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Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

„Nie aufgeben!“

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Interview mit Anna, 32, aus Polen
Ort: Leipzig
Datum: 6. Februar 2017

Wann bist du nach Deutschland gekommen und was hat dich dazu bewegt umzuziehen?

Im Oktober 2014 habe ich mich entschieden, nach Deutschland umzuziehen. Damals hatte ich Schwierigkeiten, in meiner Heimat Polen eine Arbeitsstelle als Psychologin zu finden. Ich habe mir gedacht, wenn ich in Deutschland ein Masterstudium absolvieren würde, wären meine Chancen auf einen Arbeitsplatz als Psychologin in Deutschland viel höher als in meiner Heimat. Deswegen entschied ich, mich für den Masterstudiengang „Cognitive Science" an der Universität Osnabrück einzuschreiben. Nach den ersten zwei Monaten habe ich aber dann das Studium aufgegeben und bin nach Leipzig gezogen.

 

Was hat dich dann dazu bewegt, nach Leipzig zu ziehen?

Zu diesem Zeitpunkt lebte mein Freund schon in Leipzig und deswegen war es zu Beginn für mich dann einfacher, in Leipzig Fuß zu fassen, als alleine in Osnabrück zu bleiben. In Leipzig angekommen fing ich direkt mit dem Integrationskurs an.

 

Wie ging es dir hier in der Anfangszeit?

Ich wollte schon immer nach Deutschland. Mein Ziel war es, ins Ausland zu gehen. Am Anfang habe ich es mit Irland probiert. Dort konnte ich aber wie in Polen keine Arbeit als Psychologin finden. Deswegen habe ich entschieden, mein Glück in Deutschland auszuprobieren. Am Anfang war ich sehr motiviert. Ich fand das Leben hier sehr strukturiert und in dem Integrationskurs konnte ich erste Erfolge verbuchen.

 

Was folgte nach dem Integrationskurs?

Ich entschied mich, meine Deutschkenntnisse weiter zu verbessern, und fing mit dem Intensivsprachkurs an. Dieser Intensivsprachkurs dauerte drei Monate, und ich ging ganztägig von Montag bis Freitag. Den Telc-Test habe ich am Ende des Sprachkurses leider nicht bestanden. Deswegen besuchte ich im Nachgang einen Abendsprachkurs an der Volkshochschule Leipzig, wo ich dann das B2-Zertifikat erworben habe. Der Abendkurs in der Volkshochschule dauerte ein Jahr. In dieser Zeit habe ich als Personalvermittlerin für polnische Fachkräfte gearbeitet.

 

Mit welchen Herausforderungen und Hindernissen bist du zu Beginn deines Lebens in Deutschland konfrontiert worden?

Ich hatte zu Beginn den Eindruck gehabt, dass ich – wenn ich nicht gut genug Deutsch spreche – von den Menschen nicht wirklich respektiert und als Person wahrgenommen werde. Das spiegelte sich vor allem im Alltag wider, wenn ich z.B. zum Einkaufen oder zu den Behörden ging. Das Personal in den Ämtern und Läden war nicht immer nett zu mir, insbesondere wenn ich nicht alles direkt verstanden habe. In dieser Zeit brauchte ich immer eine Unterstützung, wenn ich z.B. bestimmte Formulare ausfüllen musste. Für mich war es jedes Mal umständlich und unangenehm, jemanden um Hilfe zu bitten.

 

Wie ist die Situation heute?

Damals lag es an meinen Deutschkenntnissen. Heute habe ich diese Herausforderungen und Hindernisse hinter mir gelassen. Ich bin jetzt in der Lage, mein Anliegen selbstständig zu erledigen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

 

Wie bist du eigentlich auf unser Angebot aufmerksam geworden?

Damals hatte ich über Facebook Kontakt zu einer polnischen Psychologin, die in Berlin wohnt. Wir haben über Facebook unsere Erfahrungen in Deutschland ausgetauscht und was wir mit unseren Abschlüssen als Psychologinnen in Deutschland machen können. Eines Tages hat sie mir über eure Maßnahme berichtet. Darauf habe ich mich entschlossen, mich bei euch zu bewerben.

 

Was war dein erster Eindruck von der virtuellen Brückenmaßnahme?

Die Teilnahme an der Maßnahme wirkte auf mich wie eine Befreiung. Zu dieser Zeit stand ich unter einer starken psychischen Belastung, da es mit dem Fußfassen als Psychologin nicht klappte. Ich war verzweifelt und auf dem Weg in die Depression. Aber als ich mich dann in Chemnitz bei den Mitarbeiterinnen der Fachstelle persönlich vorstellte und mir zugehört wurde, bekam ich wieder das Gefühl, dass meine Kenntnisse und Fähigkeiten ernst genommen werden.

 

Wie hat die Teilnahme an der virtuellen Brückenmaßnahme deine Arbeitssuche beeinflusst?

Ich befand mich ständig in der Bewerbungsphase, leider hat es bis dahin nie geklappt, dass ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. In den Präsenzphasen wurde mir von den Dozenten dabei geholfen, meine Bewerbungsunterlagen zu optimieren. Das hat dann letztlich dazu geführt, dass ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und als Psychologin eingestellt wurde.

 

Was hast du in der virtuellen Maßnahme an Neuem für dich entdeckt?

Die Teilnahme an der Maßnahme hat meinen Horizont erweitert. Ich konnte mein Wissen aus dem Studium auffrischen und bestimmte neue Aspekte in den Bereichen der Gesundheits-, Sozial- sowie Arbeitspsychologie dazulernen.

 

Was sind deine weiteren Ziele?

Seitdem ich angefangen habe, als Psychologin zu arbeiten, merke ich, wie sich meine Lebensqualität verbessert hat. Mein erstes Ziel ist es, eine C1-Deutschprüfung zu bestehen. Ich möchte kontinuierlich meine deutschen Sprachkenntnisse verbessern, da ich das auch gegenüber meinem Arbeitgeber versprochen habe. Als nächstes möchte ich eine Weiterbildung im Bereich Coaching absolvieren.

 

Was kannst du anderen Migrantinnen und Migranten hinsichtlich der virtuellen Brückenmaßnahmen empfehlen?

Ich denke, man soll hartnäckig sein, gutes Durchsetzungsvermögen haben und nie aufgeben! Fleiß zahlt sich letzten Endes aus.

 

 

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