Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“

Frage 9: Wie können Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden?

IQ Antwort:

Flüchtlinge und Asylsuchende müssen viele Hürden nehmen, bevor ihnen der deutsche Arbeitsmarkt die Möglichkeit zur Integration bietet. Die Motivation und der Wille sind auch auf der Seite der Arbeitgeber vorhanden, jedoch ist die Verunsicherung groß. Wann darf ich einen Geflüchteten einstellen? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden? Wer kann unterstützen? Grundsätzlich muss die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Fluchtgeschichte als Prozess verstanden werden. Anerkennung ausländischer Qualifikationen, Sprachausbildung, Kompetenzerfassung, Qualifizierungen – all das braucht seine Zeit, bevor aus den Flüchtlingen von heute die Fachkräfte von morgen werden können.

Die Arbeitsverwaltung ist Dreh- und Angelpunkt für arbeitssuchende Flüchtlinge und interessierte Arbeitgeber. Unterstützt und ergänzt werden muss der gesamte Vermittlungsprozess durch passende Angebote, wie sie z.B. durch die Förderprogramme IQ oder IvAF (Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen) bereitgehalten werden. Eine umfassende Begleitung und Vorbereitung der Arbeitgeber gehört hier ebenso dazu, wie die Informations-, Beratungs- und Qualifizierungsangebote für die Zielgruppe Flüchtlinge.

Bundesweite IQ Angebote:


Frage 8: Sind die Arbeitsagenturen und Jobcenter auf Zuwandernde gut vorbereitet?

IQ Antwort:

Um Menschen auf dem Weg in Beschäftigung gut zu beraten, ist neben fachlichem Know-how auch interkulturelle Kompetenz wichtig. Dies gilt besonders, wenn kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren Kommunikation erschweren. Die Notwendigkeit zur Sensibilisierung der Beschäftigten von Jobcentern und Arbeitsagenturen für die Belange von Migrantinnen und Migranten ist eine Schlussfolgerung der 2009 veröffentlichten Studie zur Wirkungsanalyse des SGB II auf diese Zielgruppe [1]. IQ war das Programm, das sehr schnell darauf reagiert hat, und den Aufbau interkultureller Kompetenz der Beschäftigten als einen Schwerpunkt umgesetzt hat.

Mit der aktuellen Flüchtlingssituation hat sich innerhalb eines Jahres die Zahl der Arbeitslosen aus Asylzugangsländern um rund 20 Prozent erhöht. Das stellt die Arbeitsmarkakteure vor neue Herausforderungen. Auch hier ist IQ aktiv und bietet bundesweit ein Schulungsformat für die Jobcenter und Agenturen für Arbeit an. Dabei steht die interkulturelle Grundsensibilisierung mit Schwerpunkt auf Asyl & Flucht im Mittelpunkt. Ergänzend schult das Programm zur Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen (IvAF) zu arbeitsmarktlichen Fragen wie Aufenthaltsstatus und Arbeitsmarktzugang sowie Gesetzesänderungen.

Bundesweite IQ Angebote:

  • Bis Ende 2015 sollen bundesweit rund 4.000 Fachkräfte der Jobcenter und Arbeitsagenturen sowie in den Folgejahren jeweils rund 5.000 Beschäftigte zum Umgang mit Asylsuchenden und Flüchtlingen geschult werden, um deren Arbeitsmarktintegration zu fördern. Mehr dazu auf der IQ Webseite www.netzwerk-iq.de unter der Rubrik Angebote für Jobcenter und Arbeitsagenturen.

[1] Wirkungen des SGB II auf Personen mit Migrationshintergrund, Projekt IIa1, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Duisburg, Oktober 2009


Frage 7: Wie können wir ausländische Absolventen deutscher Hochschulen als Fachkräfte im Land halten?

IQ Antwort:

Deutschland ist nach den USA und Großbritannien der drittbeliebteste Standort für Studierende aus dem Ausland. Allerdings bleibt nur jeder vierte ausländische Absolvierende einer deutschen Hochschule nach dem Studium im Land. Einer der Hauptgründe dafür sind laut einer Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration fehlende Informationen zu Bleibemöglichkeiten – 45 Prozent der ausländischen Studierenden fühlen sich demnach schlecht oder gar nicht zu diesem Thema informiert.

