Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“

Bis 2017 eine halbe Millionen Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt

[IfW] Langsam aber sicher kommen die Flüchtlinge in Deutschland auch auf dem Arbeitsmarkt an. Spätestens ab 2017 wird dies spürbar, wenn knapp eine halbe Millionen Flüchtlinge auf dem Stellenmarkt verfügbar sind. Die meisten davon werden allerdings ohne Beschäftigung sein. Dies ist das Ergebnis einer Berechnung des Arbeitsmarktexperten Dominik Groll des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) anlässlich der aktuellen Konjunkturprognose des Instituts.

Maßgeblich beeinflusst wird die Anzahl der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt von der Geschwindigkeit, mit der das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Bleibestatus klärt. Trotz Personalaufbau und beschleunigter Verfahren erwartet Groll, dass der Bestand an anhängigen Asylverfahren beim BAMF deutlich zunehmen wird, bis auf durchschnittlich 731 000 im Jahr 2016, und die Flüchtlinge so nur verzögert als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Dennoch steigt das Erwerbspersonenpotential durch die Flüchtlinge in den kommenden Jahren spürbar, 2016 und 2017 um jeweils deutlich über 200 000 Flüchtlinge, bis 2017 insgesamt um 470 000 Personen.Durch die bisherige Erfahrung mit Zuwanderern aus den Hauptasylzugangsländern ist laut Groll davon auszugehen, dass monatlich 2 Prozent der potentiellen Flüchtlings-Erwerbspersonen bei der Arbeitssuche erfolgreich sind.

Unter dieser Voraussetzung steigt die Erwerbstätigkeit im kommenden Jahr um 39.000 und im Jahr 2017 um 87.000 Personen. Der kumulierte Effekt auf den Jahresdurchschnitt in 2017 beträgt 94.000 Personen. Die Zahl der Erwerbspersonen ohne Arbeit nimmt hingegen deutlich stärker zu. Der kumulierte Effekt in 2017 beträgt 376.000 Personen.

In der Arbeitslosenstatistik tauchen diese Personen aber nicht auf, solange sie durch Integrationskurse und andere arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gefördert werden, da sie in dieser Zeit nach Definition der Bundesagentur für Arbeit nur als unterbeschäftigt, nicht aber als arbeitslos, gelten. Dieser Effekt lasse sich bereits beobachten. Die Zahl der Personen in der sog. Fremdförderung, worunter insbesondere die Integrationskurse des BAMF fallen, lag im November 2015 um 16.000 Personen (+17 Prozent) über dem Vorjahresmonat. „Hier als Motivation nur eine Schönung der Statistik zu unterstellen wäre aber falsch, da gezielte und individuelle Integrationspläne den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt nachweislich steigern können“, so Groll.

Die Berechnungen sind Bestandteil der Konjunkturprognose des IfW vom Dezember 2015 (Kasten 1, S. 9).

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Dominik Groll
Tel.: (0431) 8814 266
Email: dominik.groll(at)ifw-kiel.de

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