Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Fluchtmigration

Das Generieren, Auswerten und Analysieren von Wissen um Profile und Sichtweisen von Geflüchteten, die seit 2014 nach Deutschland kamen und weiterhin kommen, beschäftigt Wissenschaft und Praxis gleichermaßen.

Von zentraler Bedeutung ist weiterhin die bereits im Jahr 2016 durchgeführte repräsentative Befragung von Geflüchteten vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Zusammenarbeit mit dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die sogenannte IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten. Darin wurden bundesweit 2.349 Geflüchtete, die seit 2013 nach Deutschland kamen, u. a. nach Fluchtmotiven und -kosten, dem Ankommen in Deutschland, Bildung und Sprache, Arbeitsmarktintegration und Wertevorstellungen, z. B. in Bezug auf Demokratie, befragt. Aktuell wird im Forschungsprojekt die zweite Befragungswelle ausgewertet, die Ergebnisse sollen im Laufe des Jahres 2018 veröffentlicht werden.

Zudem erfasst seit 2001 das BAMF auf freiwilliger Basis neben allgemeinen Daten zu Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit und Herkunftsregion von Asylsuchenden, auch weitere Fragen, wie die besuchten Bildungseinrichtungen, berufliche Tätigkeiten, Sprachkenntnisse oder wirtschaftliche Verhältnisse (sog. „Soko-Daten“: Daten zur „Sozialen Komponente“), die Aufschluss über das soziodemografische Profil von asylsuchenden Zuwandernden in Deutschland geben.

Alter und Geschlecht

Abbildung 1: Alters- und Geschlechtsstrukturen von Asylsuchenden im Zeitraum Januar bis Mai 2018 (Eigene Darstellung nach BAMF Aktuelle Zahlen zu Asyl 05/2018)

Laut BAMF – Aktuelle Zahlen 05/2018 liegt der Anteil der männlichen Asylsuchenden, die zwischen Januar und Mai 2018 einen Asylantrag gestellt haben, bei 57,9 %. Der Frauenanteil steigt demnach weiter stark an auf 42,1 %.

Die Asylsuchenden sind im Schnitt sehr jung, 83,1 % sind jünger als 34 Jahre. Über zwei Fünftel (41,7 %) der Asylsuchenden sind unter 16 Jahre alt. Innerhalb der Altersgruppen sind die Geschlechtsverhältnisse weitestgehend ausgewogen bis auf die zwei jüngeren Altersgruppen. In der Altersgruppe der unter 16-Jährigen liegt der Frauenanteil (47,4 %) mit knapp 10 Prozentpunkten über dem der Männer (37,5 %). In der Altersgruppe verhält es sich gegensätzlich: Der Männeranteil (25,6 %) überwiegt mit ungefähr 10 Prozentpunkten über dem Anteil der Frauen (16,2 %).

Herkunftsländer

Die folgende Abbildung stellt die Hauptherkunftsländer im Kontext der Fluchtmigration im Jahresvergleich von Januar bis Mai 2017 und Januar bis Mai 2018 dar.

Abbildung 2: Top 10 Hauptherkunftsländer zwischen Januar bis Mai 2018 im Vergleich zu Januar bis Mai 2017 (Eigene Darstellung nach BAMF Aktuelle Zahlen zu Asyl 05/2018)

Die Erstanträge sind im genannten Zeitraumvergleich um – 20,7 % (-17.830) zurückgegangen. Die größten Rückgänge sind aus Afghanistan: -49,8 % (-4.175), Eritrea: -42,0 % (-2.210) und Irak: -17,4 % (-1.451) zu verzeichnen. Nur drei Länder weisen eine Zunahme von Asylanträgen auf: Georgien um +111,7 % (+1.194), Nigeria um +63,7 % (+1.865) und die Türkei um +26,7 % (+673). Dies führt dazu, dass Nigeria nun auf dem dritten Platz der Hauptherkunftsländer steht. Georgien ist erstmals seit Jahren unter den Top 10 Hauptherkunftsländern und hat damit Russland abgelöst, welches im Vorjahreszeitraum vertreten war.

