Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Interkulturelle Öffnung

Das Konzept der Interkulturellen Öffnung zielt auf den gleichberechtigten Zugang Aller zu den Angeboten der Versorgungsstruktur. Es entstand in den späten 1980er Jahren, als im Bereich der Sozialen Arbeit eine Entwicklung weg von Ausländersozialarbeit hin zu Migrationsarbeit ihren Anfang nahm. Interkulturelle Öffnungsprozesse können mit dem Anspruch der sozialen Gerechtigkeit und Chancengleichheit angestoßen werden, oder Reaktionen auf sich verändernde Rahmenbedingungen sein.


Interkulturelle Öffnung in der Praxis

Die interkulturelle Öffnung einer Institution oder eines Unternehmens ist ein Prozess, der Zeit erfordert und sich auf unterschiedlichen Ebenen vollzieht. In diesem Prozess wird immer wieder selbstreflexiv geprüft, inwieweit Perspektivenvielfalt ermöglicht und andere Deutungsansätze zugelassen werden. Dies erfordert eine Haltung der Subjektorientierung, der Gleichheit und Anerkennung, eine Haltung der Wertschätzung von Vielfalt auf der Grundlage der gemeinsamen Basis des Menschseins.

Struktur

Als Querschnittsaufgabe bedarf Interkulturalität einer strukturellen Verankerung. Sie muss sich sowohl in der Konzeption (z.B.: durch Leitbilder) als auch in der konkreten Praxis niederschlagen. Nach einer individuellen Bedarfsanalyse werden Ziele formuliert: Wie/wie weit können wir unsere Einrichtung/unser Unternehmen interkulturell ausrichten?

Personal

Ausgrenzungsmechanismen bestimmter Personen oder Personengruppen sollten bewusst gemacht und einer kritischen Reflexion unterzogen werden: Welche Zugangsbarrieren bestehen und wie lassen sich diese abbauen? Erreichen unsere Angebote alle Menschen mit und ohne Migrationshintergrund? Zu ergreifende Maßnahmen können Schulungen und Fortbildungen für Mitarbeitende, aber auch eine veränderte Personalauswahl sein, welche die gesellschaftliche Vielfalt in der Belegschaftsstruktur widerspiegelt.

Angebote und Dienstleistungen

Um Angebote und Produkte zielführend entwickeln und interkulturell auszurichten zu können, muss die Zielgruppe eingebunden werden. Unter Berücksichtigung der gewonnen Erkenntnisse werden Angebote und Konzepte angepasst. Auch neue Angebote können konzipiert werden.

Kooperationen und Vernetzung

Vernetzung und die Schaffung neuer Kooperationen ist ein wichtiger Bestandteil eines interkulturellen Öffnungsprozesses. Sehr häufig wird auch im Bereich der Öffentlichkeitsbereich angesetzt, indem beispielsweise Flyer übersetzt oder unter interkulturellen Aspekten neu gestaltet werden.

Glossar

Interkulturell: Der Begriff umschreibt zunächst das Aufeinandertreffen zweier oder mehrere Kulturen, die sich vermischen oder überlagern: Sie stehen in Interaktion oder Kommunikation miteinander. Dies ist ein variabler und dynamischer Prozess, in dem die beteiligten Kulturen oder Teile dieser nicht nur addiert werden. Vielmehr bilden sie – sich gegenseitig beeinflussend – eine neue „Kultur“, eine Interkultur. Die heutige Welt wäre ohne Interkulturalität nicht denkbar, denn im Verlauf der Kulturentwicklung ist das Aufeinandertreffen und der Austausch von Kulturen ein wesentlicher und fortwährender Vorgang.

Kulturalisierung/Ethnisierung: Dem Thema Interkulturalität liegt ein erweiterter Kulturbegriff zu Grunde. Darüberhinaus werden die kulturelle und ethnische Prägung eines Menschen als nur eine von vielen Dimensionen (u.a.: Geschlecht, Religion und Weltanschauung, Bildung und sozialer Status) verstanden, die sein Handeln und seine Interaktion beeinflussen. Kulturalisierung/Ethnisierung erfolgt, wenn etwa eine Auseinandersetzung zwischen Personen als ein interkultureller Konflikt aufgefasst wird, weil einer der Konfliktpartner türkischer oder russischer Herkunft ist. Der Konflikt wird in solchen Fällen voreilig als interkulturelles Problem gedeutet, noch ehe den Ursachen auf den Grund gegangen wurde. Es folgt eine Reduktion auf die kulturelle Dimension, die in der Regel mit der ethnischen Herkunft gleichgesetzt wird.

Interkulturelle Orientierung steht für eine sozialpolitische Haltung, die Verschiedenheit anerkennt, gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht und alle gesellschaftlichen Gruppen als Nutzer einer Einrichtung/Institution und als Teil von Gesellschaft anerkennt.

Interkulturelle Öffnung bezeichnet die Umsetzung der Haltung der interkulturellen Orientierung mit dem Ziel, Zugangsbarrieren abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen. Sie setzt sich mit dem Migration und mit der Pluralität von lebensweltlichen Konzepten auseinander und geht damit über das Thema „Kultur“ hinaus. Interkulturelle Öffnung ist nicht wertneutral, sondern setzt einen Selbstreflexionsprozess in Gang: Welche Haltung habe ich persönlich zum Thema Migration und wie offen bin ich für dieses Thema? Wo liegen die Chancen, was ist der Mehrwert und welche Grenzen gibt es? Diese Überlegungen erfordern auch eine Auseinandersetzung mit Diskriminierung, Rassismus und Machstrukturen.

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