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Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Erwerbsmigration aus Drittstaaten

Unter Drittstaatsangehörigen werden Zuwandernde zusammengefasst, die nicht EU-Bürgerinnen bzw. -Bürger sind. Somit kann es Überschneidungen mit anderen Zuwanderungsgruppen geben: Drittstaatsangehörige können sowohl Geflüchtete, als auch Studierende sein oder Personen, die eine Aufenthaltserlaubnis zur Familienzusammenführung oder Erwerbstätigkeit besitzen.

Themen, wie ihre Situation in Deutschland, ihre Integration in den Arbeitsmarkt, die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse und Qualifikationen und ihre qualifikationsadäquate Beschäftigung, sind Gegenstand der aktuellen Migrationsforschung.

Aktuelle Zahlen

Im ersten Halbjahr 2018 reisten laut BAMF-Wanderungsmonitoring 245.289 Drittstaatsangehörige nach Deutschland ein. Der Wanderungssaldo betrug in diesem Zeitraum +126.758 Personen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Anzahl der zugewanderten Personen erhöht (+8,42 %), im ersten Halbjahr 2017 betrug der Wanderungssaldo +116.918 Personen. Gleichzeitig blieb die Zahl der erteilten Aufenthaltstitel auf gleichem Niveau. So wurden im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 664.321 Aufenthaltstitel erteilt, im Vorjahreszeitraum 2017 waren es 660.098. Die Zahlen der erteilten Aufenthaltserlaubnisse und Blaue Karten EU zusammen (+0,7 %) und der Niederlassungserlaubnisse (+0,0 %) blieben somit konstant.

206.764 Personen haben im 1. Halbjahr 2018 einen befristeten Aufenthaltstitel (Aufenthaltserlaubnisse/Blaue Karte EU, Niederlassungserlaubnis) erhalten, der in direkter Verbindung zu Ausbildung bzw. Erwerbstätigkeit steht. Sowohl bei den Aufenthaltserlaubnissen zum Zweck der Ausbildung (70.409) als auch zum Zweck der Erwerbstätigkeit (65.755) konnten Steigerungen um jeweils +9,8 % bzw. +18,9 % im Berichtzeitraum 1. Halbjahr 2018 beobachtet werden. Die große Mehrheit der betreffenden Personen reiste bereits vor 2018 nach Deutschland ein.

Herkunftsländer

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2018 zum Zweck der Erwerbstätigkeit 65.755 Aufenthaltserlaubnisse erteilt, was einem Anstieg von +18,90 % gegenüber dem Vergleichszeitraum in 2017 entspricht. Hauptherkunftsländer waren Indien (7.581 Personen), Bosnien und Herzegowina (6.779), China (4.419), Serbien (4.411), Kosovo (4.163) und die USA (4.068). Die größten Anstiege im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 zeigen sich bei den Westbalkanstaaten (insb. Serbien, Kosovo, Mazedonien und Albanien). Dies hängt mit der im Oktober 2015 eingeführten sog. „Westbalkanregelung“ (§ 26 Abs. 2 BeschV) zusammen, die Staatsangehörige der Westbalkanstaaten berechtigt zwischen 2016 und 2020 zum Zwecke der Arbeit oder Ausbildung nach Deutschland einzureisen. Damit ist teilweise auch der allgemeine Anstieg der Erwerbsmigration 2016-2018 zu erklären.

Aufenthaltsbestimmungen

Der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ist für Erwerbsmigrantinnen und -migranten aus Drittstaaten eingeschränkt. Die Art der Reglementierung ist dabei abhängig von Herkunftsland, Aufenthaltsdauer und Qualifikation der betreffenden Person. Erteilt werden können nach dem Zuwanderungsgesetz aus dem Jahr 2005 zwei Aufenthaltstitel: die (befristete) Aufenthaltserlaubnis und die (unbefristete) Niederlassungserlaubnis.

