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Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Fluchtmigration

Das Generieren, Auswerten und Analysieren von Wissen um Profile und Sichtweisen von Geflüchteten, die seit 2014 nach Deutschland kamen und weiterhin kommen, beschäftigt Wissenschaft und Praxis gleichermaßen.

Von zentraler Bedeutung ist weiterhin die bereits seit dem Jahr 2016 durchgeführte repräsentative Befragung von Geflüchteten vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Zusammenarbeit mit dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die sogenannte IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten. Dabei werden Geflüchtete, die vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Januar 2016 in Deutschland eingereist sind und einen Asylantrag gestellt haben, sowie ihre Haushaltsmitglieder, wiederholt zu Themen wie Fluchtmotive und -kosten, dem Ankommen in Deutschland, Bildung und Sprache, Arbeitsmarktintegration und Wertevorstellungen, z. B. in Bezug auf Demokratie, befragt. Die zweite Befragungswelle wurde Anfang 2018 abgeschlossen. In der BAMF-Kurzanalyse 1|2019 werden erste Erkenntnisse aus der zweiten Erhebung der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten aus dem Jahr 2017 vorgestellt. Im Fokus dieser Veröffentlichung stehen die Entwicklung der Erwerbs- und Bildungsbeteiligung sowie der sprachlichen Kompetenzen der Geflüchteten. Darüber hinaus wird ihre gesundheitliche Situation in den Blick genommen. Die Gesamtstichprobe umfasst 7.430 erwachsene Personen, die mindestens einmal befragt wurden. In allen untersuchten Bereichen zeichnet sich eine Verbesserung der Integration und Teilhabe von Geflüchteten im Vergleich zum Vorjahr ab.

Seit 2001 erfasst das BAMF zudem auf freiwilliger Basis neben allgemeinen Daten zu Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit und Herkunftsregion von Asylsuchenden, auch weitere Fragen, wie die besuchten Bildungseinrichtungen, berufliche Tätigkeiten, Sprachkenntnisse oder wirtschaftliche Verhältnisse (sog. „Soko-Daten“: Daten zur „Sozialen Komponente“), die Aufschluss über das soziodemografische Profil von asylsuchenden Zuwandernden in Deutschland geben.

Alter und Geschlecht

Abbildung 1: Alters- und Geschlechtsstrukturen von Asylsuchenden im Zeitraum Januar bis Dezember 2018 (Eigene Darstellung nach BAMF – Aktuelle Zahlen zu Asyl 12/2018)

Laut BAMF – Aktuelle Zahlen 12/2018 liegt der Anteil der männlichen Asylsuchenden, die zwischen Januar und Dezember 2018 einen Asylantrag gestellt haben, bei 56,7 %. Der Frauenanteil steigt demnach weiter stark an auf 43,3 %.

Asylsuchende sind im Schnitt sehr jung, 82,7 % sind jünger als 34 Jahre. Über zwei Fünftel (44,1 %) der Asylsuchenden sind unter 16 Jahre alt. Innerhalb der Altersgruppen sind die Geschlechtsverhältnisse weitestgehend ausgewogen bis auf die zwei jüngeren Altersgruppen. In der Altersgruppe der unter 16-Jährigen liegt der Frauenanteil (49,0 %) mit knapp 8,5 Prozentpunkten über dem der Männer (40,5 %). In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen verhält es sich gegensätzlich: Der Männeranteil (23,0 %) überwiegt mit ungefähr 8,2 Prozentpunkten über dem Anteil der Frauen (14,8 %)

Herkunftsländer

Abbildung 2: Top 10 Hauptherkunftsländer der Erstantragsstellenden im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 (Eigene Darstellung nach BAMF – Aktuelle Zahlen zu Asyl 12/2018 und BAMF – Aktuelle Zahlen zu Asyl 12/2017)

Die Erstanträge sind im Berichtzeitraum 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 18,35 % von 198.317 auf 161.931 zurückgegangen. Die größten Rückgänge sind aus Eritrea: - 45,5 % (-4.655), Afghanistan: -39,5 % (-6.481), Somalia: -25,8 % (-1.763) und Irak: -25,5 % (-5.597) zu verzeichnen. Drei Länder weisen eine Zunahme von Asylerstanträgen auf: Nigeria um 30,2 % (+2.357), die Türkei um 26,6 % (+2.133) und der Iran um 26,1 % (+2.249). Dies führt dazu, dass Afghanistan, im Vergleich zu der Entwicklung, die sich noch in der ersten Jahreshälfte abgezeichnet hat, vom vierten auf den sechsten und der Iran vom fünften auf den dritten Platz in der Rangliste der Hauptherkunftsländer gerückt ist (BAMF – Aktuelle Zahlen zu Asyl 06/2018).

