Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Das Anerkennungsverfahren

Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes 2012 hat jede Person mit einem ausländischen Berufsabschluss einen Rechtsanspruch auf ein Verfahren zur Anerkennung seiner oder ihrer ausländischen Qualifikation. Das Verfahren ist offen für alle, unabhängig von Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsstatuts – also auch für Asylbewerberinnen und -bewerber und Geduldete.

Wer einen Antrag aus dem Ausland stellen möchte, sollte sich vor der Einreise über Aufenthalts- und Beschäftigungsmöglichkeiten in Deutschland informieren, zum Beispiel auf www.make-it-in-germany.de oder über die Hotline von "Arbeiten und Leben in Deutschland" (+4930 18151111).

Auf dem Webportal Anerkennung in Deutschland können sich Anerkennungsinteressierte bereits vor ihrer Einreise über das Anerkennungsverfahren informieren. Wer bereits weiß, wo in Deutschland er oder sie wohnen wird, kann sich auch direkt an eine IQ Beratungsstelle vor Ort wenden.

Ablauf

Ein Anerkennungsverfahren ist für schulische, akademische und berufliche Abschlüsse möglich. Das Verfahren beginnt mit einem Antrag auf die Prüfung der Gleichwertigkeit einer ausländischen Berufsqualifikation. Der Antrag wird bei der für den jeweiligen Beruf zuständigen Anerkennungsstelle eingereicht. Je nach Bundesland und Beruf sind unterschiedliche Stellen für die Überprüfung der Gleichwertigkeit zuständig.

Bei der Suche nach der zuständigen Stelle ist der "Anerkennungs-Finder" eine hilfreiche Unterstützung: Anerkennungsinteressierte können auf dem Portal "Anerkennung in Deutschland" ihren sogenannten "Referenzberuf" recherchieren. Anschließend  kann dort auch die passende Anerkennungsstelle gefunden werden.

Persönliche Unterstützung gibt es bei den IQ Beratungsstellen. Sie informieren Interessierte und unterstützten sie Schritt für Schritt während des Anerkennungsverfahrens.

Die anerkennende Stelle vergleicht die ausländische Berufsqualifikation mit einem deutschen Referenzberuf, zum Beispiel was die Dauer der Ausbildung angeht. Mehrere Ergebnisse sind möglich: 

1. Es gibt keine wesentlichen Unterschiede zwischen in- und ausländischem Berufsabschluss, der ausländische Abschluss ist "vollständig gleichwertig". Die Antragstellenden erhalten eine sogenannte Gleichwertigkeitsbescheinigung und sind rechtlich Personen mit einem deutschen Berufsabschluss gleichgestellt.

2. Es besteht keine Gleichwertigkeit zwischen der Auslands- und der Inlandsqualifikation oder der Sachverhalt kann nicht aufgeklärt werden. Der Antrag wird abgelehnt.

3. Es bestehen wesentliche Unterschiede zwischen dem aus- und inländischen Berufsabschluss. Die anerkennende Stelle führt dann eine individuelle Prüfung durch. Hier wird geschaut, ob die wesentlichen Unterschiede durch Berufserfahrung oder andere Nachweise ausgeglichen werden können. Ist dies der Fall, wird ebenfalls eine Gleichwertigkeitsbescheinigung ausgestellt.

Wenn die Berufserfahrung die Unterschiede nicht ausgleichen kann, der ausländische Abschluss und der deutsche Abschluss aber teilweise vergleichbar sind, erhalten die Antragstellenden in reglementierten Berufen einen Bescheid mit Auflage einer Ausgleichmaßnahme. Das ist in der Regel ein Anpassungslehrgang oder eine Prüfung. Wer die Ausgleichsmaßnahme erfolgreich absolviert, erhält die volle Gleichwertigkeit.

In nicht-reglementierten Berufen erhält man einen Bescheid über die "teilweise Gleichwertigkeit" und kann sich damit direkt auf dem Arbeitsmarkt bewerben. Es kann aber hilfreich sein, die im Bescheid aufgeführten fehlenden Qualifikationen durch die Teilnahme an passenden Qualifizierungsangeboten auszugleichen. Eventuell ist auch Ihr Arbeitgeber bereit, Sie dabei zu unterstützen

Das Förderprogramm IQ bietet für viele Berufe Qualifizierungen, um wesentlichen Unterschiede zu einem deutschen Beruf auszugleichen - und das ohne Kosten für die Teilnehmenden. 

Suchen Sie auf unserer interaktiven Karte nach einer Qualifizierung in Ihrer Nähe.

Reglementiert oder nicht reglementiert?

In reglementierten Berufen ist eine Anerkennung ausländischer Qualifikationen zwingende Voraussetzung dafür, den Beruf auszuüben oder einen bestimmten Berufstitel führen zu dürfen. Ein Fachgesetz bzw. eine Rechts- oder Verwaltungsvorschrift legt fest, welche Qualifikationen nachzuweisen sind. Es gibt 81 Berufe, die durch das Bundesrecht reglementiert sind, zum Beispiel Arzt bzw. Ärztin, Krankenpflegerin oder-pfleger sowie verschiedene Handwerks- und Meisterberufe. Außerdem gibt es 18 landesrechtlich reglementierte Berufe wie Lehrerin oder Lehrer, Erzieherin oder Erzieher. Eine Liste mit allen Berufen, die in Deutschland reglementiert sind, finden Sie auf "Anerkennung in Deutschland". 

Nicht reglementiert bedeutet, dass Zugang und Ausübung des Berufs nicht an bestimmte staatliche Vorgaben gebunden sind. Der Beruf kann also ohne staatliche Zulassung ausgeübt werden. Auf Bundesebene sind das die rund 330 Ausbildungsberufe im dualen System des Bundes sowie rund 180 Fortbildungsabschlüsse nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung.

Dauer und Kosten

In der Regel darf das Verfahren nach Eingang der vollständigen Unterlagen nicht länger als drei Monate dauern.

Die Gebühren für das Verfahren müssen die Antragstellenden selbst tragen. Die Höhe richtet sich nach den Gebührenregelungen der anerkennenden Stellen und hängt vom individuellen Aufwand des Verfahrens ab. Die Gebühren werden in der Regel als Vorschusszahlungen verlangt.

Agenturen für Arbeit und Jobcenter können die Verfahrenskosten für ihre Kundinnen und Kunden unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen. Auch Kosten für eventuell notwendige Ausgleichsqualifizierungen können übernommen werden. Eine Förderung muss im Einzelfall mit den Mitarbeitenden der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters geklärt werden. Seit 2015 gibt es durch das Förderprogramm IQ die Möglichkeit, kostenlos eine Ausgleichsmaßnahme in Anspruch zu nehmen, zum Teil ist hierbei auch eine Übernahme indirekter Kosten möglich, zum Beispiel Fahrtkosten.

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