Stuckateur: Auf Monate ausgebucht

Schon in seiner Heimat Syrien leitete Shaker Alhosan seinen eigenen Stuckateur-Betrieb. Heute arbeitet er als selbständiger Trockenbauer und hat volle Auftragsbücher. Das IQ Projekt „ActNow“ half ihm beim Businessplan und der Gewerbeanmeldung.

Ein letztes Mal langt Shaker Alhoshan mit dem Spachtel in den Eimer voll Spachtelmasse, streift einen Haufen der grauen Substanz am Rand der Glättekelle ab und arbeitet die Masse gekonnt in die Fuge ein. „So, das war die Letzte“, sagt der 36-jährige Syrer und prüft mit geschultem Auge sorgfältig die fertig verputzte Wand. „Sieht gut aus, keine Unebenheiten“, so sein Fazit.

20 Jahre Berufserfahrung als Stuckateur

Was für den Laien ohne Wasserwaage wohl kaum erkennbar wäre, sieht der dreifache Familienvater mit bloßem Auge. Nach fast 20 Jahren Berufserfahrung als Stuckateur ist das nicht verwunderlich. In seiner Heimat Syrien machte Shaker Alhoshan eine Ausbildung zum Stuckateur, arbeitete für ein paar Jahre im Libanon und gründete dann seinen eigenen Stuckateur-Betrieb in Syrien. Da war er gerade mal 20 Jahre alt. Und übernahm schon Verantwortung für bis zu 12 Mitarbeiter. „Meinen eigenen Betrieb möchte ich bald auch hier in Deutschland gründen.“ Diesen Traum hegt er, seit er vor vier Jahren nach Deutschland kam. Allzu weit entfernt ist er davon heute nicht mehr.

Selbständigkeit besser als Mindestlohn

Und das hat er sich zum einem großen Teil selbst erarbeitet: Der Syrer erkannte früh, dass seine Fähigkeiten hier gefragt sind. „Ich habe im Internet nach Stellenangeboten für Trockenbauer recherchiert und festgestellt: Die Nachfrage ist groß. In Köln wird viel gebaut“, sagt Shaker Alhoshan. So ergriff er kurzerhand die Initiative und bot seine Kompetenz auf verschiedenen Baustellen vor Ort an. Doch ohne Aufenthaltsgenehmigung war eine Beschäftigung zunächst nicht möglich. Während er darauf wartete, lernte er eifrig Deutsch. Nach Erhalt seiner Aufenthaltsgenehmigung absolvierte er zwei Praktika als Trockenbauer. Die Möglichkeit über das Praktikum hinaus für ein weiteres Jahr in dem Betrieb zu arbeiten, lehnte er jedoch ab. „Ich war dankbar für das Angebot, aber von 10 Euro pro Stunde kann ich keine dreiköpfige Familie ernähren“, begründet er seine Entscheidung. Schließlich wollte er sich ohnehin selbstständig machen.

Gute Arbeit spricht sich herum

Doch für eigenes Werkzeug und ein Auto fehlte ihm das Geld. Beim Jobcenter erkundigte er sich nach einem Darlehen. Dafür müsse er einen Businessplan schreiben und so führte ihn sein Weg im Frühling 2017 zu „ActNow“. Noch bevor der Businessplan fertig war, bekam Shaker Alhoshan seinen ersten Auftrag als Trockenbauer. Eine Helferin aus einem Asylcafé, zu der er schon seit seiner Ankunft in Deutschland Kontakt hatte, machte ihn auf eine suchende Baufirma aufmerksam. „ActNow“ half ihm auch bei der Gewerbeanmeldung und so war im Herbst 2017 der erste Auftrag an Land gezogen. Diesen erledigte er zur vollsten Zufriedenheit des Kunden. Mit einem guten Arbeitsnachweis im Gepäck war es leicht, weitere Auftraggeber zu finden.

Meistertitel fehlt noch

Inzwischen ist Shaker Alhoshans Firma „Trockenbau Palmyra“ für Monate im Voraus ausgebucht, er hat mit verschiedenen Innenausbaufirmen einen festen Kundenstamm über Köln hinaus und beschäftigt je nach Auftragslage vier bis sechs Mitarbeitende (zwei über Minijob, die anderen über Teilzeit). Aber es zeigen sich auch Stolpersteine, mit denen auch andere Selbständige zu kämpfen haben, wie zum Beispiel insolvente und säumige Kunden. Damit kann er aber umgehen. Eine strukturelle Hürde sind noch fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten, da Shaker Alhoshan ohne den Meistertitel nicht seine umfassenden Fachkompetenzen als Stuckateur anbieten kann, er aber aufgrund der hohen Auslastung nicht die Zeit findet, den Meistertitel zu erlangen. Ein Dilemma. So kann er seine Marktpotenziale noch nicht ausschöpfen.

Eigener Verdienst und ein Vorbild für die Kinder

Um lukrativere Aufträge zu erzielen, wünscht er sich ein breiteres berufliches Netzwerk und eine Geschäftspartnerschaft mit jemandem, der die Vertriebskanäle besser kennt und bedienen kann. Dennoch ist Shaker Alhoshan über das bisher Erreichte sehr glücklich. „Ich stehe heute wieder auf eigenen Beinen und muss kein Geld mehr vom Jobcenter beziehen. Vor allem aber bin ich meinen Kindern ein Vorbild. Zu Hause auf der Couch hätte ich das nicht sein können.“