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inklusiv Bericht aus der Praxis und Interview mit Kay Tröger, Projektleiter von „Mein Ordner” im IQ Netzwerk Sachsen

„Mein Ordner” – Willkommen in Sachsen

Ein themenspezifischer Aktenordner ermöglicht Zugewanderten und Beratenden ständigen Überblick bezüglich der Integrationsschritte.

Ausgangslage/Herausforderung

Im Sommer 2015 wurde im Jobcenter Dresden deutlich, dass bei der Integration von Geflüchteten zu viele Reibungsverluste durch ungeklärte Zuständigkeiten entstehen. Erkennbar war, dass es ein mangelhaftes Übergangsmanagement zwischen verschiedenen Institutionen gab, der Gesamtprozess war unzureichend abgestimmt. Unter anderem aus Gründen des Datenschutzes erfolgten Abfragen von Personendaten und Qualifikationen mehrfach, Informationen von beteiligten Stellen lagen der nächsten (Beratungs-)Stelle nicht vor, so dass die Geflüchteten teilweise „im Kreis“ zu verschiedenen Institutionen geschickt wurden, ohne dass ihre Bedarfe gedeckt werden konnten. Um den Informationsfluss einfach und pragmatisch zu stärken entstand in der Zusammenarbeit von Jobcenter Dresden, Landeshauptstadt Dresden und IQ Netzwerk Sachsen die Idee, einen Aktenordner zu entwerfen. Es sollte ein Ordner sein, den der zugewanderte Mensch zu jedem Amtstermin, zu jeder Beratungsstelle mitnimmt und in dem sie oder er alle wichtigen Papiere aufbewahrt, die damit für Sachbearbeitende oder Beratende bei jedem Treffen systematisch zur Hand sind.

Umsetzung des Instruments

Bei der Umsetzung von „Mein Ordner” arbeiteten die drei Partner Hand in Hand. In mehreren Sitzungen wurde die regionale Ausgestaltung der Registerblätter erarbeitet. Die Stadt Dresden steuerte die Texte bei, wegen einer möglichst einfachen Handhabbarkeit wurden parallel gestaltete Texte auf Deutsch und auf Englisch formuliert. Sie umfassen in einfacher Sprache kurze Erklärungen zu den zehn Themen „Ankommen in Dresden“, „Geld“, „Wohnen“, „Deutsch“, „Kinder und Familie“, „Arbeit“, „Berufsausbildung und Studium“, „Gesundheit“, „Beratung und Hilfe“ und „Weitere Dokumente“. Überdies sind darin die zu den Themen gehörigen Kontaktadressen verschiedener Institutionen sowie Ansprechpartner*innen vermerkt, die zur schnelleren Auffindbarkeit im Internet mit einem QR-Code versehen sind. Nach der Fertigstellung der ersten Exemplare wurde das Konzept in einer größeren Runde insbesondere den Flüchtlingssozialarbeiter*innen vorgestellt, die die Ordner in der Region verteilen sollten. Je nach Interessensmeldung der Städte und Landkreise wurden die Ordnerhüllen in Zusammenarbeit mit dem IQ Netzwerk Sachsen befüllt. Die Akteure vor Ort steuerten die Registertexte bei und übernahmen die Konfektionierung der Ordner. Das IQ Netzwerk Sachsen lieferte das Layout, achtete bei den Registertexten auf einfache Sprache und koordinierte die Regionalisierung, den Druck und die Verteilung.

Fazit

„Mein Ordner” soll Bestandteil in allen Beratungssituationen werden. Dafür wird er an Geflüchtete idealerweise durch Flüchtlingssozialbetreuer*innen im zweiten Gespräch ausgegeben. Aber auch die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, das Sozialamt oder das IQ Netzwerk können die Ordner verteilen. Aktuell gehen die Ordner an geflüchtete Menschen, doch sie sind für alle Zuwandernden nutzbar.

 

Adressaten für Transfer:

Agenturen für Arbeit, Jobcenter, Sozialämter, Flüchtlingssozialbetreuende und Beratungsstellen

Instrument:

„Mein Ordner” ist ein Ablageplatz für alle Dokumente, Antragskopien, Bescheide und Beratungsinfos. Der Aktenordner ist einerseits ein Aufbewahrungs- und Ordnungssystem für Geflüchtete sowie Zugewanderte und andererseits ein Informations- und Strukturierungsinstrument für die Mitarbeitenden der Regelinstitutionen, die dadurch stets den Überblick über den Stand der verschiedenen Prozesse erhalten. Das Instrument ist regionalisiert für Städte bzw. Landkreise und enthält Basisinfos zu zehn wichtigen Themen auf Deutsch und Englisch sowie alle wichtigen Kontaktdaten. Diese sind mit QR-Codes versehen, so dass die zuständigen Stellen schnell auffindbar sind. Zusätzlich enthält der Ordner einen Stadtplan, in dem alle relevanten Institutionen markiert sind.  

Projekt:

QUASI weiter denken

Träger:

EXIS Europa e.V.

Projektansprechpartner:

Kay Tröger, Römerplatz 4, 08056 Zwickau, Tel.: 0375/390 93 65, post(at)exis.de