Bildungshintergrund

In der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten wurden u. a. neue Daten zum Bildungsstand von Geflüchteten, die zwischen Januar 2013 und Dezember 2016 eingewandert sind, erhoben. Den Ergebnissen zufolge haben 13 % der Geflüchteten über 18 Jahre einen akademischen Abschluss und 6 % eine schulische oder betriebliche Ausbildung abgeschlossen, 9 % befinden sich noch im Studium oder in der Ausbildung. Somit haben 69 % der Befragten keine formale Berufsbildung. Zudem verfügen 37 % der Frauen und 32 % der Männer über keinen Schulabschluss. Auch nach Herkunftsländern und Alter zeigen sich diesbezüglich Unterschiede. Frauen haben im Durchschnitt ein niedrigeres Bildungsniveau als Männer; Akademikerinnen unter ihnen sind jedoch im Hinblick auf die Erwerbstätigkeitsquote gleichauf mit männlichen Geflüchteten, die über einen Hochschulabschluss verfügen.

Eine bereits im Januar 2016 veröffentlichte BAMF-Kurzanalyse beleuchtet zudem das Profil von Asylberechtigten und anerkannten Flüchtlingen, die ihren Aufenthaltsstatus zwischen 2008 und 2013 erhalten haben. In der sog. BAMF-Flüchtlingsstudie wurden bundesweit insgesamt 2.800 Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Sri Lanka und Syrien im Alter zwischen 18 und 69 Jahren befragt.

Die vorläufigen Ergebnisse, die in der Kurzanalyse veröffentlicht wurden, sind insbesondere auch deshalb von Interesse für die aktuelle Forschung, weil bis auf Sri Lanka die Herkunftsländer der Befragten auch die Hauptherkunftsländer der in den darauffolgenden Jahren nach Deutschland Geflüchteten sind. Die Erkenntnis, dass es sich bei Geflüchteten um eine sehr heterogene Gruppe im Hinblick auf Soziodemografie, soziale und berufliche Hintergründe handelt und entsprechend auch die Integration in den Arbeitsmarkt sehr unterschiedlich verlaufen kann, sind sicherlich auf den aktuellen Diskurs übertragbar und als Basis für die Forschung zu nutzen.

Geflüchtete Frauen

Im Jahr 2017 richtete sich der Fokus im wissenschaftlichen Diskurs auch auf die Zuwanderungsgruppe der geflüchteten Frauen. Das BAMF veröffentlichte im Januar 2017 eine Kurzanalyse, in der die (Forschungs-)Ergebnisse aus den o. g. IAB-BAMF-SOEP-Befragung, BAMF-Flüchtlingsstudie sowie Soko-Daten in Bezug auf die geflüchteten Frauen analysiert wurden.  

Im März 2017 wurde auch die „Study on Female Refugees: Repräsentative Untersuchung von geflüchteten Frauen in unterschiedlichen Bundesländern in Deutschland“ der Charité veröffentlicht. Im Rahmen des Projekts wurden 290 Frauen im Alter zwischen 13 und 74 Jahren in 20 Gemeinschafts- und Notunterkünften in Berlin befragt. Gegenstand der Befragung waren Fluchtgründe, Fluchtwege, Erfahrungen vor, während und nach der Flucht sowie die aktuelle Situation in Deutschland. (Charité für geflüchtete Frauen Women for Women).

Die Fachstelle Einwanderung hat sich 2017 im Rahmen Ihrer Arbeit ebenfalls mit dem Thema geflüchtete Frauen beschäftigt. Im Fokus stand dabei die Frage nach spezifischen Herausforderungen für die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen. Die auf dem Fachforum 4 „Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten – spezifische Herausforderungen für Frauen“ am 26.04.2017 gewonnen Erkenntnisse sind beispielsweise in den aktuellen Band der Serie „Profile der Neueinwanderung 2017“  eingegangen und können hier abgerufen werden. Für das Jahr 2018 ist eine Aktualisierung der Veröffentlichung geplant.

 Veröffentlichungen der Fachstelle Einwanderung zum Thema

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen: Zahlen, Fakten, internationale Erfahrungen, Working Paper 04/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Arbeitsmarktintegration von Zuwanderungsgruppen in Deutschland, Working Paper 02/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2017: Familienzusammenführung - Rechtliche Grundlagen und Arbeitsmarktintegration, Working Paper/ Neues aus der Migrationsforschung 01/2017.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2016: Wie sind Flüchtlinge in den europäischen Arbeitsmarkt integriert? Gemeinsames Arbeitspapier von OECD und Europäischer Kommission, Working Paper/ Neues aus der Migrationsforschung 09/2016.

