Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Erwerbsmigration aus Drittstaaten

Unter der Kategorie Drittstaatsangehörige werden Zuwandernde zusammengefasst, die nicht EU-Bürgerinnen bzw. -Bürger sind. Somit kann es Überschneidungen mit anderen Zuwanderungskategorien bzw. -gruppen geben: Drittstaatsangehörige können sowohl Geflüchtete, als auch Studierende sein oder eine Aufenthaltserlaubnis zur Familienzusammenführung oder Erwerbstätigkeit besitzen.

Themen, wie ihre Situation in Deutschland, ihre Integration in den Arbeitsmarkt, die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse und Qualifikationen und ihre qualifikationsadäquate Beschäftigung, sind Gegenstand der aktuellen Migrationsforschung.

Aktuelle Zahlen

Im Jahr 2017 reisten laut BAMF-Wanderungsmonitoring 544.757 Drittstaatsangehörige nach Deutschland ein. Der Wanderungssaldo betrug in diesem Zeitraum +278.036 Personen. Dies entspricht einem deutlichen Rückgang der Zahlen im Vergleich zum Jahr 2016 (-19,1 %), in dem der Wanderungssaldo noch +348.884 Personen betrug. Grund für diesen Rückgang ist, vor allem die deutliche Abnahme der Fluchtzuwanderung seit 2016. Gleichzeitig steigt die Zahl der erteilten Aufenthaltstitel leicht an. So wurden im Jahr 2017 insgesamt 1.221.091 Aufenthaltstitel erteilt, im gleichen Zeitraum 2016 waren es 1.108.700. Zudem nahm der Anteil der erteilten Aufenthaltserlaubnisse im Jahr 2017 leicht um +12,6 % zu, während der Anteil der Niederlassungserlaubnisse, im Vergleich zum Jahr 2016, um -7,9 % sank. Der Anstieg der erteilten Aufenthaltstitel (bei sinkendem Wanderungssaldo) erklärt sich dadurch, dass 80,2 % der Personen, die im Jahr 2017 einen Aufenthaltstitel erhielten, bereits vor 2017 nach Deutschland eingereist sind. Von den verbleibenden 19,8 % der Personen, die real im ersten Halbjahr 2017 nach Deutschland kamen, erhielten 47.926 einen Aufenthaltstitel zu Erwerbszwecken.

Herkunftsländer

Insgesamt wurden im Jahr 2017 zum Zweck der Erwerbstätigkeit 107.642 Aufenthaltserlaubnisse erteilt, was einem Anstieg von +28,0 % gegenüber dem Vergleichszeitraum in 2016 entspricht. Hauptherkunftsländer waren Indien (11.716 Personen), Bosnien und Herzegowina (11.413), USA (8.326), China (8.253), Serbien (7.213) und Kosovo (6.553). Die größten Anstiege im Vergleich zu 2016 zeigen sich bei den Westbalkanstaaten (insb. Bosnien und Herzegowina, Serbien, Kosovo und Mazedonien). Dies hängt mit der im Oktober 2015 eingeführten sog. „Westbalkanregelung“ (§ 26 Abs. 2 BschV) zusammen, die Staatsangehörige der Westbalkanstaaten berechtigt zwischen 2016 und 2020 zum Zwecke der Arbeit oder Ausbildung nach Deutschland einzureisen. Damit ist auch der allgemeine Anstieg der Erwerbsmigration in 2016 und 2017 zu erklären.

Aufenthaltsbestimmungen

Der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ist für Erwerbsmigrantinnen und -migranten aus Drittstaaten eingeschränkt. Die Art der Reglementierung ist dabei abhängig von Herkunftsland, Aufenthaltsdauer und Qualifikation der betreffenden Person. Erworben werden können nach dem Zuwanderungsgesetz aus dem Jahr 2005 zwei Aufenthaltstitel: die (befristete) Aufenthaltserlaubnis und die (unbefristete) Niederlassungserlaubnis.

Für qualifizierte Fachkräfte und hochqualifizierte Zuwanderer wurden die Zugangsmöglichkeiten zu Aufenthalt und Arbeit in den letzten Jahren deutlich liberalisiert. So wurden insbesondere auch die Möglichkeiten, aus dem Ausland ein Visum zur Arbeitssuche und -aufnahme zu beantragen, erweitert (§ 18c AufenthG).

