Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Schnell und erfolgreich Deutsch lernen – wie geht das?

"Schnell und erfolgreich Deutsch lernen - wie geht das?", so die titelgebende Frage der Studie, der Jana Scheible im Forschungsprojekt "Erklärungsansätze für Unterschiede beim Zweitspracherwerb" nachgeht. Dazu wurde eine Übersicht von Determinanten des Zweitspracherwerbs im Auftrag des BAMF erstellt und Daten des BAMF-Integrationspanels mit Angaben von 2.082 Teilnehmenden und ihren Kursleitenden aus der ersten und zweiten Befragung in den Jahren 2007/08 analysiert.

Das zentrale staatliche Integrationsangebot für Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ist seit 2005 der Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Dieser umfasst in der Regel 600 Stunden Sprachunterricht und 100 Stunden politisch-kulturelle Bildung (Orientierungskurs). Seit seiner Einführung im Jahr 2005 nahmen bis zum Ende des ersten Halbjahres 2016 etwa 1,5 Millionen Personen am Integrationskurs teil. Zunehmend prägt die Flüchtlingszuwanderung die Kurszusammensetzung.

Individuelle Lernvoraussetzungen beeinflussen den Deutscherwerb maßgeblich

Insbesondere Bildung, Sprachlernerfahrung, Interesse für die deutsche Kultur, Spaß am Kurs und ein häufiger Gebrauch der deutschen Sprache im Kurs sowie außerhalb, z.B. zu Hause oder mit Freunden, beeinflussen den Deutscherwerb  maßgeblich.

Kursteilnehmende profitieren besonders von Lehrkräften mit Migrationshintergrund

Teilnehmende, deren Lehrkräfte einen Migrationshintergrund, aber ein anderes Herkunftsland als die Teilnehmenden selbst haben, verzeichnen dabei besonders große Lernerfolge. Dies wird auf eine gesteigerte Modellfunktion und gegebenenfalls vorhandene, eigene Deutschlernerfahrung der Kursleitenden zurückgeführt. Kursteilnehmerinnen erzielen in Kursen mit weiblichen Lehrkräften einen besonders großen Deutschkenntniszuwachs.

Kurszusammensetzung weniger wichtig, aber Außendifferenzierung und kleine Kursgrößen hilfreich

Kleinere Kursgrößen und Spezialkurse, die die individuellen Lerngeschwindigkeiten der Teilnehmenden berücksichtigen, entlasten die Kursleitenden und helfen ihnen, gezielt auf die individuellen Bedürfnisse in heterogenen Lerngruppen einzugehen. Die Voraussetzung für vergleichbare Deutschkenntniszuwächse in erstsprachlich homogenen und heterogenen Kursen ist jedoch, dass die Teilnehmenden im Kurs vorwiegend Deutsch sprechen und nicht in eine andere gemeinsame Sprache wechseln. Dieses Risiko besteht eher in homogenen Gruppen.

Lebenssituationen von Geflüchteten sind zu berücksichtigen

Geflüchtete und Zugewanderte mit anderen Migrationsmotiven unterschieden sich nicht hinsichtlich ihres Deutschkenntniszuwachses im Kursverlauf. Dies weist darauf hin, dass die Kursleitenden in der Lage sind, den besonderen Bedürfnissen der Teilnehmenden mit Fluchthintergrund Rechnung zu tragen. Für den schnellen und erfolgreichen Deutscherwerb ist es unerlässlich, dass die Kursleitenden die erschwerte Lebenssituation von Geflüchteten u. a. in Hinblick auf das Asylverfahren, die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften, Traumabewältigung sowie gesundheitliche Beschwerden berücksichtigen und auch die unterrichtlichen Rahmenbedingungen entsprechend gestaltet sind.

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