Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“

IQ Symposium 2016: Dokumentation

Vor welchen Herausforderungen steht die Integrationspolitik in Deutschland und Europa, vor allem mit dem Blick auf Integration in Arbeit? Wie gelingt Integrationspolitik aus einem Guss? Und was können Deutschland, Europa und andere Länder aus den eigenen Integrationserfahrungen sowie voneinander lernen? Diese und andere Fragen diskutierten die Teilnehmenden des internationalen IQ Symposiums "Arbeitsmarktintegration von Eingewanderten in Deutschland und Europa" am 6. April im dbb forum berlin.

Rund 150 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft folgten der Einladung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Förderprogramm IQ, die das Symposium in Kooperation mit dem internationalen Metropolis Projekt veranstalteten. In Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops tauschte man sich aus und diskutierte sachlich und kontrovers.
Auf dieser Seite finden Sie die Videomitschnitte der Hauptvorträge und Podiumsdiskussionen des Symposiums und die Präsentationsfolien der Workshop-Vorträge.

 

Begrüßung: "Arbeitsmarktintegration als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe"

Staatssekretär Thorben Albrecht, Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Staatssekretär Thorben Albrecht unterstrich die Notwendigkeit eines "langen Atems", um die der Integration von Geflüchteten in Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu meistern. Er stellte die Fortschritte der Bundesregierung in diesem Feld dar, unter anderem was die Sprachförderung, berufliche Bildung, Anerkennung ausländischer Qualifikationen und Vernetzung integrationspolitischer Akteure betrifft. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bringe die Flüchtlingszuwanderung mittel- und langfristig wichtige Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt mit sich. Diese Chancen können allerdings nur durch umfangreiche integrationspolitische Investitionen erschlossen werden.


Einführung: "Policy-Innovation durch internationalen Transfer: Potentiale und Grenzen"

Dr. Howard Duncan, Carleton Universität Kanada/Geschäftsführer, Metropolis 

Howard Duncan sprach über die Chancen eines grenzüberschreitenden migrations- und integrationspolitischen Austauschs. Internationale Foren auf Spitzen- und Arbeitsebene seien heutzutage so zahlreich wie nie zuvor. Zivilgesellschaftliche Akteure, die Wissenschaft und der private Sektor seien dabei längst keine Nebenfiguren mehr, sondern zentrale Kooperationspartner von Regierungen. Gleichzeitig warnte Howard Duncan vor zu hohen Erwartungen an den internationalen Transfer guter Praxis, da ihr Erfolg  immer kontextabhängig sei. Gute Ideen aus anderen Ländern können jedoch inspirierend wirken und bei der Entwicklung adäquater Lösungen für das eigene Land bzw. die eigene Region sehr hilfreich sein.


Keynote: "Migration und Mobilität in Europa: Herausforderungen für die Integrationspolitik"

Elizabeth Collett, Direktorin Migration Policy Institute Europe

Elizabeth Collett stellte in der Keynote die Weichen für die nachfolgenden Diskussionen. Basierend auf die Ergebnisse einer Studie des Migration Policy Institute und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die die Lage der Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten in verschiedenen europäischen Ländern vergleicht, benannte sie Barrieren sowie integrationspolitische Erfolgsfaktoren und Ansätze guter Praxis aus den Ländern. Die sogenannte "Flüchtlingskrise" entlarvte Elizabeth Collett als eine komplexe und mehrdimensionale Krise der Europäischen Union. Diese Krise könne sich demnächst auch im Bereich Integration manifestieren, wenn sich Europa nicht frühzeitig und zukunftsorientiert der Aufgabe widme, gangbare Wege in den Arbeitsmarkt für Geflüchtete zu ebnen.


Podiumsdiskussion: "Integration in Zeiten der Flüchtlingszuwanderung: nationale Perspektiven auf europäische Fragen"

Staatssekretär Thorben Albrecht, Bundesministerium für Arbeit und Soziales 

Jon Simmons, Head of Migration and Border Analysis, Home Office, Vereinigtes Königreich

Prof. Dr. Naika Foroutan, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung

Moderation: Peter Schatzer, Ständiger Beobachter bei den Vereinten Nationen in Wien und Berater des Generalsekretärs bei der Parlamentarischen Versammlung des Mittelmeerraumes

In der Podiumsdiskussion wurde die aktuelle Debatte über das Integrationsgesetz zum Anlass genommen, um die Bedeutung des Integrationsbegriffes und seine Rolle in europäischen Gesellschaften zu reflektieren. Dabei wurden die Verflechtungen zwischen Integration und den gesellschaftlichen Zielen von sozialem Zusammenhalt und Chancengleichheit aufgezeigt, weit über einen Fokus auf Ethnizität bzw. Nationalität hinaus. Des Weiteren diskutierten die Podiumsgäste über den Umgang mit Verlustängsten in der Bevölkerung, die von der sogenannten "Flüchtlingskrise" hervorgerufen werden sowie über die Rolle des öffentlichen und politischen Narratives, um diese Ängste abzubauen und die bevorstehenden Aufgaben gemeinsam zu lösen. 