Seit August 2015 besteht eine weitere Zuwanderungsmöglichkeit für Drittstaatsangehörige, die in Deutschland im Rahmen ihrer Qualifikationen arbeiten möchten. Die neue Regelung des § 17a AufenthG ermöglicht es Zuwandernden bereits aus dem Ausland heraus die Anerkennung ihrer Qualifikation anzustreben und zum Zwecke der Durchführung von Anpassungsqualifizierungen (z. B. Spracherwerb B1) oder Ablegen einer Kenntnisprüfung nach Deutschland einzureisen.

Staatsangehörige bestimmter Länder können nach § 41 Abs.1 AufenthV ohne Visum nach Deutschland einreisen und arbeiten bzw. eine Ausbildung machen. Hierbei handelt es sich um Australien, Israel, Japan, Kanada, Neuseeland, Republik Korea und die USA. Eine Anerkennung des Berufsabschlusses ist nur für die Beschäftigung in einem reglementierten Beruf (zum Beispiel als Arzt/Ärztin, Krankenpfleger/in, Erzieher/in) erforderlich.

Zugang zu Ausbildung und Arbeit

Die Arbeitsmarktintegration ist sowohl an institutionelle als auch an soziale Bedingungen geknüpft. Dazu gehören beispielsweise subjektive Faktoren wie Sprachkenntnisse oder die Anbindung zur eigenen Community, von deren Erfahrungen sich profitieren lässt.

Institutionell bedingte Einschränkungen beim Arbeitsmarktzugang für Drittstaatsangehörige ergeben sich beispielsweise durch die sogenannte Vorrangprüfung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Vorrangprüfung dient als Instrument zur Durchsetzung eines nachrangigen Zugangs zum deutschen Arbeitsmarkt. Das bedeutet, dass Drittstaatenangehörige einen Arbeitsplatz nur dann annehmen können, wenn für selbigen keine deutschen Arbeitnehmerinnen und -nehmer oder Staatsangehörige aus EU-/EWR-Ländern, der Schweiz sowie Ausländerinnen und Ausländer, die deutschen Arbeitnehmerinnen und -nehmern hinsichtlich der Arbeitsaufnahme rechtlich gleichgestellt sind, zur Verfügung stehen.

Zudem dürfen sich durch die Beschäftigung der Zuwandernden keine nachteiligen Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt ergeben. In diesem Bereich gibt es vereinzelt Lockerungen, die vor allem hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte und Menschen aus bestimmten Herkunftsländern wie den USA oder Japan betreffen.

Für Asylsuchende und Geduldete wurde die Vorrangprüfung durch das Integrationsgesetz in 133 von insgesamt 156 Agenturbezirken der BA bis zum 05.09.2019 ausgesetzt.

Prinzipiell besteht für Drittstaatangehörige die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Maßnahmen der Arbeits- und Ausbildungsförderung. Hierunter fallen z. B. Arbeitsmarktaktivierung und berufliche Eingliederung (§ 45 SGB III); Einstiegsqualifizierung (§ 54a SGB III); Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (§ 51 SGB III); Berufsausbildungsbeihilfe (§ 56 SGB III); Ausbildungsbegleitende Hilfen (§ 75 SGB III); Außerbetriebliche Berufsausbildung (§ 76 SGB III) oder BaföG.

 

Allerdings gelten für die Beantragung je nach Status unterschiedliche Voraufenthaltszeiten. Daueraufenthaltsberechtigte und ihre Familienangehörigen haben z. B. sofortigen Zugang zu den genannten Maßnahmen; Migrantinnen und Migranten mit einer Aufenthaltserlaubnis aus familiären Gründen haben erst ab dem 16. Monat ihren Aufenthaltes in Deutschland einen Anspruch. Zuwanderer mit einer Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Ausbildung oder der Erwerbstätigkeit können Fördermaßnahmen sogar frühestens nach fünf Jahren in Anspruch nehmen (§ 59 Abs. 3 SGB III).

Veröffentlichungen der Fachstelle Einwanderung zum Thema

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Zuwanderung nach Deutschland in 2016. Kompakt 08/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Zugang zu Ausbildungsförderung für Drittstaatsangehörige. Kompakt 07/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Arbeitsmarktintegration von Zuwanderungsgruppen in Deutschland. Working Paper 02/2017.

Quellen

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2017: Wanderungsmonitoring: Erwerbsmigration nach Deutschland. Bericht für das erste Halbjahr 2017.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2017: Wanderungsmonitoring: Erwerbsmigration nach Deutschland. Bericht für das Jahr 2016.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2016: Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung. Migrationsbericht 2015.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2016: Aufenthalt in Deutschland.

Weiterführende Literatur

Vollmer, Michael, 2015: Bestimmung von Fachkräfteengpässen und Fachkräftebedarfen in Deutschland. Fokus-Studie der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN). Working Paper 64.

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