Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Entscheidende Weichenstellung - die berufsbezogenen Deutschsprachförderung nach § 45a Aufenthaltsgesetz

Simone Solka, Leiterin des Referates IIa6 im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), im Interview zur berufsbezogenen Deutschsprachförderung nach § 45a Aufenthaltsgesetz.

 

Die "Verordnung über die berufsbezogene Deutschsprachförderung (Deutschsprachförderverordnung)" trat am 1. Juli 2016 in Kraft. Damit ist auf der Grundlage des Aufenthaltsgesetzes die berufs-bezogene Deutschförderung als Regelin-strument verankert. Was genau bedeutet das?

Die deutsche Sprache ist der entscheidende Schlüssel für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt und die deutsche Gesellschaft. Ziel der staatlichen Sprachförderangebote ist, den voraussichtlich länger oder auf Dauer in Deutschland bleibenden Migrantinnen und Migranten so schnell wie möglich das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen. Die  Integrationskurse sind das staatliche Kernangebot zur allgemeinsprachlichen und gesellschaftlichen Integration. Sie ermöglichen das Erreichen des Sprachniveaus B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER). Für die Aufnahme einer qualifikationsadäquaten und nachhaltigen Beschäftigung reicht aber häufig das Sprachniveau B1 nicht aus. Zudem erfordert die Integration in den Arbeitsmarkt oftmals auch berufsbezogene Sprachkenntnisse.

Diesen Bedarf an berufsbezogener Deutschsprachförderung hat seit Februar 2009 das ESF-BAMF-Programm zur berufsbezogenen Sprachförderung gedeckt. Seitdem sind in zwei Förderperioden viele Menschen über dieses sehr gute Programm gefördert worden. Aber, und damit kommen wir zum Knackpunkt, Programme haben eine grundlegende Eigenschaft: Sie sind befristet und so läuft das ESF-BAMF-Programm Ende dieses Jahres aus. Der Bedarf an berufsbezogener Deutschsprachförderung besteht aber langfristig. Nicht zuletzt durch die hohe Flüchtlingszuwanderung seit dem Jahr 2015 hat sich der Bedarf nochmal erheblich gesteigert. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung mit dem Asylverfahrens­beschleunigungs­gesetz die berufsbezogene Deutschsprachförderung als Regelinstrument im Aufenthaltsgesetz verankert.
Damit werden die Strukturen und die Finanzierung der berufsbezogenen Deutschsprachförderung auf Dauer sichergestellt. Aus meiner Sicht ist dies eine entscheidende Weichenstellung für die Integration der Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt.

Wo ist die berufsbezogene Sprachförderung innerhalb des Gesamtprogramms Sprache (GPS) verortet? Welche Überlegungen haben zu dieser Umstrukturierung geführt?

Neben der zuvor genannten Übertragung der berufsbezogenen Deutschsprachförderung in die Regelinst-rumente ist ein wesentliches Ziel der Umstrukturierung, die allgemeine und die berufsbezogene Deutschsprachförderung besser aufeinander abzustimmen, erreicht worden. Damit die Anschlussfähigkeit von den Integrationskursen zur berufsbezogenen Deutschsprachförderung gesichert ist, haben wir uns schon frühzeitig im Herbst 2015 mit dem Bundesministerium des Innern darauf verständigt, dass wir die beiden Regelinstrumente aufeinander abstimmen. Ziel war und ist ein Gesamtprogram Sprache (GPS), bei dem die berufsbezogene Deutschsprachförderung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf den Integrationskursen des Bundesministeriums des Innern aufbaut.

Die Integrationskurse und die berufsbezogene Deutschsprachförderung sind die beiden Säulen des GPS. Ein wesentlicher Schritt zum GPS wurde mit der Deutschsprachförderverordnung erreicht, die zum 1. Juli 2016 in Kraft getreten ist. Damit ist ein Regelangebot an berufsbezogener Deutschsprachförderung auf Bundesebene geschaffen worden. Im Unterschied zum ESF-BAMF-Programm zur berufsbezogenen Sprachförderung baut die Deutschsprachförderverordnung auf dem allgemeinsprachlichen Niveau der Integrationskurse von B1 auf und dient dem Spracherwerb bis zum Sprachniveau C2, um die Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu verbessern. Hierfür werden die sogenannten Berufssprachkurse modularisiert angeboten. So kann der individuelle Bedarf besser berücksichtigt werden. Jeder erhält die Förderung, die seinem Bedarf entspricht.

