.

Adressaten für Transfer:

Bildungsdienstleister, Unternehmen

Brückenmaßnahme Umwelthandwerk

Die Brückenmaßnahme bietet Lösungsansätze für die beiden gesellschaftlichen Herausforderungen Energiewende und Arbeitsmarktintegration von umwelttechnisch vorgebildeten Migrant*innen. Umwelttechnische Qualifizierung und passgenaue Vermittlung über individuelle Integrationspläne bilden eine tragfähige Brücke in den Arbeitsmarkt. In sieben Lernfeldern geht es um Sprachförderung, Arbeitsmarkt, Grundlagen der Umwelttechnik, Umweltbelastungen sowie um dezentrale Energieversorgung. Die Teilnehmenden werden innerhalb der fünfmonatigen Qualifizierung betreut und anschließend in weiterführende Fachqualifizierungen und/oder auf umwelttechnische Arbeitsplätze vermittelt.

Projekt:

Mission Zukunft: Anpassungs- und Nachqualifizierung im Hamburger Handwerk – Modul Umwelthandwerk

Träger:

Zentrum für Energie, Wasser und Umwelttechnik (ZEWU) der Handwerkskammer Hamburg

Projektansprechpartner:

Haiko Hörnicke, Zum Handwerkszentrum 1, 21079 Hamburg, Tel.: 040 35905776, Email: haiko.hoernicke(at)elbcampus.de