English
Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Familiennachzug

Der Familiennachzug bildet eine eigene Rechtsgrundlage für die Einreise und den Aufenthalt in Deutschland. Diese besagt, dass Deutsche, in Deutschland lebende EU-Bürgerinnen und ‑Bürger sowie aufenthaltsberechtigte Drittstaatsangehörige unter bestimmten Voraussetzungen ihre Familienangehörigen (Ehepartnerinnen und -partner sowie Kinder) nachkommen lassen können. 

Aktuelle Zahlen

Im ersten Halbjahr 2017 reisten laut BAMF-Wanderungsmonitoring  33,4 % der Drittstaatsangehörigen (196.700 Personen) zum Zweck der Familienzusammenführung nach Deutschland ein. Der Bericht dokumentiert damit einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 (+16,8 %), in dem nur 168.467 Personen aus familiären Gründen nach Deutschland zugezogen sind.

Nach Aussage des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage des Mediendienstes Integration zum Thema Familiennachzug, wurden im Jahr 2016 rund 50.000 Visa für eine Familienzusammenführung erteilt (Syrien: 40.000, Irak: 8.500 und Afghanistan: 1.500). Im ersten Halbjahr 2017 lag die Zahl der zum Zweck der Familienzusammenführung erteilten Visa bei 30.600 (Syrien: 25.500, Irak: 4.400 und Afghanistan: 700).

Nachzugsbestimmungen

Im Sinne des Familiennachzugs zuzugsberechtigt ist im Wesentlichen nur die Kernfamilie, d. h. die Kinder sowie die Eheleute oder Lebenspartnerinnen und -partner von in Deutschland lebenden Deutschen oder Ausländerinnen und Ausländern (mit Niederlassungserlaubnis, Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG, Aufenthaltserlaubnis oder Blaue Karte EU).

Der Lebensunterhalt der Person, zu der der Familiennachzug stattfindet, muss i. d. R. ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel gesichert sein; zusätzlich muss ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehen. Der Familiennachzug zu Asylberechtigten, anerkannten Flüchtlingen, Personen mit subsidiärem Schutz sowie zu Resettlement-Flüchtlingen ist ohne Nachweis über Einkommen und Wohnraum möglich, wenn der Antrag innerhalb von 3 Monaten nach Anerkennung gestellt wird. Falls der Antrag später gestellt wird, liegen die Entscheidungen im Ermessen der Botschaften und Nachweise können verlangt werden.

Aktuell ist der Familiennachzug zu Personen mit subsidiärem Schutz jedoch eingeschränkt: Nachdem zunächst zum 01.08.2015 durch das „Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung“ erste Erleichterungen für sogenannte „subsidiär Schutzberechtigte“ beschlossen wurden, gilt für diese Gruppe seit Inkrafttreten der gesetzlichen Änderungen vom 17.03.2016 (sog. Asylpaket II) eine vorübergehende Aussetzung des Familiennachzugs bis zum 31.07.2018. D. h. in dieser Zeit besteht für sie kein Anspruch auf einen privilegierten Familiennachzug.

Arbeitsmarktintegration

Der Aufenthaltstitel von nachziehenden Familienangehörigen berechtigt auch zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit (§ 27 Abs. 5 AufenthG). I. d. R. muss die oder der Nachziehende vor der Einreise einfache Deutschkenntnisse nachweisen, um den erforderlichen Aufenthaltstitel erhalten zu können. Hierzu gibt es jedoch eine Reihe von Ausnahmen:

So benötigen Familienangehörige den Sprachnachweis beispielsweise nicht, wenn sie selbst Inhaber einer Blauen Karte EU sind, wenn sie selbst in Deutschland als Hochqualifizierte, Forschende oder Selbständige arbeiten oder wenn die Ehe bzw. Lebenspartnerschaft bereits vor der Verlagerung des Lebensmittelpunktes nach Deutschland bestand. Selbiges gilt, wenn aufgrund ihrer Qualifikation nur ein erkennbar geringer Integrationsbedarf besteht oder wenn sie Staatsangehörige Australiens, Israels, Japans, Kanadas, der Republik Korea, Neuseelands oder der Vereinigten Staaten von Amerika sind.

Veröffentlichungen der Fachstelle Einwanderung zum Thema

IQ Fachstelle Einwanderung 2017: Familienzusammenführung: Rechtliche Grundlagen und Arbeitsmarktintegration, Working Paper / Neues aus der Migrationsforschung 01/2017.

Weiterführende Literatur

Block, Laura, 2014: Familie unerwünscht, wird das Recht auf Ehe ein Luxusgut? In: terra cognita 24/2014 (S. 70-74).

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2017: Familienasyl und Familiennachzug.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2015: Familiennachzug.

Sabra, Martin, 2016: Familiennachzug. Syrische Flüchtlingsfamilien in der Bürokratiefalle. Deutschlandfunk. Hintergrund. 25.09.2016.

Twitter
RSS