Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Anerkennung zahlt sich aus

Das Anerkennungsgesetz, das vor fünf Jahre in Kraft trat, wirkt sich positiv auf das (Berufs)Leben von Personen aus, die das Anerkennungsverfahren erfolgreich durchlaufen sind. Die erfolgreichen Antragstellenden seien häufiger, zeitlich umfangreicher und auch qualifikationsnäher erwerbstätig. Zu diesen Ergebnissen kommt die am 7. Juni 2017 veröffentlichte Wirkungsanalyse von der Interval GmbH und dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK).

Wirkung des Anerkennungsgesetzes

Mit dem Anerkennungsgesetz, das zum 1. April 2012 in Kraft trat, wurde in Deutschland erstmals ein allgemeiner Rechtsanspruch auf Überprüfung der Gleichwertigkeit eines im Ausland erworbenen Berufsabschlusses geschaffen. Die Inhaberin bzw. der Inhaber eines Bescheids der Gleichwertigkeit wurden damit rechtlich mit Personen gleichgestellt, die den entsprechenden deutschen Berufsabschluss erworben haben.

In reglementierten Berufen wird damit die Möglichkeit eröffnet, den Beruf uneingeschränkt auszuüben. In nicht reglementierten Berufen dient die Gleichwertigkeitsbescheinigung u. a. der Sichtbarmachung der im Ausland erworbenen Qualifikation, sie kann aber auch den Zugang zu bestimmten Weiterbildungsmöglichkeiten eröffnen oder Voraussetzung für die Zuwanderung aus Drittstaaten sein.

Die kürzlich veröffentlichte Wirkungsanalyse des Anerkennungsgesetzes, die eine standardisierte Befragung von 812 Personen enthält (deren Antrag auf Anerkennung ihrer Auslandsqualifikation positiv beschieden wurde), zeigt, dass das Anerkennungsgesetz besonders für Personen mit Migrationshintergrund eine erhebliche Verbesserung im Berufsleben bedeutet.

Personen aus Drittstaaten nutzen Anerkennungsgesetz

Bis zum 31. Dezember 2015 wurden 63.486 Anerkennungsanträge in 38 unterschiedlichen Berufen gestellt. 46 Prozent aller Neuanträge wurden von Personen gestellt, die durch das Anerkennungsgesetz erstmals ein Zugang zu einer beruflichen Anerkennung in Deutschland möglich war. Die meisten Personen mit einem anerkannten Abschluss, etwa 63 Prozent, sind als Drittstaatsangehörige nach Deutschland gekommen. Für Angehörige von EU -Staaten oder der Schweiz bestehen mit dem Anerkennungsgesetz zusätzliche Möglichkeiten gegenüber den vor 2012 bereits bestehenden umfassenden Anerkennungsregeln.

Gesundheitsberufe am stärksten frequentiert

Fast 60 Prozent der Personen mit Anerkennung haben einen akademischen Bildungsabschluss. 75 Prozent aller Neuanträge können den medizinischen Gesundheitsberufen zugeordnet werden. Dort erweisen sich die Referenzberufe Ärztin und Arzt sowie Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. -pfleger als die am stärksten frequentierten. Im nicht reglementierten Bereich wurden die meisten Neuanträge für die Berufe Kauffrau bzw. Kaufmann für Büromanagement und Elektronikerin und Elektroniker gestellt. Bei drei der vier genannten Referenzberufe handelt es sich um einen bundesweiten Mangelberuf.

Vervielfachte Chancen bildungsadäquater Beschäftigung

Mehr Personen (85,7 Prozent) waren nach der Antragstellung erwerbstätig: Vor dem Zeitpunkt der Antragstellung waren es nur 74,2 Prozent. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten unter den Erwerbstätigen war nach der erfolgreichen Anerkennung mit 3,3 Prozent deutlich niedriger als zum Zeitpunkt der Antragstellung (13,0 Prozent).
Die Analysen der Wirkungsanalyse zeigen außerdem, dass Anerkennung dazu führt, dass Personen eher in ihrem erlernten Beruf arbeiten. 86,9 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten nun in dem Beruf, für den sie inzwischen eine Anerkennung erhalten hatten, zum Zeitpunkt der Antragstellung waren es nur 68,5 Prozent. Die Chance zur bildungsadäquaten Beschäftigung steigt, im Vergleich zu Personen, die keinen Antrag auf eine Anerkennung gestellt haben, fast um das Vierfache bei Personen, deren Abschluss voll anerkannt wurde.

1.000 Euro Einkommenssteigerung

Zudem kann festgestellt werden, dass die Erwerbstätigen höhere Arbeitseinkommen erzielten als vor der Anerkennung. Das durchschnittliche Brutto-Arbeitseinkommen pro Monat ist rund 1.000 Euro höher als zum Zeitpunkt der Antragstellung und stieg somit um 40,2 Prozent. Der größte Teil hiervon, nämlich 650 Euro, ist unmittelbar auf berufliche Aufstiege bzw. höherwertige und höher entlohnte Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen. Weitere Gründe sind die zeitlich umfangreichere Erwerbstätigkeit und die allgemeine Gehaltsentwicklung in Deutschland.

Gesteigerte Zufriedenheit

Fast 85 Prozent der Personen mit einem anerkannten Abschluss sind zufrieden mit ihrer Arbeit, bei Personen ohne Anerkennung liegt dieser Anteil um 15 Prozentpunkte niedriger. Über 80 Prozent gehen davon aus, dass die Anerkennung ursächlich dafür ist, dass sie einen beruflichen Ein- oder Aufstieg erreicht haben (85,4 Prozent) und heute mehr Geld verdienen (80,5 Prozent). Über 70 Prozent fühlen sich wegen der Anerkennung von ihrem Arbeitgeber bzw. Vorgesetzten besser akzeptiert und wertgeschätzt als zuvor (73,4 Prozent). Und über 50 Prozent derjenigen, deren berufliche Situation sich verbessert hat, gehen davon aus, dass die Anerkennung ihrer Auslandsqualifikation einen Beitrag dazu geliefert hat, dass sie heute qualifikationsnäher beruflich tätig sind und einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten haben.

Hier finden Sie den vollständigen Evaluationsbericht zum Download.

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