Entscheidungen über Asylanträge

Abbildung 3: Entscheidungen über Asylanträge Januar bis Dezember 2018 (Eigene Darstellung nach BAMF – Aktuelle Zahlen zu Asyl 12/2018)

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 2018 über 216.873 Erst- und Folgeanträge entschieden, davon 43.875 Entscheidungen über Anträge aus Syrien (Gesamtschutzquote: 81,9 %), 20.033 Entscheidungen aus dem Irak (Gesamtschutzquote: 32,3 %) und 18.627 aus Afghanistan (Schutzquote: 37,5 %). Die Gesamtschutzquote für alle Herkunftsländer betrug 35,1 %. Sie ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 % (2017: 43,3 %) gesunken (Asylgeschäftsbericht für den Monat Dezember 2018 und das Berichtsjahr 2018).

Die Gesamtschutzquote setzt sich zusammen aus der Anzahl der Asylanerkennungen, der Gewährungen von Flüchtlings- und subsidiärem Schutz und der Feststellungen eines nationalen Abschiebeverbotes. Es handelt sich hierbei um die unbereinigte Schutzquote. In deren Berechnung gehen Anträge, welche aus formellen Gründen, wie z. B. Änderung des Aufenthaltsstatus durch Heirat oder aufgrund der Zuständigkeit eines anderen EU-Mitgliedstaats gemäß Dublin-III-Verordnung, vom BAMF inhaltlich nicht geprüft wurden, als Ablehnung ein. 

Um die bereinigte Schutzquote zu erhalten, muss der Anteil der sonstigen Verfahrenserledigungen aus der Berechnung ausgeklammert werden. Für das Jahr 2018 lässt sich dadurch eine bereinigte Schutzquote von 50,2 % feststellen – tatsächlich wurde jeder zweite vom BAMF geprüfte Asylantrag als begründet angesehen und führte zur Erteilung eines Schutzstatus.

Bildungshintergrund

In der BAMF – Kurzanalyse 01/2019 wurden auf Grundlage von im zweiten Halbjahr 2017 Befragten u. a. neue Daten zum Bildungsstand von Geflüchteten, die zwischen Januar 2013 und Dezember 2016 eingewandert sind, erhoben. Den Ergebnissen zufolge haben beim Zuzug 11 % der Geflüchteten ein Hochschul- oder Universitätsstudium und 10 % eine schulische oder betriebliche Ausbildung abgeschlossen. 10 % besuchen aktuell eine allgemeinbildende oder berufliche Bildungseinrichtung oder haben seit ihrem Zuzug diese bereits abgeschlossen. Die Bildungsbeteiligung unter den Geflüchteten ist damit gegenüber der Befragung im Jahr 2016 um 4 Prozentpunkte gestiegen.

Die Bildungsaspirationen der befragten Geflüchteten sind stark ausgeprägt. 44 % der Befragten streben an, einen allgemeinbildenden Schulabschluss in Deutschland zu erwerben und 68 % streben eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium an. Häufig mangelt es an Sprachkenntnissen oder allgemein- und berufsbildenden Voraussetzungen, so dass der Zugang zu Bildungseinrichtungen vielen Geflüchteten nicht in vollem Umfang möglich ist. Des Weiteren liegen oftmals nicht die notwendigen Nachweise über Qualifikationen vor oder die Qualifikationen werden nicht anerkannt.

Geflüchtete Frauen

Seit dem Jahr 2017 richtete sich der Fokus im wissenschaftlichen Diskurs verhäuft auf die Zuwanderungsgruppe der geflüchteten Frauen:

Das BAMF veröffentlichte im Januar 2017 eine Kurzanalyse, in der die (Forschungs-) Ergebnisse aus den o. g. IAB-BAMF-SOEP-Befragung, der BAMF-Flüchtlingsstudie 2014 sowie der Soko-Daten in Bezug auf die Situation geflüchteter Frauen analysiert wurden.

Im März 2017 wurde der Abschlussbericht eines Forschungsprojekts der Charité zur Situation geflüchteter Frauen in Deutschland veröffentlicht. Gegenstand der Befragung waren vor allem Erlebnisse der geflüchteten Frauen vor und während der Migration, sowie der Zugang zu psychosozialen Versorgung und ihre psychosoziale Gesamtsituation nach der Migration.

Die Heinrich-Böll-Stiftung beleuchtet in ihrem Dossier Frauen und Flucht: Vulnerabilität – Empowerment - Teilhabe (März 2018) die Situation geflüchteter Frauen vor, während und nach ihrer Flucht. Neben den spezifischen Verwundbarkeiten beschäftigen sich die Beiträge der Publikation mit präventiven Maßnahmen zum Empowerment geflüchteter Frauen.

Auch die Fachstelle Einwanderung behandelt seit 2017 verstärkt das Thema geflüchtete Frauen. Die 2018 überarbeitete und aktualisierte Auflage der „Profile der Neueinwanderung“ widmet sich der Frage nach den spezifischen Herausforderungen für die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen.

In Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit führt die Fachstelle Einwanderung eine Fallstudie zum Thema „Geflüchtete Frauen als Zielgruppe der Arbeitsmarktförderung“ durch. Im November 2018 wurden erste Zwischenresultate der Fallstudie vorgestellt und gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik im Rahmen des Fachgesprächs „Geflüchtete Frauen als Zielgruppe der Arbeitsmarktförderung“ diskutiert. Die Veröffentlichung der Studie erfolgt auf dem Fachforum am 21. Mai 2019.

