Download des IQ Good Practice als PDF
inklusiv Bericht aus der Praxis und Interview mit Iska Niemeyer und Heike Krautschun-Lindner, Autorinnen der „Bremer Handreichungen“

Bremer Handreichungen zur Sprachsensibilisierung

Das im IQ Landesnetzwerk Bremen entwickelte siebenteilige Instrument bietet Anregungen für die Arbeit mit sprachlich heterogenen Gruppen in der beruflichen Bildung.

Ausgangslage/Herausforderung

Teilnehmende mit Zweitsprache Deutsch stehen in beruflichen Qualifizierungen, Ausbildungen und Umschulungen vor vielfältigen Herausforderungen. Lehrkräfte sowie Dozierende setzen den Umgang mit Bildungs- und Fachsprache in Praxis und Theorie voraus. Teilnehmende müssen komplexe Fachtexte entschlüsseln, Prüfungsfragen beantworten und Fachgespräche führen. Aber oft fällt es insbesondere denjenigen, die Deutsch als Zweitsprache erworben haben, schwer, sich fachgerecht mündlich und schriftlich auszudrücken und dem Unterrichtsgeschehen zu folgen. Die Reihe „Bremer Handreichungen zum berufsbezogenen Deutsch“ vermittelt Hintergrundinformationen und gibt Anregungen, wie der Unterricht in Praxis und Theorie so gestaltet werden kann, dass motivierte und interessierte Teilnehmende nicht an sprachlichen Hürden scheitern müssen.

Umsetzung des Instruments

Heike Krautschun-Lindner und Iska Niemeyer vom Paritätischen Bildungswerk LV Bremen, Lehrkräfte für Deutsch-als-Zweitsprache (DaZ), hatten zwei Jahre lang die Möglichkeit, den Unterricht in Umschulungen verschiedener Handwerksberufe zu begleiten und zu beobachten. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Ausbildenden wurde deutlich, wie wichtig es ist, fachliche Inhalte nicht getrennt von sprachlichen Inhalten zu betrachten. Die während des Projektes gesammelten Erfahrungen und Ergebnisse bildeten die Grundlage für die Bremer Handreichungen, die anhand authentischer Materialien sowohl Ideen zur Umsetzung eines sprachsensiblen Fachunterrichts als auch Formulierungsempfehlungen sowie Lernstrategien aufzeigen. Lerninhalte sollen dabei nicht vereinfacht werden, sondern sprachliche Hürden erkannt und der Umgang mit ihnen trainiert werden. Teilnehmende sollen so besser den Zugang zu fachlichen Inhalten erwerben, um die Aufgaben in ihrem zukünftigen Berufsalltag sicher bewältigen zu können.

Die sieben Handreihungen beschäftigen sich u.a. mit den Themen: „Lesestrategien im Fachunterricht“, „Fachwortschatz erarbeiten“, „Prüfungsfragen und Prüfungssituationen“, „Prüfungsaufgaben in der Pflege“ und „Kommunikation in Umschulung, Ausbildung und beruflicher Qualifikation“. Die Handreichung „Der Sprung in die Realität“ richtet sich gezielt an Lehrkräfte in der Berufsbezogenen Deutschförderung, die die Teilnehmenden auf die sprachlichen Anforderungen im realen Arbeitsalltag vorbereiten (müssen).

Fazit

In Deutschkursen lernen Teilnehmende „Standardsprache“. In beruflichen Qualifizierungen, Ausbildungen und Umschulungen werden jedoch Alltags- und Fachsprache verwendet, zusätzlich fließen Floskeln, Ironie, verkürzte Ausdrücke, Redewendungen, Abkürzungen und Dialekte mit ein. Fachlehrkräften sowie Ausbilderinnen und Ausbildern ist häufig nicht bewusst, welche Hürden der „normale“ Sprachgebrauch für ihre Umschülerinnen, Umschüler und Auszubildenden darstellt. Die Bremer Handreichungen machen auf diese Hindernisse aufmerksam und bieten gleichzeitig Unterstützungsmöglichkeiten an.

Adressaten für Transfer:

Fachlehrkräfte, Ausbilder*innen, Praxisanleiter*innen sowie Deutschlehrkräfte in der beruflichen Bildung

Instrument:

Die „Bremer Handreichungen zum berufsbezogenen Deutsch“ verstehen sich als Anregung für die Umsetzung eines sprachsensiblen Fachunterrichts in der Arbeit mit sprachlich heterogenen Gruppen in der beruflichen Bildung. Sie bieten praxisnahe Anregungen und Tipps, Didaktisierungsvorschläge, Unterrichtsentwürfe sowie Checklisten und Hinweise auf weiterführende Literatur. Bislang wurden sieben Handreichungen veröffentlicht, weitere Ausgaben sind geplant.

Projekt:

Sechs Handreichungen sind im Projekt „Tandem – Berufliche Qualifizierung und Sprachförderung“, einer Kooperation des Paritätischen Bildungswerks LV Bremen und der HandWERk gGmbH - dem Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Bremen, entstanden und wurden von Heike Krautschun-Lindner und Iska Niemeyer verfasst. Die siebte Handreichung – „Prüfungsfragen in der Pflege sprachsensibel gestalten“ – wurde erarbeitet von Natascha Buts, Mitarbeiterin im Projekt „QuaDobi“ der wisoak G – Kompetenzzentrum Gesundheit der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer Bremen gGmbH. Beide Projekte liefen von 2013 bis 2014, im IQ Netzwerk Bremen.

Träger:

Paritätisches Bildungswerk LV Bremen e.V., Heike Krautschun-Lindner und Iska Niemeyer, Faulenstr. 31, 28195 Bremen, Tel: 0421 17472-43, hkrautschun-lindner(at)pbwbremen.de und iniemeyer(at)pbwbremen.de