IQ Fachstelle Einwanderung, 2016: Deutsche und internationale Studien zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, Working Paper/ Neues aus der Migrationsforschung 06/2016.

Weiterführende Literatur

Aumüller, J.,2016: Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Bestehende Praxisansätze und weiterführende Empfehlungen. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

Brücker, H., 2016: Fluchtmigration nach Deutschland: Normative Grundlagen, Arbeitsmarktintegration und Arbeitsmarktwirkungen. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung 2016. Analysen zum Wandel der Flucht- und Arbeitsmigration nach Deutschland. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 15-40.

Brücker, H./Hauptmann, A./Sirries, St., 2017: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Deutschland: Der Stand zum Jahresbeginn 2017. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Europäisches Migrationsnetzwerk (EMN), 2018: Die veränderte Fluchtmigration in den Jahren 2014 bis 2016: Reaktionen und Maßnahmen in Deutschland. Fokusstudie der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN), Autor Janne Grote, Working Paper 79.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Europäisches Migrationsnetzwerk (EMN), 2017: Migration, Integration, Asyl. Politische Entwicklungen in Deutschland 2016. Jährlicher Bericht der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN). Nürnberg, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Nationale Kontaktstelle des EMN.

European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound), 2016: Approaches to the labour market integration of refugees and asylum seekers.

Gürtzgen, N./Kubis, A./Rebien, M., 2017: IAB-Stellenerhebung: Geflüchtete kommen mehr und mehr am Arbeitsmarkt an. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Hanganu, E. / Kolland, L. / Neske, M., 2015: Arbeitsmarktintegration von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern – Hintergrund und Erfahrungen. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung, Differenzierungen in einer emergenten Realität der Flüchtlings- und Arbeitsmigration. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 141-159.

Martín, I./Arcarons, A./ Aumüller, J./Bevelander, P./ Emilsson, H./Kalantaryan, S./Maclver, A./Mara, I./Scalettaris, G./Venturini, A./Vidovic, H./van der Welle, I./Windisch, M./Wolffberg, R./Zorlu, A., 2016: From Refugees to Workers. Mapping Labour-Market Integration Support Measures for Asylum Seekers and Refugees in EU Member States. Volume I: Comparative Analysis and Policy Findings. Gütersloh, Bertelsmann Stiftung.

OECD, 2017: Nach der Flucht: Der Weg in die Arbeit. Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen in Deutschland.

Ohliger, R./Schweiger, R./Veyhl, L., 2018: Auf dem Weg zur Flüchtlingsintegration in ländlichen Räumen: Ergebnisse einer Bedarfsanalyse in sieben Landkreisen, Stuttgart: Robert Bosch Stiftung.

Robert Bosch Stiftung, 2016: Chancen erkennen – Perspektiven schaffen – Integration ermöglichen. Bericht der Robert Bosch Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung.

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), 2017: Fakten zur Asylpolitik. 1. Halbjahr 2017.

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), 2017: Chancen in der Krise: Zur Zukunft der Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa. Jahresgutachten 2017.

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, 2016: Einschätzungen der Bevölkerung zu Asylbewerbern: Ergebnisse des SVR-Integrationsbarometers 2016. Berlin: Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration.

Wittlif, A., 2016: Akzeptanz von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern in der Einwanderungsgesellschaft: Ergebnisse des SVR-Integrationsbarometers 2016. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung 2016. Analysen zum Wandel der Flucht- und Arbeitsmigration nach Deutschland. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 55-70.

Worbs, S., 2016: Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge: Soziodemografie, berufliche Qualifikation und Erwerbsbeteiligung in Deutschland. In: Pfeffer-Hoffmann, C. (Hrsg.): Profile der Neueinwanderung 2016. Analysen zum Wandel der Flucht- und Arbeitsmigration nach Deutschland. Berlin: Mensch und Buch Verlag, S. 41-54.

Worbs, S./Baraulina, T., 2017: Geflüchtete Frauen in Deutschland: Sprache, Bildung und Arbeitsmarkt. BAMF-Kurzanalyse 1/2017.

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