Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Knoff-Hoff für Wiwis

Der "IQ Brückenkurs für Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler" des Paritätischen Bildungswerks Bremen (PBW) will Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit im Ausland erworbenen wirtschaftswissenschaftlichen- bzw. ökonomischen Studienabschlüssen und Sprachkenntnissen auf B2-Niveau den Einstieg in eine qualifizierte Beschäftigung in Deutschland erleichtern. Vermittelt werden Anforderungen des Berufsalltags, vertieft werden vorhandene berufsadäquate Kompetenzen und gecoacht wird während der Jobsuche!

"Wirtschaftswissenschaftler bewegen sich nicht in einem reglementierten Berufsfeld, sie brauchen keine Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse, um arbeiten zu dürfen", sagt Heike Krautschun-Lindner, Kursleiterin und Coach. Nichtsdestotrotz könne eine Zeugnisbewertung vielleicht Vorteile bringen. Was also tun? Der Kurs lotet gemeinsam mit den Teilnehmenden diese und andere Fragen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt aus.

Die Mischung macht den Unterschied

Der erste Kurs ist abgeschlossen, die 15 Teilnehmenden kamen von überall auf der Welt. "Vier haben bereits einen Job gefunden, sechs sind noch im Coaching, zwei haben den Kurs vorzeitig beendet und drei studieren bzw. qualifizieren sich weiter", geht Krautschun-Lindner ihre Liste durch. "Alle haben eine Richtung!", betont sie. Das Erfolgsrezept fasst die Kursleiterin knapp zusammen: Modularisierte und individualisierte Angebote. Der IQ Kurs vermittelt Hard- und Softskills: Wirtschaftsdeutsch, Projekt- und Qualitätsmanagement, EDV- sowie Karrieretraining, Kommunikation und Rhetorik. "Wir beraten und coachen unsere Teilnehmenden nach ihren Bedarfen", so Krautschun-Lindner. Denn was nützt es, wenn jemand zwar das Profil einer gesuchten Stelle abbildet, aber nicht in der Lage ist, sich auch entsprechend zu verkaufen, weil er die hiesigen Gepflogenheiten nicht kennt. "Wir simulieren Bewerbungsgespräche", erzählt sie, "weil die Teilnehmenden häufig unterschätzen, dass neben Sprachkompetenz gerade Auftreten, Gestik und Mimik zählen." Menschen seien unterschiedlich sozialisiert, z.B. könne ein aus unserer Sicht betont weibliches Auftreten, wie es sich verstärkt bei Frauen aus Osteuropa findet, in Deutschland als durchsetzungsschwach und unprofessionell empfunden werden, egal, ob die Bewerberin drei Abschlüsse vorweisen könne oder nicht.

Auf die Beziehung kommt es an!

Für Anna Prusko, Teilnehmerin des ersten Kurses und weiterhin im Coaching, ist die vertraute Beziehung zur Kursleitung das Besondere: "Sie sind mehr als nur Lehrerinnen, sie sind Freundinnen, ich kann sie jederzeit anrufen und etwas fragen!" Die 29jährige Frau stammt aus einer Kleinstadt in Masuren/Polen und ist 2013 der Liebe wegen nach Bremen gekommen. Am Anfang hat sie sich schon manchmal gefragt, was sie hier eigentlich machte, als Akademikerin, die im Lager Kisten stapelte und bei der Volkshochschule Sprachkurse absolvierte. Wozu hatte sie einen Master in "internationalen Beziehungen", "Human Resources" und einem Bachelor in "Tourismus" gemacht? Wie lange würde es dauern, um in Deutschland anzukommen? Als sie in einer Info-Mail vom IQ Brückenkurs für Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftwissenschaftler erfuhr, wusste sie, dass das genau der fehlende Baustein für sie war. "Alles, was wir hier gelernt haben, Excel, Projektmanagement, Wirtschaftsdeutsch, war super für mich!", bestätigt die junge Frau und betont, "natürlich kannte ich die Inhalte zum großen Teil, aber eben nicht auf Deutsch, da habe ich viel mitgenommen."

Bewerbungen haben‘s in sich

Inzwischen hat sie eine Teilzeitstelle in einem kleinen Logistikunternehmen gefunden. Geholfen dabei hat ihr der Brückenkurs. "Alleine Bewerbungen zu schreiben ist schwierig", sagt sie nachdenklich, "denn worauf legen die Deutschen Wert?" In Polen formuliere man Bewerbungsanschreiben nicht so förmlich wie hier, auch werden Lebensläufe ohne Foto erstellt. Alles Dinge, die man nicht weiß, wenn man auf dem hiesigen Arbeitsmarkt Fuß fassen will. Jetzt ist sie auf der Suche nach einer Vollzeitstelle und bewirbt sich weiter. Krautschun-Lindner hilft ihr dabei, ihre Bewerbungsstrategien weiter zu optimieren. "Hier höre ich immer, dass ich noch jung sei und genug Zeit habe, um meine Karriere aufzubauen", sagt sie verwundert und grinst dabei. "In Polen dagegen gelte ich bereits als alt!" Gerne würde die zielstrebige junge Frau in Bremen bleiben. "Hier sind die Leute super, nicht so nervös wie die in Hamburg", wo sie ein Praktikum gemacht hat, "die Bremer sind viel entspannter!"

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