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inklusiv Praxiserfahrungsbericht von Barbara Onuk vom Jobcenter Frankfurt und Interview mit Claudia Feger, Leiterin des Projekts „SensiBer”

Erklärkarten –einfach formuliert, leicht verstanden

Praktisches Instrument zum besseren Verstehen in der Beratung von beramí berufliche Integration e.V. und Jobcenter Frankfurt am Main entwickelt

Ausgangslage/Herausforderung

Das Projekt „SensiBer – Beratung sprachsensibel gestalten“ des Trägers beramí berufliche Integration e.V. im IQ Landesnetzwerk Hessen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters Frankfurt am Main für eine sprachbewusste und sprachsensible Gestaltung des Beratungsprozesses. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestreiten täglich wiederkehrende Beratungssituationen, in denen sie den Kundinnen und Kunden fachlich äußerst komplexe Themen, Abläufe und Anforderungen mit juristischer Relevanz vermitteln müssen. Die Menge der Information überfordert die Kundinnen und Kunden häufig, insbesondere wenn sie Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache sprechen. Es kommt zu Irritationen oder Missverständnissen und wiederholten Vorsprachen. Die notwendigen Erklärungen sind für die Jobcenter-Mitarbeitenden oft zeitaufwändig und für beide Seiten erschöpfend.

Umsetzung des Instruments

Ziel der Workshops war, Materialien und Strategien für eine sprachsensible und damit verständlichere Beratung zu erarbeiten. Um die Workshops bedarfsgerecht auszurichten, hospitierten die Projektmitarbeitenden im Vorfeld in verschiedenen Abteilungen des Jobcenters. Im Rahmen der Schulungen entstand die Idee zur Entwicklung der Erklärkarten. Die größte Herausforderung war es, die komplexen gesetzlichen Vorgaben und das umfangreiche Wissen der Beratenden im Jobcenter auf die jeweils wichtige Kernbotschaft zu reduzieren – ohne Verlust des juristischen Aspekts. Wichtig war dabei, Fachlichkeit und Verständlichkeit der Erklärkarten beständig auszutarieren. In einer Beratungssituation sind meist mehrere kleinere Themen enthalten, die sichtbar gemacht und in einem Erklärkartenset erfasst wurden. Gemeinsam wurden wiederkehrende Themen gesammelt, die häufig Verständnisschwierigkeiten mit sich bringen. Die Prototypen wurden in den Workshops fachlich-inhaltlich überprüft und ihre Anwendung erprobt. Auf den entsprechenden Erklärkarten sind die komplexen Beratungsinhalte kleinschrittig, einfach formuliert, vollständig und redundanzfrei aufbereitet. Die Karten dienen als Unterstützung im Beratungsgespräch zum Beispiel bei Umzug, Maßnahmen zum Bewerbungstraining oder Integrationskursen, aber auch bei der Erläuterung von Sanktionen. Zusammen mit den Erklärkarten wurden auch Checklisten entwickelt, die bei den Kundinnen oder Kunden bleiben und damit eine wertvolle Hilfe sind. Auf den Checklisten sind, wie auf den Erklärkarten, die Kerninformationen der Beratung prägnant aufgelistet, so z. B. die einzelnen Schritte oder erwartete Unterlagen in der Reihenfolge, wie sie zu erledigen bzw. einzureichen sind.

Fazit

Auf den Erklärkarten ist die Kerninformation einfach formuliert und für Kundinnen und Kunden im Jobcenter immer sichtbar. Beratende können sich bei Fragen leicht auf alle Elemente vor- und rückbeziehen. Das System der Einzelkarten ermöglicht es, bei Bedarf jederzeit und ohne großen Aufwand einzelne Erklärkarten wegzulassen, anzupassen oder neu hinzuzufügen.

Adressaten für Transfer:

Beraterinnen und Berater in Jobcentern

Instrument Erklärkarten:

Erklärkarten sind ein Begleitinstrument, das für Beratungsgespräche in Jobcentern entwickelt wurde. Sie helfen, komplexe Informationen schrittweise zu transportieren, gleichzeitig zu visualisieren und damit nachvollziehbar und verständlich zu machen. Erklärkarten haben eine Doppelfunktion: Sie strukturieren die Gesprächsführung durch Beratende, bieten einfache, klare Formulierungen und unterstützen so den Verstehensprozess bei Kundinnen und Kunden. Sie sind vor allem geeignet für die zielführende und verständliche Gestaltung von Standardsituationen im Beratungsalltag. Bisher liegen sechs Erklärkartensets zu den Themen „Umzug“, „Zuzug“, „Integrationskurs“, „Bewerbungstraining“ und „Sanktionen“ vor.

Projekt:

SensiBer – Beratung sprachsensibel gestalten, IQ Netzwerk Hessen

Träger:

beramí berufliche Integration e.V. Projektleitung: Claudia Feger / Burgstraße 106 / 60389 Frankfurt / Tel.: 069/91301022 / feger@berami.de