Antidiskriminierung im Kontext Migration und Arbeitsmarkt

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW, 2013) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurde von 5000 befragten Eingewanderten jede zweite Person aufgrund ihrer Herkunft mindestens einmal diskriminiert: vor allem bei Ämtern und Behörden sowie auf dem Arbeitsmarkt. Jede dritte Beratungsanfrage zu Antidiskriminierung bezog sich 2018 auf den Arbeitsmarkt (Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2019).

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat statistisch nachgewiesen, dass ein diskriminierungsfreier Zugang zu Ausbildung im dualen System nicht gewährleistet ist. Hochqualifizierte Bewerber*innen mit einem türkischen Namen werden – vor allem von kleinen Unternehmen – deutlich seltener zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen als vergleichbare Kandidat*innen mit deutschem Namen.

Besonders stark werden bei der Jobsuche Frauen mit ausländisch klingendem Namen diskriminiert, die ein Kopftuch tragen. Dabei steigt der Grad der Diskriminierung im Vergleich zu Bewerberinnen ohne Migrationshintergrund mit dem höheren Grad der Qualifizierung der Stelle sogar an. So muss "Meryem Öztürk", die ein Kopftuch trägt, bis zu 7,6 x mehr Bewerbungen schreiben als "Sandra Bauer" (Weichselbaumer 2016).

Diskriminierung kann auf dem Arbeitsmarkt unterschiedliche Formen annehmen und auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Auf struktureller oder institutioneller Ebene, wenn z. B. der Zugang zum Arbeitsmarkt für bestimme Migrationsgruppen verwehrt wird, wenn in einem Unternehmen Menschen aus einem bestimmten Land nicht eingestellt werden oder wenn Kompetenzen systematisch abgewertet oder Migrant*innen zu schlechteren Arbeitsbedingungen eingestellt werden. Es kann aber auch zu Problemen mit Kund*innen und im Team kommen, die von Beleidigungen über Mobbing bis hin zu Gewalt reichen.


Gegenmaßnahmen

Zum Abbau von und Schutz vor Diskriminierung ist vor allem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von grundlegender Bedeutung. Dieses Bundesgesetz trat im Jahr 2006 in Kraft und setzt vier EU-Antidiskriminierungsrichtlinien um. Das AGG verbietet rassistische Diskriminierung sowie ungerechtfertigte Benachteiligung aufgrund der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder einer Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters und der sexuellen Identität.

Um die arbeitsrechtlichen Anforderungen des AGG zu erfüllen, müssen Unternehmen und Organisationen insbesondere ihre Personalprozesse (Rekrutierung, Aufstieg, Aus- und Weiterbildung) sowie ihre Organisationskultur und den Kundenverkehr an die gesetzlichen Bestimmungen anpassen und ihre betrieblichen Strukturen und Prozesse entsprechend überprüfen.

Auch sind Arbeitgeber*innen dazu angehalten, gegenüber der Belegschaft ihren Informationspflichten nachzukommen und vorbeugende Maßnahmen (Schulungen, Workshops, AGG- und Diversity-Trainings) zu treffen. Ein diskriminierungsfreies Verhalten der Mitarbeitenden soll gesichert sein, und bei Verstößen gegen das Diskriminierungsverbot sollen geeignete Maßnahmen ergriffen werden.


Das IQ Netzwerk zum Themenfeld

Indem Zugangswege zum Arbeitsmarkt von verschiedenen Seiten her geöffnet werden, kann Diskriminierung abgebaut werden. Das Förderprogramm IQ informiert, berät und schult bundesweit und kostenlos zu Antidiskriminierung im Kontext Arbeitsverwaltung und Arbeitsmarkt.  

Die Bandbreite der Themen ist dabei groß. Sie reicht vom AGG über die Einrichtung von innerbetrieblichen Beschwerdestellen bis hin zu anonymisierten Bewerbungsverfahren, Positiven Maßnahmen und diskriminierungskritischer Sprache.

Die IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung stellt außerdem Praxis-Tools und Informationsmaterial zum Themenfeld zur Verfügung. Dazu gehören:

 

Das Förderprogramm IQ mit seinen bundesweit etwa 380 Teilprojekten übernimmt auch selbst Verantwortung für Antidiskriminierung. Das bundesweite Gremium AG Antidiskriminierung und die IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung haben ein Selbstverständnis über Antidiskriminierung erarbeitet, zu dem sich die Mitglieder des Förderprogramms IQ bekennen. Das Papier "Für Vielfalt. Gegen Diskriminierung" schreibt eine gemeinsame Haltung und Praxis von Antidiskriminierung fest und bietet so Orientierung und Unterstützung bei der Verankerung des Themas.