Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Ramez Warrak (42) aus Syrien

  • Abitur in den Arabischen Emiraten
  • Studium der Zahnmedizin in der Ukraine
    (Syrien und die damalige Sowjetunion hatten zu dem Zeitpunkt ein Bildungsabkommen)
  • 1996 Abschluss Zahnmedizin in der Ukraine
  • 16 Jahre Berufserfahrung in Syrien

 

Auswanderung nach Deutschland:

Nach Abschluss meines Zahnmedizin-Studiums 1996 bin ich noch bis 1997 in der Ukraine geblieben, um mein Praktisches Medizinisches Jahr zu machen. Erst danach bekam ich meinen Titel als Zahnmediziner. Im Anschluss bin ich nach Syrien zurückgekehrt, wo mein Studium erst einmal nicht anerkannt wurde. Nach meiner Approbation in Syrien, gründete ich 1998 meine eigene Praxis in Aleppo und war nebenbei als Dozent an der Hochschule tätig. Während dieser Zeit habe ich mich im kieferorthopädischen Bereich weitergebildet. Zunächst habe ich bis 2013 in Syrien gearbeitet, bis dann die Lage durch den Krieg immer schlimmer wurde. Von einem Tag auf den anderen habe ich mich entschieden Syrien zu verlassen und auszuwandern. Ich bin dann in die Türkei und habe 4 Monate bei einem Zahnarzt gearbeitet. Jedoch wurde meine Arbeit dort nicht entsprechend gewürdigt. Durch einen Kontakt zu einem gut befreundeten Hochschulprofessor in Frankfurt, ergab sich die Möglichkeit nach Deutschland weiterzureisen. Er hat mich und meine Familie durch eine persönliche Einladung nach Deutschland gebracht.

Erste Schritte in Deutschland:

Ich musste zunächst einmal die Sprache lernen, denn ohne die Sprachkenntnisse und eine Aufenthaltsgenehmigung bekam ich bei vielen Stellen nur Absagen. 2013 habe ich dann in Frankfurt Asyl beantragt. Auf einer Veranstaltung in Friedland, habe ich einen Berater der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstelle aus Hannover kennen gelernt. Er bot mir Unterstützung an. Zunächst besuchte ich jedoch Deutschkurse, die ich selbst finanzierte. Nachdem ich den B1 Kurs geschafft hatte, bin ich mit dem Berater aus Hannover in Kontakt getreten. Er empfahl mir, mich mit seiner Kollegin Frau Rudat in Verbindung zu setzen.

Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstelle Hannover:

Seit März 2014 hat Frau Rudat mich auf meinem Weg zur Anerkennung intensiv begleitet und unterstützt. Ohne ihre Hilfe, wäre ich heute nicht da, wo ich bin! Es begann damit, dass ich die Echtheit meiner Abschlüsse und Zertifikate bestätigen bzw. sie legalisieren lassen musste. Das hat fast 4 Monate gedauert und war für mich eine sehr harte Phase! Ich habe etliche Unterschriften und Papiere aus Syrien und der Ukraine eingeholt, übersetzen, beglaubigen und legalisieren lassen. Das hat nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch viel Geld und Nerven gekostet. Aber es ist notwendig, damit das Anerkennungsverfahren überhaupt durchgeführt werden kann.

Ich musste also kämpfen, aber am Ende habe ich es geschafft! Nach der Bestätigung der Echtheit meiner Zertifikate ging es dann weiter. Nun musste ich noch als Zahnarzt meine Berufserlaubnis in Deutschland bekommen. Nach der Antragstellung auf Anerkennung meiner Abschlüsse mit der Unterstützung meiner Beraterin, bekam ich von der Niedersächsischen Ärztekammer die Antwort, dass ich nicht als Arzt in Deutschland tätig sein durfte. Das war erst einmal ein Schock, nach so vielen Mühen. Durch meine Approbation, die ich schon einmal in Syrien gemacht hatte, und meine fast 20 jährige Berufserfahrung, hatte ich jedoch Vorteile auf dem Weg zur Anerkennung. Zwar reichte das bei weitem nicht aus, doch durch die Hilfe meiner Beraterin wurden alle meine Abschlüsse und Zertifikate genauestens überprüft, um festzustellen, was mir anerkannt wird, und wo ich mich noch weiterbilden lassen muss. Nach zahlreichen weiteren Beratungsgesprächen bekam ich endlich meine Berufserlaubnis!

Aktuelle berufliche Situation von Ramez Warrak:

Ich habe 7 Monate als Vertretungszahnarzt in Zwickau gearbeitet. Jedoch wollte ich dort aufgrund meiner familiären Situation nicht bleiben. Ich kam deshalb nach Hannover, wo ich bald eine neue Stelle als angestellter Zahnarzt antreten werde. Hier muss ich zunächst zwei Jahre arbeiten, um meine eigene Praxis eröffnen zu können. Die Hauptsache ist jedoch, dass ich wieder in meinem Beruf arbeiten darf, was mich sehr glücklich und stolz macht!

Tipp von Ramez Warrak:

Viele Ausländer, die bereits als Ärzte in ihrer Heimat gearbeitet haben, gehen davon aus, dass sie in Deutschland direkt in ihrem Beruf einsteigen können. Doch wie ich selbst erfahren konnte, stimmt das so nicht. Hauptsächlich die Berufserfahrung in Deutschland zählt. Was man vorher im Ausland gemacht hat, zählt leider nicht so viel. Doch es lohnt sich durchzuhalten und sich für seine Kompetenz einzusetzen, wie man in meinem Fall sehen kann. Zudem gibt es sehr gute Beraterinnen und Berater, die ihre Unterstützung kostenlos und unabhängig anbieten. Diese Hilfe sollte man unbedingt annehmen, denn alleine wird es schwierig!

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