Die Förderung erfolgt künftig in drei Basismodulen (Modul 1: B1 nach B2, Modul 2: B2 nach C1 und Modul 3: C1 nach C2 nach dem GER). Daneben werden Spezialmodule eingerichtet, wie zum Beispiel die Sprachförderung für bestimmte Berufe im Berufsanerkennungsverfahren (z. B. akademische Heilberufe). Außerdem werden Spezialmodule für den Spracherwerb unterhalb des Niveaus B1 angeboten. An diesen dürfen jedoch nur Personen teilnehmen, die in einem absolvierten Integrationskurs das Niveau B1 nicht erreicht haben. Wie die Integrationskurse werden die Berufssprachkurse vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchgeführt, sodass auch hierdurch die Anschlussfähigkeit sichergestellt ist. Die Träger werden jeweils im Wege eines Zulassungsverfahrens gewonnen. Sie sehen, die beiden Säulen des GPS sind eng aufeinander abgestimmt. Diese Zielsetzung werden wir auch weiterhin verfolgen.

Wie sieht der Zeitplan in der Umsetzung des Vorhabens aus? Gibt es einzelne Etappenziele? Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen in der Umsetzung?

Nachdem mit dem Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz die berufsbezogene Deutschsprachförderung als Regelinstrument verankert wurde, war das erste große Etappenziel, diese bis zum 1. Juli 2016 gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge umzusetzen. Hierfür standen uns nur acht Monate zur Verfügung. Jeder, der solche Prozesse kennt, weiß, dass das ein ehrgeiziges Ziel war. Binnen acht Monaten musste das Konzept für die bundesfinanzierte Deutschsprachförderung erarbeitet, die Deutschsprachförderverordnung geschrieben und in der Bundesregierung abgestimmt werden, das erste Modul entwickelt und alle formalen Abrechnungsfragen durch die Abrechnungsrichtlinie geklärt werden. Dieses Ziel haben wir erfolgreich mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zum 1. Juli 2016 erreicht.

Wir sehen die Deutschsprachförderverordnung derzeit noch als ein lernendes System an, das in den ersten zwei Jahren fortlaufend weiterentwickelt werden muss. In diesem Jahr gilt es zuvorderst, die weiteren Module zu entwickeln und sich die operativen Prozesse genau anzuschauen und gegebenenfalls auch verordnungsrechtlich nachzusteuern. Eine große Herausforderung sehe ich hier darin, den Bedarf für die Spezialmodule richtig zu erkennen. Dafür greifen wir auf die wichtigen Erfahrungen des Förderprogramms IQ zurück. So haben wir in Zusammenarbeit zwischen der IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Modul für akademische Heilberufe entwickelt. Als weitere Spezi-almodule sind derzeit geplant: Pflege, gewerblich-technische Berufe, Handel sowie Pädagogik (Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher).

Eine weitere Herausforderung liegt sicherlich in der Schaffung eines ausreichenden Angebots an Berufssprachkursen. Dies gilt vor allem für den ländlichen Bereich. Hier ist ein weiterer Schritt die Erste Verordnung zur Änderung der Deutschsprachförderverordnung. In dieser haben wir die Ergänzung des Zulassungsverfahrens um Vergabemöglichkeiten, die Ausweitung der Teilnehmendengruppe auf alle Beschäftigten und den Einsatz von sozialpädagogischen Fachkräften sowie Fachdozierenden vorgesehen.

Wie ist das Förderprogramm IQ gegenwärtig und zukünftig in die berufsbezogene Deutschsprachförderung eingebunden?

Zuerst möchte ich meinen großen Dank an das Förderprogramm IQ zum Ausdruck bringen. Neben den Erfahrungen aus dem ESF-BAMF-Programm zur berufsbezogenen Sprachförderung konnten und können wir insbesondere bei den Spezialmodulen auf die wichtige Expertise des IQ Netzwerkes zurückgreifen. Das war und ist für uns wichtig, da es im Programm durch die Vernetzung von Teilprojekten und der IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch eine koordinierte Zusammenführung des Wissens aus der Fläche in die Entwicklung der Module gab und gibt.

Ein wesentliches Ziel des Förderprogramms IQ ist die Entwicklung innovativer Instrumente, die noch nicht durch die Regelförderung abgedeckt werden und der Transfer guter Instrumente in die Regelförderung. Die Spezialmodule der Deutschsprachförderverordnung sind hierfür ein gutes Beispiel. Auch in Zukunft wird das Förderprogramm IQ mit Sicherheit einen Beitrag zur Förderung der berufsbezogenen Deutschsprach-kenntnisse leisten. Dies gilt für die speziellen Sprachkurse, die nicht flächendeckend über die Berufssprachkurse angeboten werden können. Hier sehe ich weiterhin eine wichtige Aufgabe der Qualifizierungen im Rahmen des Förderprogramms IQ.

 

Das Interview führte Irma Wagner.

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