Parallele Workshops: "Gute Praxis für einen inklusiven Arbeitsmarkt in Europa"

In drei parallelen Workshops diskutierten die Teilnehmenden unterschiedliche Aspekte der Integrationspolitik. Der Schwerpunkt lag auf Praxisbeispielen aus verschiedenen Ländern. Hier können Sie die Präsentationsfolien der Vorträge aus den Workshops herunterladen.


Workshop 1: Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen

In diesem Workshop ging es um die politische Ausgestaltung und Steuerung der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in Deutschland und Europa. Im Fokus standen aktuelle Herausforderungen in der Praxis. Fallbeispiele für Integrationsmaßnahmen und Rahmenbedingungen in Deutschland, Schweden und der Türkei standen zur Diskussion, aber auch Fragen der internationalen Kooperation und Solidarität zwischen den Europäischen Staaten.

Die Diskussion drehte sich zudem um die Frage, welche rechtlichen und politischen Entscheidungen die Integration behindern oder unterstützen können. Zur Sprache kamen die Beziehung zwischen Zuwanderungskontrolle und Integrationspolitik am Beispiel des Familiennachzugs sowie die Rolle von Migrantenorganisationen und -unternehmen und von sozialen und familiären Netzwerken.

Präsentationen

Vortrag von Simone Solka (Bundesminsiterium für Arbeit und Soziales)

Download der Vortragsfolien bald an dieser Stelle

Vortrag von Dr. Murat Erdogan (Haceteppe Universität Ankara)

Download der Vortragsfolien als PDF

Vortrag von Dr. Bernd Parusel (Schwedische Migrationsbehörde Migrationsverket)

Download der Vortragsfolien als PDF


Workshop 2: Qualifizierte Zuwanderung: Herausforderungen und Lösungen

Im Mittelpunkt des Workshops stand die Arbeitsmarktintegration von qualifizierten Migrantinnen und Migranten. Die Bezeichnung "qualifizierte Zuwanderer" wird in verschiedenen Ländern unterschiedlich interpretiert, allgemein sind hiermit jedoch Migrantinnen und Migranten gemeint, die über formale Berufsabschlüsse verfügen. Obwohl diese Gruppe hinsichtlich ihrer Teilhabe am Arbeitsmarkt einen klaren Vorteil gegenüber Zugewanderten ohne Qualifikationen hat, gibt es auch hier erhebliche Zugangsbarrieren.

Die Referentinnen und Referenten diskutierten mit den Teilnehmenden über die Vergleichbarkeit und Anerkennung ausländischer Qualifikationen, und zwar sowohl als Instrument, um die Attraktivität für ausländische Fachkräfte zu erhöhen, als auch als Mittel, um die Potenziale von Flüchtlingen für den Arbeitsmarkt zu identifizieren. In diesem Kontext wurde z.B. die Verzahnung zwischen dem Anerkennungs- und dem Zuwanderungsgesetz in Deutschland aufgezeigt oder die schwedische Praxis zur Anerkennung der Kompetenzen von Flüchtlingen beschrieben. Aus wissenschaftlicher Sicht richtete Alessandra Venturini den Blick auf die Nachfrageseite des Arbeitsmarktes: Die Integration von qualifizierten Migrantinnen und Migranten hänge wesentlich davon ab, welche konkreten Qualifikationen diese mitbringen und ob die nationale Volkswirtschaft diese benötigt.

