English
Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

„Die Chance nutzen“

Interview mit Rebecca, 29, aus Brasilien

Ort: Frankfurt am Main
Datum: 22. Mai 2017

Wann bist du nach Deutschland gekommen und was hat dich dazu bewegt umzuziehen?

In Brasilien habe ich meinen Mann kennengelernt. Nach einer zweijährigen Fernbeziehung fragte er mich, ob ich ihn heiraten möchte und zu ihm nach Deutschland ziehe. Seit Juni 2013 lebe ich in Deutschland.


Wie ging es dir hier in der Anfangszeit?

Die Anfangszeit war schwierig. Ich konnte die Sprache noch nicht so gut, um mich im Alltag zurecht zu finden. In Heidelberg angekommen, fing ich direkt mit dem Integrationskurs an.


Was folgte nach dem Integrationskurs?

In Brasilien war ich immer berufstätig, deswegen habe ich mir nach dem Integrationskurs einen Minijob gesucht. Ich wurde in einem Souvenirladen fündig. Der Chef dort hat nach Personen gesucht, die mehrere Sprachen beherrschen. Meine Portugiesisch-, Spanisch- und Englischkenntnisse waren somit ausschlaggebend. Dass ich zu dem Zeitpunkt noch nicht so gut Deutsch sprechen konnte, nahm er in Kauf. Parallel zu diesem Minijob absolvierte ich einen B1 und B2 Deutschkurs. Als sich meine Deutschkenntnisse besserten, fand ich einen weiteren Minijob als Angestellte in einer Postfiliale.


Mit welchen Herausforderungen und Hindernissen bist du zu Beginn deines Lebens in Deutschland konfrontiert worden?

Zu Beginn meines Aufenthalts in Deutschland war ich fast ein Jahr lang ohne Arbeit. In Brasilien war ich immer berufstätig. Vor meinem Umzug nach Deutschland war ich bei einer Bank angestellt. Nicht zu arbeiten, fiel mir ziemlich schwer. Die ganze Zeit nur zu Hause sein, das hat mir zu schaffen gemacht. Ich wollte auf keinen Fall nur eine Hausfrau sein.


Wie ist die Situation heute?

Seit September 2016 arbeite ich in einer orthopädischen Praxis in der Verwaltung. Es handelt sich dabei um eine Arbeitsstelle mit 30 Stunden pro Woche. Meine Schwiegermutter hatte mich darauf aufmerksam gemacht, da sie in der gleichen Praxis in der Buchhaltung arbeitet. Im Vorstellungsgespräch konnte ich den Arzt von meinen Fähigkeiten und Fertigkeiten überzeugen und bekam die freie Stelle.


Wie bist du eigentlich auf unser Angebot aufmerksam geworden?

Vom Angebot erfuhr ich durch die IQ Anerkennungsberatung. Ich war dort wegen meiner ZAB-Zeugnisbewertung in der Beratung und wurde automatisch in die Datenbank aufgenommen. Kurze Zeit später erhielt ich eine E-Mail von der IQ Anerkennungsberatung mit dem Hinweis, dass es für mich die Möglichkeit gäbe, an einer virtuellen Brückenmaßnahme im Bereich Betriebswirtschaftslehre teilzunehmen. Diese Gelegenheit habe ich mir nicht entgehen lassen und meldete mich sofort bei euch im Kurs an.


Was war dein erster Eindruck von der virtuellen Brückenmaßnahme?

Zuallererst habe ich mich darüber gefreut, dass es so ein Angebot überhaupt gibt, da ich einen Sohn habe und (damals) zwei Minijobs hatte – und ein Präsenzkurs daher bei mir gar nicht in Frage gekommen wäre. Ich hatte das Gefühl, damit eine Chance auf ein geglücktes Leben in Deutschland zu bekommen. Hier gibt es jemanden, der an solche Migrantinnen und Migranten wie mich denkt und uns den Weg zeigt, den wir gehen sollen.


Wie hat die Teilnahme an der virtuellen Brückenmaßnahme deine Arbeitssuche beeinflusst?

Der Bewerbungsprozess in Brasilien unterscheidet sich von dem hier in Deutschland. Meine Bewerbungsunterlagen wurden in der Brückenmaßnahme an die deutschen Standards angepasst. Die Übungssequenzen von verschiedenen Situationen im Vorstellungsgespräch haben mir bei der Arbeitssuche und bevorstehenden Vorstellungsgesprächen Mut gegeben.


Was hast du in der virtuellen Maßnahme an Neuem für dich entdeckt?

Neu für mich waren vor allem die Fächer Wirtschafts- und Arbeitsrecht. Während meines Bachelorstudiums in Brasilien hatten wir diese Fächer nicht. Schließlich muss man sich in Deutschland als Betriebswirtin in diesen beiden Fachgebieten auskennen. Neben den fachlichen habe ich mir vor allem bei den überfachlichen Inhalten, die uns in den Präsenzphasen vermittelt wurden, neues Wissen angeeignet. Darunter fallen solche Themen wie Bewerbungsprozess, Arbeitssuche und das Vorstellungsgespräch sowie interkulturelles Training.


Was sind deine weiteren Ziele?

Ich überlege, nebenberuflich ein Masterstudium zu absolvieren. Es soll in Richtung Marketing und Vertrieb gehen. Ich kann mir vorstellen, mich zukünftig in diesem Bereich zu profilieren.


Was kannst du anderen Migrantinnen und Migranten hinsichtlich der virtuellen Brückenmaßnahmen empfehlen?

Die Teilnahme an der virtuellen Brückenmaßnahme bringt euch Vorteile bei der Integration in den Arbeitsmarkt sowie in der persönlichen Entwicklung. Ihr verbessert eure Sprachkenntnisse und werdet selbstbewusster im alltäglichen Leben.

Twitter
RSS