Um das große Potenzial der hierzulande ausgebildeten Fachkräfte für den hiesigen Arbeitsmarkt zu nutzen, ist es wichtig, dass ausländische Studierende über ihre Rechte und Möglichkeiten der Arbeitsaufnahme in Deutschland umfangreich informiert werden. Dazu ist praktische Hilfe beim Übergang von der Hochschule in den Arbeitsmarkt nötig, aber auch frühzeitiger Kontakt zu lokalen und regionalen Unternehmen, z. B. in Form von Mentoringprogrammen.

Wenn sich ausländische Absolventinnen und Absolventen gut betreut und integriert fühlen, bleiben sie auch eher in Deutschland [1].

Bundesweite IQ Angebote:

[1] IQ konkret Ausländische Studierende: Im Fokus der Fachkräftesicherung, Ausgabe 2/2013, S. 4, 33


Frage 6: Bringen Migrantenunternehmen die deutsche Wirtschaft in Schwung?

IQ Antwort:

In Deutschland erfolgen laut Gewerbeanzeigenstatistik rund 60 Prozent der Vollerwerbsgründungen durch Zugewanderte. Frauen mit Migrationshintergrund gründen sogar fast dreimal so häufig eine Existenz wie Frauen ohne Migrationshintergrund. Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat sich die Zahl der Selbstständigen mit Migrationsgeschichte seit Anfang der 1990er-Jahre verdreifacht [1].  Migrantinnen und Migranten schaffen in ihren Unternehmen außerdem Arbeitsplätze. Sie stellen zu Beginn ihrer Selbstständigkeit deutlich öfter Mitarbeitende ein als Unternehmensgründer, die aus Deutschland stammen – 48 Prozent versus 27 Prozent. Laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit liegt die hohe Bereitschaft zur Existenzgründung bei Zugewanderten allerdings in deren schlechteren Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt begründet. Sie machen also aus ihrer Not eine Tugend.

Existenzgründer aus Einwandererfamilien sind ein wichtiger Teil der deutschen Wirtschaft. Um diese Gründungen und bestehende Firmen zu unterstützen, bedarf es geeigneter und langfristiger Beratungsangebote zur Existenzgründung und -sicherung, gegebenenfalls auch in den Muttersprachen der Unternehmerinnen und Unternehmer.

Bundesweite IQ Angebote:

  • Das Förderprogramm IQ hält im Handlungsfeld Migrantenökonomie vielfältige Unterstützungsangebote vor. Projekte in ganz Deutschland bieten Gründungsberatung und -begleitung an. Auf dem Webportal www.wir-gruenden-in-deutschland.de  finden Migrantinnen und Migranten, die ein Unternehmen gründen wollen, umfassende Informationen zur Existenzgründung in Deutschland.

[1] Ökonomische Bedeutung und Leistungspotenziale von Migrantenunternehmen in Deutschland. Studie der FES, Sep. 2014, S. 22.


Frage 5: Wie können Zugewanderte schneller in ihren erlernten Berufen in Deutschland arbeiten?

IQ Antwort:

Der Fachkräftebedarf ist in einigen Branchen und Regionen jetzt schon spürbar. Die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen ist ein Schlüssel zur beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten und zur Beseitigung des Fachkräftemangels. Die gesetzlichen Möglichkeiten dazu werden bereits intensiv genutzt: Zwischen April 2012 und Dezember 2014 wurden alleine über 44.000 Anträge auf Anerkennung in Bundeszuständigkeit gestellt.

Die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses erhöht die Chance, entsprechend der Qualifikation beschäftigt zu werden. Laut einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sinkt das Risiko, unterwertig beschäftigt zu sein um knapp 32 Prozent, wenn der Abschluss vollständig anerkannt ist. Positive Effekte auf die Einkommenshöhe hat ein anerkannter Abschluss auch.

Das deutsche Berufsbildungssystem und die Verfahren der beruflichen Anerkennung sind jedoch komplex. In vielen Fällen kommen die Antragstellenden nicht ohne Unterstützung aus. Wer gut vorbereitet in das Verfahren der "Gleichwertigkeitsfeststellung" startet, vermeidet Frust und unnötige Wartezeiten.