Veröffentlichungen der Fachstelle Einwanderung zum Thema

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Ehrenamtliche Arbeit im Bereich der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, Working Paper 10/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen: Zahlen, Fakten, internationale Erfahrungen, Working Paper 04/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Arbeitsmarktintegration von Zuwanderungsgruppen in Deutschland, Working Paper 02/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Familienzusammenführung - Rechtliche Grundlagen und Arbeitsmarktintegration, Working Paper/ Neues aus der Migrationsforschung 01/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2016: Wie sind Flüchtlinge in den europäischen Arbeitsmarkt integriert? Gemeinsames Arbeitspapier von OECD und Europäischer Kommission, Working Paper/ Neues aus der Migrationsforschung 09/2016.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2016: Deutsche und internationale Studien zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, Working Paper/ Neues aus der Migrationsforschung 06/2016.

Weiterführende Literatur

Aumüller, J.,2016: Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Bestehende Praxisansätze und weiterführende Empfehlungen. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

Bertelsmann Stiftung. 2018: "Ausbildung oder Arbeit für Flüchtlinge? - Ohne Freiwilligen können Sie das vergessen!" Über bürgerschaftliches Engagement zur Unterstützung der Arbeitsmarktintegration Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

Brücker, H., 2016: Fluchtmigration nach Deutschland: Normative Grundlagen, Arbeitsmarktintegration und Arbeitsmarktwirkungen. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung 2016. Analysen zum Wandel der Flucht- und Arbeitsmigration nach Deutschland. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 15-40.

Brücker, H./Hauptmann, A./Sirries, St., 2017: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Deutschland: Der Stand zum Jahresbeginn 2017. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2019: Ankommen im deutschen Bildungssystem. Bildungsbeteiligung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen.  Nürnberg: BAMF.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Europäisches Migrationsnetzwerk (EMN), 2018: Die veränderte Fluchtmigration in den Jahren 2014 bis 2016: Reaktionen und Maßnahmen in Deutschland. Fokusstudie der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN), Janne Grote, Working Paper 79.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Europäisches Migrationsnetzwerk (EMN), 2017: Migration, Integration, Asyl. Politische Entwicklungen in Deutschland 2016. Jährlicher Bericht der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN). Nürnberg, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Nationale Kontaktstelle des EMN.

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), 2018: Weniger Geflüchtete im Übergangsbereich, mehr in Berufsausbildung? Welche Hinweise liefern amtliche Statistiken?. Bonn: BiBB.

European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound), 2016: Approaches to the labour market integration of refugees and asylum seekers.

Gürtzgen, N./Kubis, A./Rebien, M., 2017: IAB-Stellenerhebung: Geflüchtete kommen mehr und mehr am Arbeitsmarkt an. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Hanganu, E. / Kolland, L. / Neske, M., 2015: Arbeitsmarktintegration von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern – Hintergrund und Erfahrungen. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung, Differenzierungen in einer emergenten Realität der Flüchtlings- und Arbeitsmigration. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 141-159.

Martín, I./Arcarons, A./ Aumüller, J./Bevelander, P./ Emilsson, H./Kalantaryan, S./Maclver, A./Mara, I./Scalettaris, G./Venturini, A./Vidovic, H./van der Welle, I./Windisch, M./Wolffberg, R./Zorlu, A., 2016: From Refugees to Workers. Mapping Labour-Market Integration Support Measures for Asylum Seekers and Refugees in EU Member States. Volume I: Comparative Analysis and Policy Findings. Gütersloh, Bertelsmann Stiftung.

Ohliger, R./Schweiger, R./Veyhl, L., 2018: Auf dem Weg zur Flüchtlingsintegration in ländlichen Räumen: Ergebnisse einer Bedarfsanalyse in sieben Landkreisen, Stuttgart: Robert Bosch Stiftung.

Robert Bosch Stiftung, 2016: Chancen erkennen – Perspektiven schaffen – Integration ermöglichen. Bericht der Robert Bosch Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik. Stuttgart: Robert Bosch-Stiftung.

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), 2017: Chancen in der Krise: Zur Zukunft der Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa. Jahresgutachten 2017.

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, 2016: Einschätzungen der Bevölkerung zu Asylbewerbern: Ergebnisse des SVR-Integrationsbarometers 2016. Berlin: Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration.

Wittlif, A., 2016: Akzeptanz von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern in der Einwanderungsgesellschaft: Ergebnisse des SVR-Integrationsbarometers 2016. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung 2016. Analysen zum Wandel der Flucht- und Arbeitsmigration nach Deutschland. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 55-70.

Worbs, S., 2016: Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge: Soziodemografie, berufliche Qualifikation und Erwerbsbeteiligung in Deutschland. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung 2016. Analysen zum Wandel der Flucht- und Arbeitsmigration nach Deutschland. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 41-54.

Worbs, S./Baraulina, T., 2017: Geflüchtete Frauen in Deutschland: Sprache, Bildung und Arbeitsmarkt. BAMF-Kurzanalyse 1/2017.

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