Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Das Anerkennungsverfahren

Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes 2012 haben alle Personen mit einem ausländischen Berufsabschluss einen Rechtsanspruch auf ein Verfahren zur Anerkennung ihrer ausländischen Qualifikation. Das Verfahren ist offen für alle – unabhängig von Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsstatus. Doch wie läuft es ab, was kostet es, und wer ist zuständig?

Ein Anerkennungsverfahren ist für schulische, akademische und berufliche Abschlüsse möglich. Das Verfahren beginnt mit einem Antrag auf die Prüfung der Gleichwertigkeit einer ausländischen Berufsqualifikation mit einem deutschen Referenzberuf. Dafür reichen Sie Ihren Antrag bei der für Ihren Beruf zuständigen Anerkennungsstelle ein.

Die zuständige Stelle vergleicht Ihre ausländische Berufsqualifikation mit dem deutschen Referenzberuf, zum Beispiel was Dauer und Inhalte der Ausbildung angeht. Mehrere Ergebnisse sind möglich:

  1. Es gibt keine wesentlichen Unterschiede zwischen in- und ausländischem Berufsabschluss, Ihr Abschluss ist "vollständig gleichwertig". Sie erhalten eine sogenannte Gleichwertigkeitsbescheinigung und sind Personen mit dem entsprechenden deutschen Berufsabschluss rechtlich gleichgestellt.

  2. Es besteht keine Gleichwertigkeit zwischen der Auslands- und der Inlandsqualifikation oder der Sachverhalt kann nicht aufgeklärt werden. Ihr Antrag wird abgelehnt.

  3. Es bestehen wesentliche Unterschiede zwischen dem aus- und inländischen Berufsabschluss. Die zuständige Stelle führt dann eine individuelle Prüfung durch. Hier wird geschaut, ob die wesentlichen Unterschiede durch Berufserfahrung oder andere Nachweise ausgeglichen werden können. Ist dies der Fall, wird ebenfalls eine Gleichwertigkeitsbescheinigung ausgestellt.

    Wenn Ihre Berufserfahrung die Unterschiede nicht ausgleichen kann, erhalten Sie in reglementierten Berufen einen Bescheid mit Auflage einer Ausgleichmaßnahme. Das ist in der Regel ein Anpassungslehrgang oder eine Kenntnis- bzw. Eignungsprüfung. Wer die Ausgleichsmaßnahme erfolgreich absolviert, erhält die volle Gleichwertigkeit.

    In nicht-reglementierten Berufen erhalten Sie einen Bescheid über die teilweise Gleichwertigkeit und können sich damit direkt auf dem Arbeitsmarkt bewerben. Manchmal ist es dennoch hilfreich, die im Bescheid aufgeführten fehlenden Qualifikationen durch passende Qualifizierungsangebote auszugleichen, um beispielsweise die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

    Das Förderprogramm IQ bietet für viele Berufe Qualifizierungen an, um wesentliche Unterschiede zu einem deutschen Beruf auszugleichen - und das ohne Kosten für die Teilnehmenden.

In der Regel darf das Verfahren nach Eingang der vollständigen Unterlagen nicht länger als drei Monate dauern.

Die Gebühren für das Verfahren müssen die Antragstellenden grundsätzlich selbst tragen. Die Höhe richtet sich nach den Gebührenregelungen der zuständigen Stellen und hängt vom individuellen Aufwand des Verfahrens ab. Die Gebühren werden in der Regel als Vorschusszahlungen verlangt.

Agenturen für Arbeit und Jobcenter können unter bestimmten Voraussetzungen die Verfahrenskosten für ihre Kundinnen und Kunden, im Einzelfall für notwendige Qualifizierungsmaßnahmen, übernehmen. Eine Förderung muss individuell mit den Mitarbeitenden der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters geklärt werden.

Wer nicht durch andere Fördermöglichkeiten (zum Beispiel SGB II, SGB III, Länderprogramme) unterstützt wird, kann unter bestimmten Voraussetzungen vom Anerkennungszuschuss profitieren: Erstattet werden können Kosten, die im Rahmen der Antragstellung entstehen (vor allem Gebühren und Übersetzungskosten, bis zu 600 Euro pro Person).

Durch das Förderprogramm IQ gibt es außerdem die Möglichkeit, kostenlos eine Qualifizierung in Anspruch zu nehmen. Zum Teil ist auch eine Übernahme indirekter Kosten (zum Beispiel Fahrtkosten) möglich.

Grundlegende Informationen

Das Portal "Anerkennung in Deutschland" der Bundesregierung bietet umfassende Informationen zum Thema Berufsanerkennung. Besonders nützlich: Beim "Anerkennungs-Finder" gibt man Informationen wie Beruf und Wohnort ein und bekommt genau angezeigt, was man für eine Anerkennung tun muss und welche die zuständige Stelle ist.

Das Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen (BQ-Portal) bietet Profile zu Berufsbildungssystemen in 60 Ländern und über 660 Profile von ausländischen Berufsabschlüssen. Das Portal unterstützt so die zuständigen Stellen im Kammerbereich, vor allem bei der Gleichwertigkeitsprüfung.

Die Online-Datenbank anabin stellt Informationen über einzelne Hochschulabschlüsse, Bildungsinstitutionen und Schulabschlüsse aus über 180 Ländern bereit und erleichtert so die Bewertung ausländischer Bildungsnachweise.

 

Anlaufstellen zur Beratung

Die Beratungsstellen im Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" unterstützen Menschen mit ausländischen Qualifikationen im Anerkennungsprozess und bei Qualifizierungen im Kontext der beruflichen Anerkennung – individuell und kostenfrei. Die Beratung erfolgt persönlich, per E-Mail oder Telefon. In vielen Regionen, in denen keine IQ Beratungsstelle vor Ort ist, gibt es mobile Beratungsangebote. 

Die Hotline "Leben und Arbeiten in Deutschland" berät am Telefon auf Deutsch und Englisch zu allen Fragen rund um die Themen Einwanderung und berufliche Anerkennung. Die Hotline erreichen Sie montags bis freitags von 9 Uhr bis 15 Uhr unter der Nummer +49 (0)30 18151111.

Die ZAB (Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen) ist die Anlaufstelle für Menschen, die sich noch im Ausland befinden und von dort ihren Antrag auf Gleichwertigkeit stellen möchten.

Die Jobcenter und die Agenturen für Arbeit beantworten Fragen rund um die Arbeitsmarktintegration. Beide Einrichtungen beraten auch zur beruflichen Anerkennung, wenn es für eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt sinnvoll ist.

Weitere Beratungsstellen wie die Jugendmigrationsdienste (JMD) oder Migrantenorganisationen informieren auch über Möglichkeiten der beruflichen Anerkennung, wenn es für die oder den Ratsuchenden sinnvoll ist.

 

Anerkennungsstellen (zuständige Stellen)

Für die Überprüfung der Gleichwertigkeit sind je nach Bundesland und Beruf unterschiedliche Stellen zuständig. Die zuständige Stelle ist die Institution, die über die Ausbildung und Ausübung des jeweiligen Berufs in Deutschland wacht, also zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer, eine der Handwerkskammern oder die Ärztekammern. Um die zuständige Stelle für Ihren Beruf zu finden, wenden Sie sich an die IQ Beratungsstellen.

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