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inklusiv Bericht aus der Praxis und Interview mit Maria Oikonomidou, IQ Netzwerk Berlin

In eigenen Räumen – in verschiedenen Sprachen

Das Veranstaltungsformat fördert die Informationsvermittlung zwischen Arbeitsmarktinstitutionen und zugewanderten bzw. geflüchteten Arbeitskräften.

Ausgangslage/Herausforderung

Informationen über die Angebote von Arbeitsverwaltungen und anderen Arbeitsmarktakteuren erreichen Zugewanderte und Geflüchtete nicht immer. Gründe können, sowohl bei den Institutionen wie bei den Zugewanderten, sprachliche oder strukturelle Hürden sein. Um Menschen mit Migrationsgeschichte den Zugang zu Informationen zu erleichtern und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen ist es wichtig, alternative, bedarfsgerechte Angebote zu schaffen. Den Migrantenorganisationen (MO) kommt dabei eine bedeutende Brückenfunktion zu. Um Arbeitsmarktakteure und zugewanderte Arbeitskräfte zusammenzubringen, hat der Verband für Interkulturelle Arbeit (VIA), Regionalverband Berlin/Brandenburg e. V. als Träger des Projekts „Willkommen in Berlin – Empowerment von Migrantenorganisationen im Kontext der Strukturen kommunaler Willkommenskultur“ im IQ Netzwerk Berlin das Veranstaltungsformat Arbeitsmarktgespräche mit Migrantenorganisationen entwickelt.

Umsetzung des Veranstaltungsformats

Den ersten Schritt bildet die Beratung der Verantwortlichen der Migrantenorganisationen durch ein Teammitglied des IQ Teilprojekts „Willkommen in Berlin“. Dort werden die Bedarfe der Mitglieder der MO bezüglich der Arbeitsmarktintegration ermittelt und gemeinsam die Themen der Arbeitsmarktgespräche bestimmt. Dies sind z. B. die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, Qualifizierungsmöglichkeiten, Zuschüsse und Fördermittel für Selbständige, beruflicher Wiedereinstieg sowie Arbeitsrecht. Um die Schwelle für die Teilnahme von Zugewanderten an den Arbeitsmarktgesprächen zu senken und eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, sieht das Konzept verschiedene Maßnahmen vor.

Erstens erfolgen die Vorträge sowie die anschließenden Fragen und der Austausch untereinander in der Muttersprache, so dass sprachliche Hürden entfallen. Zweitens findet die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der MO statt. Dadurch wird ein vertrauter Rahmen geschaffen, der Zugangshürden beseitigt und persönliche Vernetzung sowie gegenseitige Unterstützung fördert. Ein wichtiger Aspekt ist drittens, dass die MO als Veranstalterin auftritt und eigenständig Referentinnen und Referenten aus Bildungsträgern, Gewerkschaften sowie Arbeitsverwaltung zum Gespräch einlädt. Auf diese Weise fördert das Format „Arbeitsmarktgespräche“ das Empowerment von MO sowie Zugewanderten und Geflüchteten. Eine Herausforderung bei der Umsetzung ist, dass kleine Migrantenorganisationen über wenig personelle und finanzielle Ressourcen verfügen. Allerdings erhalten die MO einen finanziellen Ausgleich dafür, dass sie ihre Räumlichkeiten und die Veranstaltungstechnik zur Verfügung stellen. Die Veranstaltungen im Rahmen der Arbeitsmarktgespräche dauern jeweils drei Stunden.

Fazit

Das Veranstaltungsformat „Arbeitsmarktgespräche“ setzt bei den Ressourcen und dem Potenzial der MO an, die durch dieses Konzept wichtige Informationen zur Arbeitsintegration direkt und bedarfsgerecht an die Zielgruppen vermitteln können. 2017 wurden bei 17 MO insgesamt 234 Teilnehmende in acht Sprachen erreicht

Adressaten für Transfer:

Migrantenorganisationen, die sich für die Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten einsetzen

Format Arbeitsmarktgespräche mit Migrantenorganisationen:

Die Arbeitsmarktgespräche mit Migrantenorganisationen (MO) bauen Brücken zwischen Arbeitsmarktinstitutionen und zugewanderten bzw. geflüchteten Arbeitskräften. Die MO lädt hierzu Arbeitsmarktinstitutionen ein und hilft ihnen somit, ihre Angebote bedarfsgerecht und ohne Umwege an ihre Zielgruppen zu vermitteln. Die MO als Veranstalter werden als gleichberechtigte Partner der Arbeitsmarktintegration wahrgenommen. Da die Gespräche zudem in den eigenen Räumen der MO und in der Muttersprache stattfinden, ist die Zugangsschwelle für die Ratsuchenden niedrig. Die Teilnehmenden wirken als Multiplikator*innen in ihren Communities.

Projekt:

Willkommen in Berlin – Empowerment von Migrantenorganisationen im Kontext der Strukturen kommunaler Willkommenskultur

Träger:

Verband für Interkulturelle Arbeit (VIA), Regionalverband Berlin/Brandenburg e. V.

Projektansprechpartnerin:

Maria Oikonomidou, Petersburger Str. 92, 10247 Berlin, Tel.: 030/29 00 69 48, iq-netz-berlin(at)via-in-berlin.de