Für qualifizierte Fachkräfte und hochqualifizierte Zuwanderer wurden die Zugangsmöglichkeiten zu Aufenthalt und Arbeit in den letzten Jahren deutlich liberalisiert. So wurden insbesondere auch die Möglichkeiten, aus dem Ausland ein Visum zur Arbeitssuche und -aufnahme zu beantragen, erweitert (§ 18c AufenthG). Die Bundesregierung plant im Kabinettsentwurf des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes vom 18.12.2018 diese Möglichkeiten auf Fachkräfte mit Berufsausbildung auszuweiten.

Seit August 2015 besteht eine weitere Zuwanderungsmöglichkeit für Drittstaatsangehörige, die in Deutschland im Rahmen ihrer Qualifikationen arbeiten möchten. Die neue Regelung des § 17a AufenthG ermöglicht es Zuwandernden, bereits aus dem Ausland heraus die Anerkennung ihrer Qualifikation anzustreben und zum Zwecke der Durchführung von Anpassungsqualifizierungen (z. B. Spracherwerb B1) oder Ablegen einer Kenntnisprüfung nach Deutschland einzureisen.

Staatsangehörige bestimmter Länder können nach § 41 Abs.1 AufenthV visumsfrei nach Deutschland einreisen und nach § 26 Abs.1 BeschV bedarf es für sie keiner Zustimmung seitens der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitsaufnahme bzw. Beginn einer Ausbildung. Dies betrifft die Staatsangehörigen von Australien, Israel, Japan, Kanada, Neuseeland, der Republik Korea und der Vereinigten Staaten von Amerika. Eine Anerkennung des Berufsabschlusses ist nur für die Beschäftigung in einem reglementierten Beruf (zum Beispiel als Arzt oder Ärztin, Krankenpfleger oder Krankenpflegerin, Erzieher oder Erzieherin) erforderlich.

Zugang zu Ausbildung und Arbeit

Die Arbeitsmarktintegration ist sowohl an institutionelle als auch an soziale Bedingungen geknüpft. Dazu gehören beispielsweise subjektive Faktoren wie Sprachkenntnisse oder die Anbindung zur eigenen Community, von deren Erfahrungen sich profitieren lässt.

Institutionell bedingte Einschränkungen beim Arbeitsmarktzugang für Drittstaatsangehörige ergeben sich beispielsweise durch die sogenannte Vorrangprüfung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Vorrangprüfung dient als Instrument zur Durchsetzung eines nachrangigen Zugangs zum deutschen Arbeitsmarkt. Das bedeutet, dass Drittstaatsangehörige einen Arbeitsplatz nur dann annehmen können, wenn für selbigen keine deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder Staatsangehörige aus EU-/EWR-Ländern, der Schweiz sowie Ausländerinnen und Ausländer, die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hinsichtlich der Arbeitsaufnahme rechtlich gleichgestellt sind, zur Verfügung stehen. Der Kabinettsentwurf des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes sieht vor, dass die Vorrangprüfung für Fachkräfte grundsätzlich wegfällt, es sei denn, dies ist in der entsprechenden Norm ausdrücklich geregelt.

Zudem dürfen sich durch die Beschäftigung der Zuwandernden keine nachteiligen Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt ergeben. In diesem Bereich gibt es vereinzelt Lockerungen, die vor allem hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte und Menschen aus bestimmten Herkunftsländern wie den USA oder Japan betreffen.

Für Asylsuchende und Geduldete wurde die Vorrangprüfung durch das Integrationsgesetz in 133 von insgesamt 156 Agenturbezirken der BA bis zum 05.09.2019 ausgesetzt. Die Zugangsfrist zum Arbeitsmarkt beträgt 3 Monate.

