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inklusiv Praxiserfahrungsbericht und Interview mit Doris Hormel, Leiterin des Projekts „Brücke in den Arbeitsmarkt“ im IQ Netzwerk Rheinland-Pfalz

Vorfahrt für den Nahverkehr

Die Qualifizierungsmaßnahme „Brücke in den Arbeitsmarkt“ unterstützte von 2016 bis 2018 Geflüchtete in ihrer Zielsetzung, bei einem Mainzer Transportunternehmen als Busfahrer beschäftigt zu werden.

Ausgangslage/Herausforderung

Um den Fachkräftebedarf an Busfahrer*innen zu decken, wirbt die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) seit einigen Jahren ausländische Fachkräfte an. Ein zusätzliches Potenzial hat die MVG in der Zuwanderung Asylsuchender erkannt und bereits Ende 2015 einen Aufruf in den Flüchtlingsunterkünften gestartet, um geeignete Bewerber*innen zu finden. Zur Unterstützung der Ausbildung wurde ARBEIT & LEBEN gGmbH, Träger des Projekts „Brücke in den Arbeitsmarkt“ im IQ Netzwerk Rheinland-Pfalz, sowohl für die Vermittlung fachsprachlicher Inhalte als auch für die betriebliche Prozessbegleitung hinzugezogen.

Umsetzung der Maßnahme

Um Geflüchtete erfolgreich für den Fahrdienst zu qualifizieren, ist ein Unternehmen mit Fachkräftebedarf, wie die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) von großem Wert. Die MVG sagte im Vorfeld Einstellungen zu und begleitete den Qualifizierungsprozess nachhaltig. Darüber hinaus handelt es sich bei der MVG um ein ausgesprochen interkulturell aufgeschlossenes Unternehmen, das bereit ist, sich unter Begleitung auf noch weiter aufgeschlossene Unternehmenskultur einzulassen. 20 Geflüchtete sollten in einem Jahr (fach-)sprachlich so qualifiziert werden, dass sie die Kommunikationsanforderungen im Berufsalltag als Personenbeförderer im Nahverkehr selbstständig bewältigen können.

Die Zielvorgaben mussten auf allen Ebenen neu erarbeitet und strukturiert werden. Die ausgewählten Personen sollten nicht nur wissen, wie man Passagiere von A nach B befördert, sie sollten darüber hinaus sicher und konstruktiv in den verschiedensten Kommunikationskontexten agieren können (siehe exemplarisches Curriculum). Diese reichen von der alltäglichen Kommunikation bis hin zu technischen Fachgesprächen. Nach einer Kompetenzfeststellung und Sprachbedarfsermittlung der Teilnehmenden wurden fachsprachliche und berufsvorbereitende Inhalte fokussiert. Hierzu gehörte auch die Vorbereitung auf die Prüfungen wie den Führerschein sowie Module zu Rechten und Pflichten wie Arbeitssicherheit, Betriebskultur, formelle und informelle Arbeitsabläufe, Kommunikation und Auskünfte an Fahrgäste.

Die Teilnehmenden waren ausschließlich männlich und im Alter von 21 bis 57 Jahren. Sie stammten überwiegend aus Syrien und hatten eine gute Bleibeperspektive. Die Voraussetzung für den Einsatz im Fahrdienst ist das Bestehen der IHK-Prüfung nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz. Die Prüfung ist sprachlich und insbesondere theoretisch sehr anspruchsvoll und stellte eine beträchtliche Hürde für Nichtmuttersprachler dar. Damit die Teilnehmenden besser vorbereitet in die Prüfung gehen, wurde ein spezielles Modul zur konkreten Prüfungsvorbereitung entwickelt und erfolgreich angewendet. Daraus entstand ein Curriculum für den Transfer.

Fazit

Zwischen 2016 und 2018 konnten von den 31 Teilnehmern sieben eine Ausbildung aufnehmen, 18 wurden als Busfahrer eingestellt. Mit dem Unternehmen konnte ein interkultureller Veränderungsprozess vorangetrieben werden, der die berufliche Integration des neuen Personals erleichterte. Er wurde in der Broschüre „Einstiege erleichtern – Mobilität ermöglichen“ dokumentiert.

Adressaten für Transfer:

Unternehmen aus dem Transportund Verkehrswesen

Qualifizierungsmaßnahme „Brücke in den Arbeitsmarkt“:

Die Qualifizierungsmaßnahme „Brücke in den Arbeitsmarkt“ unterstützte von 2016 bis 2018 Geflüchtete in ihrer Zielsetzung, bei einem Mainzer Transportunternehmen als Busfahrer beschäftigt zu werden. Vor dem Hintergrund einer Einstellungszusage durch das Unternehmen wurden die Teilnehmenden fachsprachlich auf ihre künftigen Aufgaben als Busfahrer vorbereitet. In Betriebsbesuchen und Hospitationen konnten sie sich mit betrieblichen Abläufen und Anforderungen sowie mit ihren Rechten und Pflichten als Arbeitnehmer vertraut machen. Das Transportunternehmen wurde gleichzeitig in seinem Interkulturellen Öffnungsprozess begleitet.

Projekt:

Brücke in den Arbeitsmarkt

Träger:

ARBEIT & LEBEN gGmbH

Projektansprechpartnerin:

Sibel Soyer, Hintere Bleiche 34, 55116 Mainz, Tel.: 06131/14086-36, s.soyer(at)arbeit-und-leben.de