Bundesweite IQ Angebote:

  • In den bundesweit über 97 IQ Beratungsstellen erhalten Menschen mit ausländischen Qualifikationen wertvolle Unterstützung auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung ihres Abschlusses, aber auch zu flankierenden Themen wie Deutschlernen oder Weiterbildungen.
  • Auf der interaktiven Landkarte des Förderprogramms sind alle Angebote gezielt abrufbar: www.netzwerk-iq.de/foerderprogramm-iq/landesnetzwerke/karte.html
  • Für die Anerkennung von Berufsqualifikationen muss ein offizieller Antrag gestellt werden. Wer dafür zuständig ist und was sonst noch im Verfahren wichtig ist, ist auf dem mehrsprachigen Portal www.anerkennung-in-deutschland.de zu erfahren.

Frage 4: Wie können Zugewanderte sprachlich fit für den deutschen Arbeitsmarkt werden?

IQ Antwort:

Sprache ist der Schlüssel zur Integration: Damit sich insbesondere auch die Türen in die deutsche Arbeitswelt öffnen, sind auf die jeweiligen Berufsfelder zugeschnittene und passgenaue Sprachbildungsangebote erforderlich. Besonders motivierend gestaltet sich der Erwerb der neuen Sprache, wenn dieser mit dem beruflichen Vorhaben und den Zukunftsplänen der Zugewanderten unmittelbar verknüpft ist: Fachliche und sprachliche Qualifizierung gehen so Hand in Hand und bedingen und befruchten sich gegenseitig. Hilfreich sind neben berufsbezogenen Sprachkursen auch individuelle Unterstützungsformen wie Sprachcoaching und Mentoring am Arbeitsplatz.

Digitale Lernangebote, wie Onlinekurse oder Unterricht in virtuellen Klassenzimmern, ermöglichen den Zugewanderten zeit- und ortsunabhängig zu lernen, da sie oftmals zusätzlich zu ihrer sprachlichen und beruflichen Qualifizierung Familie und existenzsichernde Lohnarbeit unter einen Hut bekommen müssen. Ergänzt durch eine enge Begleitung und orientierende Beratung lässt sich so für jeden einzelnen die passende Brücke in den deutschen Arbeitsmarkt schlagen. Das Förderprogramm IQ hält in allen 16 Bundesländern zahlreiche berufsbezogene Sprachbildungsangebote bereit.

Bundesweite IQ Angebote:


Frage 3: Wie können Flüchtlinge ihre mitgebrachten Berufsabschlüsse anerkennen lassen?

IQ Antwort:

Selbst wenn viele Flüchtlinge buchstäblich mit leeren Händen nach Deutschland kommen, haben etliche von ihnen in ihrem Heimatland einen Berufsabschluss erworben. Auch wenn bei der Ankunft in Deutschland zunächst andere Themen und Sorgen im Mittelpunkt stehen, können Asylbewerber und Flüchtlinge jederzeit einen Antrag auf Anerkennung ihrer Berufsqualifikationen stellen. Das Verfahren steht grundsätzlich allen Personen mit einer im Ausland abgeschlossenen Berufsausbildung offen – unabhängig von Zuwanderungsstatus und Staatsangehörigkeit.

Die Anerkennungsverfahren basieren normalerweise auf einer Dokumentenanalyse. Flüchtlingen ist es mitunter nicht möglich, alle Dokumente vorzulegen. Für diese Fälle hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, die beruflichen Kompetenzen über eine sogenannte "Qualifikationsanalyse" nachzuweisen, beispielsweise durch Fachgespräche oder Arbeitsproben. Zum Nachweis von non-formalen und informellen Kompetenzen gibt es eigene Verfahren. Im Rahmen von IQ wurden in den vergangenen Jahren Instrumente und Methoden insbesondere in Bezug auf migrationsspezifische Kompetenzfeststellungsverfahren erprobt und optimiert.