Präsentationen

Prof. Dr. Alessandra Venturini (Migration Policy Center, Italien)

Download der Vortragsfolien als PDF

Stina Petersson, (Schwedischer Arbeitsmarktservice Arbetsförmedlingen)

Download der Vortragsfolien bald an dieser Stelle

Ralf Maier (Bundesministerium für Bildung und Forschung)

Download der Vortragsfolien als PDF 


Workshop 3: Maßnahmen für einen inklusiven und diskriminierungsfreien Arbeitsmarkt

Der Ausgangspunkt für diesen Workshop war die Frage: "Was macht einen inklusiven Arbeitsmarkt aus?". Dabei ging es vor allem um kulturelle, institutionelle und strukturelle Barrieren, die Migrantinnen und Migranten den Zugang zu guter Beschäftigung erschweren. Durch die Zusammensetzung des Podiums konnten Perspektiven aus drei verschiedenen Ländern (zwei europäische Länder und Australien) sowie aus unterschiedlichen Sektoren (öffentliche Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft) zu Wort kommen.

In der Diskussion wurde zum einen das Thema des "Unconscious bias" von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern und der Diskriminierung von Migrantinnen und Migranten bei der Besetzung von Arbeitsstellen besprochen. Sandra Kerr stellte die Ergebnisse einer in Großbritannien durchgeführten Studie vor, zeigte Handlungsoptionen auf und unterstrich die Bedeutung eines laufenden Monitorings, um das Bewusstsein für Diskriminierung durch Arbeitgeber zu stärken. Vor dem Hintergrund eines mobilen, flexiblen und internationaler werdenden Arbeitsmarktes stehe auch die Arbeitsverwaltung vor der Aufgabe, ihre Leistungen an die individuellen Bedarfe und Potenziale der Kunden anzupassen, erklärte Michael van der Cammen. Dies sei nur durch einen kontinuierlichen Prozess der Selbstreflexion und der interkulturellen Weiterentwicklung möglich.

Präsentationen

Jock Collins (University of Technology Sydney, Australia)

Download der Vortragsfolien als PDF

Sandra Kerr, OBE (Business in the Community, Vereinigtes Königreich)

Download der Vortragsfolien als PDF


Fishbowl-Diskussion: "Integrationspolitik aus einem Guss? Akteure, Interessen und Regierungsebenen effektiv koordinieren"

Pedro Calado, Hoher Kommissar für Migration, Portugal

Vanessa Ahuja, Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Elizabeth Collett, Direktorin Migration Policy Institute Europe

Wilhelm Adamy, Deutscher Gewerkschaftsbund, Abteilungsleiter Arbeitsmarktpolitik

Dr. Thomas Liebig, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 

Moderation: Najima El Moussaoui, Moderatorin und Journalistin 

Nicht nur der Inhalt, sondern auch die "Form" der Gestaltung von Integrationspolitik stand im Mittelpunkt der Fishbowl-Diskussion am Nachmittag. Die zentrale Frage: Wie gelingt die Koordination aller Stakeholder in der Integrationspolitik – von der Kommune bis zur EU, vom Ministerium bis zum Unternehmen? Die Diskussionsrunde warf unter anderem die Frage auf, ob dies angesichts der vielseitigen Interessen der Akteure überhaupt möglich ist. Herausforderungen und gute Beispiele aus Deutschland, Portugal und der Europäischen Union standen im Mittelpunkt.


Zusammenfassung und Lessons Learned

Prof. Dr. Jan Rath, Universität Amsterdam, Niederlande / Vorsitzender, Metropolis Europa

Jan Rath vom Kooperationspartner Metropolis zog zum Schluss ein Resümee des Symposiums. Er lobte den Fokus auf die Teilhabe am Arbeitsmarkt, hält sich doch die Diskussion über die Integration häufig an soziokulturellen Fragen auf. Er mahnte eine Versachlichung der oft emotional geführten Integrationsdebatte an und fordert Geduld, denn Integration sei ein langer Prozess. Für zukünftige Konferenzen wünschte Jan Rath sich eine stärkere Einbeziehung der Arbeitgeberseite.


Veranstalter

Kooperationspartner

Organisationsteam

  • Jürgen Schröder, Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 
  • Fabian Junge, Andrea Meinders, Liam Patuzzi, Sabine Schröder, Irma Wagner, ebb GmbH
  • Jennifer Chandrasegaram, Viktor Kopnow, Christiane Schreiber, Holger Trost, ZWH e.V.
  • Anne Güller-Frey, MigraNet – IQ Landesnetzwerk Bayern
  • Nadine Förster, IQ Fachstelle Migrantenökonomie
  • Andreas Merx, Ania Szymanska, IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung
  • Doritt Komitowski, Christian Pfeffer-Hoffmann, IQ Fachstelle Einwanderung
  • Ulrike Benzer, Dr. Ottmar Döring, IQ Fachstelle Beratung und Qualifizierung
Twitter
RSS