Interkulturelle Öffnung in einer vielfältigen Gesellschaft

Die wachsende Vielfalt der Gesellschaft spiegelt sich nur zum Teil in Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen wider. Unterschiedliche Zugangsbarrieren verhindern eine gleichberechtigte Repräsentanz u. a. von Menschen mit Migrationshintergrund, sei es als Mitarbeitende, Führungskräfte oder als Nutzer*innen von Dienstleistungen.

Eine Interkulturelle Öffnung von Organisationen strebt den Abbau dieser Zugangsbarrieren an. Dahinter steht die Überzeugung, dass in jeder Gesellschaft unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen leben. Zur Herstellung von Chancengerechtigkeit müssen auf politischer, gesellschaftlicher und organisatorischer Ebene Maßnahmen ergriffen werden.


In der Praxis

Auf kommunaler Ebene sind Interkulturelle Öffnungsprozesse häufig im Dreiklang mit dem kommunalen Integrationsmanagement und einer Willkommens- und Anerkennungskultur zu finden. In den Integrationsgesetzen der Länder Berlin aus dem Jahr 2010 (§ 6), Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2012 (§ 6) und Baden-Württemberg aus dem Jahr 2015 (§ 4) werden zum Beispiel für die Landesverwaltungen geltende Regeln der interkulturellen Öffnung normiert. Bei Unternehmen oder Institutionen werden Interkulturelle Öffnungsprozesse im Rahmen eines umfassenden Organisations- und Qualitätsentwicklungsprozesses verankert. Dazu werden bestehende Strukturen kritisch analysiert und auf Ausgrenzungsmechanismen hin untersucht. Migration und Pluralität von lebensweltlichen Konzepten und Arbeitsstilen sollten dabei genauso thematisiert werden wie Diskriminierung und Machtstrukturen. Interkulturelle Öffnung ist eine Querschnittsaufgabe und wird idealerweise in allen Arbeitsfeldern und auf allen Hierarchieebenen umgesetzt. Dazu werden entsprechende Ziele und Maßnahmen auf folgenden Ebenen entwickelt:

  • Organisationsstruktur
  • Personal
  • Angebote / Dienstleistungen / Produkte
  • Kooperation und Vernetzung

Je nach Bedarf und Ausgangslage vor Ort können unterschiedliche Ziele und damit verknüpfte Maßnahmen umgesetzt werden. Auf struktureller Ebene können zum Beispiel ein positives Bekenntnis zu Vielfalt verabschiedet und ein Auftrag zur Umsetzung sowie angestrebte Ziele in Leitbildern oder in Betriebs- und Dienstvereinbarungen festgeschrieben werden. Stabstellen oder Beauftragte für Interkulturalität und Vielfalt können als langfristige Anlaufstellen für die Thematik fungieren. Auf der Ebene des Personals werden häufig Diversity Checks durchgeführt, um eine Datengrundlage zu haben, wie vielfältig tatsächlich das Personal ist. Die Gewinnung von Beschäftigten mit Migrationshintergrund ist meist ein erklärtes Ziel von Interkulturellen Öffnungsmaßnahmen, was durch gezielte Anwerbekampagnen, vielfaltsorientierte Ansprachen bei Stellenausschreibungen oder veränderte Personalauswahlverfahren versucht wird zu erzielen. Schon fast standardisiert werden interkulturelle bzw. diversityorientierte Schulungen für die Mitarbeitenden als ein wesentlicher Baustein einer vielfaltsorientierten Personalentwicklung angeboten. Auf der Ebene der Angebote wird zum Beispiel überprüft, ob die Homepage oder Flyer überarbeitet werden müssen oder ob in der Konzeption von Maßnahmen etwas verändert werden muss, um alle Zielgruppen zu erreichen.

Zentrale Fragenstellungen sind zusammenfassend:

  • Werden alle gesellschaftlichen Gruppen als Zielgruppe angesehen und erreicht?
  • Werden die Bedürfnisse aller Mitarbeitenden berücksichtigt?
  • Wie hoch ist der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund?
  • Wie sind die Entwicklungsmöglichkeiten der Beschäftigten mit Migrationshintergrund?  
  • Nimmt das Leitbild Bezug auf Vielfalt?

Interkulturelle Öffnung ist ein längerfristiger Prozess, der auf eine Qualitätsverbesserung abzielt. Gerade wenn Mitarbeitende gut darin beteiligt werden, kann die Identifikation mit der Organisation oder die Zufriedenheit der Mitarbeitenden gesteigert werden.

Das IQ Netzwerk zum Themenfeld

Das Förderprogramm IQ bietet bundesweit und kostenlos Schulungen und Trainings zu interkulturellen Fragestellungen an und berät und begleitet KMU, Jobcenter und Agenturen für Arbeit bei interkulturellen Öffnungsprozessen.

Die IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung stellt außerdem Praxis-Tools und Informationsmaterial zum Themenfeld zur Verfügung. Dazu gehören: