Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Vielfalt führt zu wirtschaftlichem Erfolg – Summary zur Konferenz "Europa und Migration im 21. Jahrhundert"

Ivana Babić Krešić, Repräsentantin der Personalberatung "Victoria Consulting", wies in ihrer Präsentation auf die Schieflage zwischen europäischer und nationaler Gesetzgebung hin.

Auf der internationalen Konferenz "Europe and Migration in the 21st Century" (dt: "Europa und Migration im 21. Jahrhundert"), die vom 11. bis 12. Mai in Zagreb stattfand, tauschten sich Expertinnen und Experten aus Diplomatie, Wirtschaft und Wissenschaft über die Herausforderungen und Chancen der Migration und Integration in Europa im 21. Jahrhundert aus.

Migration und Wirtschaft

Bereits in der Eröffnungsrede der von der Stadt Zagreb in Kooperation mit dem internationalen Metropolis Projekt organisierten Konferenz fielen deutliche Worte. Tomislav Sunic, Beauftrager des Landesamts für Kroaten außerhalb der Republik Kroatien, warf gezielt provokant eine der zentralen Fragen der Konferenz auf: "Sind Immigranten und Emigranten gut oder schlecht für die Wirtschaft?" Die Antwort des Auswanderungslandes Kroatien darauf sei eindeutig, so Sunic: "Ohne die Geldüberweisungen der kroatischen Diaspora wäre Kroatien wirtschaftlich nicht halb so erfolgreich."

Professor Oguz Esen von der Izmir University of Economics bekräftigte diese Aussage für sein Land vor dem Hintergrund der ca. drei Millionen syrischen Geflüchteten in der Türkei. Die große Mehrheit dieser Geflüchtete sind demnach bereits auf dem formellen und informellen Arbeitsmarkt tätig. Eine kürzlich von Professor Esen durchgeführte Studie belegt außerdem, dass syrische Geflüchtete die Arbeitsmärkte positiv beeinflussen: Geflüchtete beleben den internationalen Handel und gründen neue Unternehmen. Auf dem formalen Arbeitsmarkt senken sie außerdem die Arbeitslosigkeit, auch wenn es im Dienstleistungssektor durchaus zu Konkurrenzsituationen mit den Alteingesessenen kommen kann.

Am zweiten Tag der Konferenz unterstrich Dr. Predrag Haramija der Zagreb School of Economic and Management, dass auch die Religion vieler Migrantinnen und Migranten einer Arbeitsmarktteilnahme nicht im Wege stehen muss. Im Gegenteil. Gläubige Migranten – seien es christlich oder muslimisch geprägte Personen – integrieren sich dank der Unterstützung religiöser Gemeinschaften nicht nur schneller, sondern sind wirtschaftlich auch deutlich erfolgreicher. "Religiosität ist gut für's Geschäft", fasste Haramija seine Präsentation prägnant zusammen.

Gesamteuropäische Lösung

"Welche Rolle sollte die EU in der Integrations- und Migrationspolitik spielen?", stellte eine weitere Kernfrage der Konferenz dar. Stavro Tsiepas, der griechische Botschafter in Kroatien, wies auf die Bedeutung eines notwendigen europäischen Zusammenhalts hin – besonders für die Länder an den Außengrenzen Europas –  und forderte nachdrücklich einen "holistischen Lösungsansatz im Geiste der europäischen Solidarität". Marko Rakovec, Diplomat der Republik Slowenien, warnte ebenfalls davor, Migration lediglich als Problem einzelner Länder der europäischen Außengrenze darzustellen: "Ohne eine gesamteuropäische Lösung werden wir die Herausforderungen und Chancen der Migration nicht meistern oder managen können", so Rakovec.

Ivana Babic Krešic, Repräsentantin der international tätigen Personalberatung für Fach- und Führungskräfte "Victoria Consulting", wies in ihrer Präsentation auf die Schieflage zwischen europäischer und nationaler Gesetzgebung hin: "Die von der EU reglementierte Freizügigkeit und diskriminierungsfreie Öffnung der Märkte werden nicht selten durch die einzelnen Länder mangelhaft umgesetzt oder durch zahlreiche Diskriminierungen auf den jeweiligen Binnenmärkten gar vollständig unterminiert."

Alexandrina Iremucic der Universität Genf dagegen erörterte die Bemühungen der EU, Integrationsmaßnahmen zu standardisieren. Laut Iremucic lassen die Befugnisse der EU jedoch in diesem Bereich noch zu wünschen übrig.

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