Prinzipiell besteht für Drittstaatsangehörige die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Maßnahmen der Arbeits- und Ausbildungsförderung. Hierunter fallen z. B. Arbeitsmarktaktivierung und berufliche Eingliederung (§ 45 SGB III); Einstiegsqualifizierung (§ 54a SGB III); Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (§ 51 SGB III); Berufsausbildungsbeihilfe (§ 56 SGB III); Ausbildungsbegleitende Hilfen (§ 75 SGB III); Außerbetriebliche Berufsausbildung (§ 76 SGB III) oder BAföG.

Allerdings gelten für die Beantragung je nach Status unterschiedliche Voraufenthaltszeiten. Daueraufenthaltsberechtigte und ihre Familienangehörigen haben z. B. sofortigen Zugang zu den genannten Maßnahmen; Migrantinnen und Migranten mit einer Aufenthaltserlaubnis aus familiären Gründen haben erst ab dem 16. Monat ihres Aufenthaltes in Deutschland einen Anspruch. Zuwandernde mit einer Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Ausbildung oder der Erwerbstätigkeit können Fördermaßnahmen sogar frühestens nach fünf Jahren in Anspruch nehmen (§ 59 Abs. 3 SGB III).

Veröffentlichungen der Fachstelle Einwanderung zum Thema

IQ Fachstelle Einwanderung, 2018: Zuwanderung und regionaler Fachkräftebedarf: Bewertung von Zuwanderung in Fachkräftestudien. Working Paper 12/2018.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2018: Zuwanderung nach Deutschland in 2017. Kompakt 10/2018.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2018: Zugang zu Studium und Arbeitsmarkt – Arbeitshilfe für internationale Studierende. Kompakt 10/2018.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2018: Zugang zu Ausbildungsförderung für Drittstaatsangehörige. Kompakt 09/2018 (vormals 07/2017 und 06/2016).

IQ Fachstelle Einwanderung, 2018: Internationale Studierende in Deutschland. Kompakt 08/2018.

IQ Fachstelle Beratung und Qualifizierung / Fachstelle Einwanderung, 2017: Leitfaden zu § 17a Aufenthaltsgesetz. 10/2017

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Arbeitsmarktintegration von Zuwanderungsgruppen in Deutschland. Working Paper 02/2017.

Quellen

Bundesagentur für Arbeit – Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), 2016: Arbeiten und Leben in Deutschland Informationen zur Aufenthaltserlaubnis, zu Voraussetzungen und Verfahren für Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus Albanien, Bosnien-Herzegovina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2019: Aufenthalt in Deutschland.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2018a: Wanderungsmonitoring: Erwerbsmigration nach Deutschland. Bericht für das 1. Halbjahr 2018.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2018b: Wanderungsmonitoring: Erwerbsmigration nach Deutschland. Bericht für das Jahr 2017.

Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI), 2018: Entwurf eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 2018: Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge.

Weiterführende Literatur

European Migration Network (EMN), 2019: Labour market integration of third-country nationals in EU Member States – Synthesis Report. Brussels. European Migration Network.

Fuchs, Johann; Kubis, Alexander; Schneider, Lutz, 2019: Zuwanderung und Digitalisierung – Wie viel Migration aus Drittstaaten benötigt der deutsche Arbeitsmarkt künftig? Bertelsmann Stiftung, Gütersloh.

Geis-Thöne, Wido, 2018: Abwanderung und Verbleibsabsichten von Zuwanderern. IQ-Trends 4/2018.

Sachverständigenrat deutscher Stiftung für Integration und Migration (SVR), 2018: Alternativen zum Asylantrag? Legale Migrationswege nach Deutschland für Drittstaatsangehörige ohne Schutzperspektive, Berlin.

Seils, Eric; Gartiser, Moritz, 2018: Konsequenzen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. Policy Brief WSI Nr. 28, 12/2018.

Vollmer, Michael, 2015: Bestimmung von Fachkräfteengpässen und Fachkräftebedarfen in Deutschland. Fokus-Studie der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN). Working Paper 64.

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