Bundesweite IQ Angebote:

  • Für die Anerkennung von Berufsqualifikationen muss man einen offiziellen Antrag stellen. Wer dafür zuständig ist und was sonst noch im Verfahren wichtig ist, erfährt man auf dem mehrsprachigen Portal www.anerkennung-in-deutschland.de.
  • Anerkennungsverfahren sind meist sehr aufwendig und komplex. Über 97 IQ Beratungsstellen stehen deutschlandweit mit Rat und Tat zur Seite. Auf der interaktiven Landkarte des Förderprogramms sind alle Angebote gezielt abrufbar: www.netzwerk-iq.de/foerderprogramm-iq/landesnetzwerke/karte.html
  • Wenn es für die volle Anerkennung nicht reicht, bietet das Förderprogramm IQ für viele Berufe Qualifizierungen, um Unterschiede zu einem deutschen Beruf auszugleichen. Auf der interaktiven Landkarte des Förderprogramms sind alle Angebote gezielt abrufbar: www.netzwerk-iq.de/foerderprogramm-iq/landesnetzwerke/karte.html 

Frage 2: Welche Vorteile haben Unternehmen, die Strategien zur Vielfalt verfolgen?

IQ Antwort:

Der demografische Wandel, die Globalisierung und Internationalisierung verändern unsere Gesellschaft grundlegend. Wir werden weniger, älter, bunter und die wirtschaftlichen Beziehungen komplexer. Unternehmen, die erfolgreich am Markt agieren möchten, müssen auf diese Trends reagieren. Oftmals ist dann die Rede von Strategien zur Gestaltung von Diversity und der Umsetzung einer gelebten Willkommenskultur. Im Rahmen der aktuellen Zuwanderung ist davon auszugehen, dass zukünftig vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund Beschäftigung suchen. Unternehmen, welche die Chancen kultureller Vielfalt erkennen und die Potenziale der Zuwanderenden nutzen, können nachhaltig davon profitieren. Zu den Vorteilen gehören u.a.: Umsatzsteigerung, Expansionsfähigkeit, der Erwerb interkultureller Kompetenz und Innovationsfähigkeit.

Strategien zur Vielfalt beeinflussen unmittelbar die Unternehmenskultur, sie bezeugen Offen- und Aufgeschlossenheit gegenüber jedem Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder möglicher Behinderung. Das macht das Unternehmen attraktiv und interessant für alle. Zusätzliche Potenziale können so erschlossen werden.

Bundesweite IQ Angebote:


Frage 1: Hilft Zuwanderung, den Fachkräftebedarf in Deutschland zu decken?

IQ Antwort:

Einwanderung bewirkt einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen und des Wachstums. Dennoch bleibt der demografische Wandel in Deutschland bestimmend und führt zu sinkendem Arbeitskräfteangebot. Unter den heutigen Bedingungen wird die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um acht Millionen zurückgehen [1]. Damit wird der deutsche Arbeitsmarkt ein Fünftel des heutigen Angebots verlieren.

Neben Maßnahmen zur Aktivierung des inländischen Arbeitskräftepotenzials wie der stärkeren Beschäftigung von Frauen und Älteren, wäre eine Nettozuwanderung von rund 400.000 Menschen notwendig, um das Erwerbspotenzial auf dem gegenwärtigen Niveau zu halten [2].

Unter den Zugewanderten gibt es viele, deren Qualifikationspotenzial nicht optimal ausgeschöpft wird. Sie müssen anfangs oft Jobs unterhalb ihres Qualifikationsniveaus annehmen, um ein existenzsicherndes Einkommen zu gewährleisten. Es besteht die Gefahr einer dauerhaften Entwertung der mitgebrachten Qualifikationen: Verschenkte Lebenszeit und verschwendetes Humankapital sind die Folgen. Um eine möglichst reibungslose Integration der einwandernden Arbeitskräfte zu ermöglichen und an den mitgebrachten Kompetenzen unmittelbar anzuknüpfen, bietet das Förderprogramm IQ eine Fülle von Anpassungs- und Nachqualifizierungen an.

Bundesweite IQ Angebote:


[1] Vgl.: Arbeitsmarktprognose 2030 – Eine strategische Vorausschau auf die Entwicklung von Angebot und Nachfrage in Deutschland www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a756-arbeitsmarktprognose-2030.pdf

[2] Brücker, Herbert (2013): Auswirkungen der Einwanderung auf den Arbeitsmarkt und Sozialstaat: Neue Erkenntnisse und Schlussfolgerungen für die Einwanderungsgesellschaft. Hrsg.: Bertelsmann Stiftung, Gütersloh.

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